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5119 Kirchhain
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 61. Kirchhain

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Betziesdorf

Stadtteil · 220 m über NN
Gemeinde Kirchhain, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

7,5 km nordwestlich von Kirchhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss im Kessel eines Talschlusses, leicht hängend nach Nordwesten. Kirche mit wehrhaft ummauertem mehreckigen Kirchhof am Nordwesten-Rand des Ortes.

Die B 62 (alte Niederrheinische Landstraße) führt durch den südlichen Ortsbereich. Südöstlich davon abzweigend die Straße nach Sindersfeld (alte Amtsstraße Marburg - Rauschenberg, zugleich älteste Straße Marburg - Kassel). Wahrscheinlich führte am Ost-Rand des Ortes der frühe Höhenweg von der Hunburg (Hainmühle) zum Burgwald vorbei.

Ersterwähnung:

1254

Siedlungsentwicklung:

1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Fleckenbühl

Historische Namensformen:

  • Bezchindorph (1254) [Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, Nr. 236]
  • Becingendorf (1259)
  • Bezcekendorph (1264)
  • Bezzichindorf (1273)
  • Betzgensdorf (1489)
  • Bettzendorff (1500)
  • Betzgesdorff (1527)
  • Betziesdorf (1571)
  • Betzdorf (1577)
  • Betzigsdorf (1587)
  • Betzienndorff (1630)

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Hainmühle
  • Wüstung Hunburg
  • Wüstung Lichtenscheid
  • Auf eine wüste Siedlung 1,2 km südlich Betziesdorf deutet der Flurnamen in der Teisebach (in der Flur karolingerzeitliche Keramik, einsetzend um 700).

Umlegung der Flur:

1900, 1903/1904

Älteste Gemarkungskarte:

1720

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3489250, 5636250
UTM: 32 U 489180 5634435
WGS84: 50.8615077° N, 8.846259558° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534011020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1672 stellbares Land, 313 Wiesen, 54 Gärten, 30 Triesche, 311 Wald
  • 1885 (Hektar): 877, davon 406 Acker (= 46.29 %), 93 Wiesen (= 10.60 %), 317 Holzungen (= 36.15 %)
  • 1961 (Hektar): 848, davon 240 Wald (= 28.30 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 41 (19 landgräfliche) Huasgesessene
  • 1585: 41 Hausgesessene
  • 1630 (landgräflicher Anteil): 2 vierspännige, 1 dreispännige, 2 zweispännige, 4 einspännige Ackerleute, 2 Einläuftige
  • 1630: 22 (12 landgräfliche) Hausgesessene
  • 1681: 20 hausgesessene Mannschaften (landgräflicher Anteil)
  • 1746: 222 Einwohner
  • 1746: 6 Schmiede (5 nur Eigenbedarf), 1 Wagner, 1 Maurer, 1 Schneider, 3 Leineweber, 2 Wirte, 2 Müller, 1 Tagelöhner, 1 Näherin, 1 Viehhändler (Jude)
  • 1838 (Familien): 28 Ackerbau, 18 Gewerbe, 18 Tagelöhner 36 nutzungsberechtigte, 16 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 12 Beisitzer
  • 1861: 438 evangelisch -lutherische, 1 römisch-katholische, 4 jüdische Einwohner
  • 1885: 398, davon 385 evangelisch (= 96.73 %), 1 katholisch (= 0.25 %), 12 Juden (= 3.02 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 144 Land- und Forstwirtschaft, 126 Produzierendes Gewerbe, 44 Handel und Verkehr, 30 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 670, davon 613 evangelisch (= 91.49 %), 51 katholisch (= 7.61 %)

Diagramme:

Betziesdorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1395 und später: Gericht Schönstadt
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Rosenthal
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Landgericht Marburg
  • 1850: Justizamt Marburg
  • 1867: Amtsgericht Marburg

Herrschaft:

1310 erwirbt Kloster Haina von einem Amöneburger Bürger Güter im Gerichtsbezirk (iurisdictio) Betziesdorf (Franz, Klosterarchive 6 Nr. 149). Noch 1437 ist von dem sonst nicht weiter bekannten Gericht Betziesdorf die Rede (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 2, Nr. 258).

Gemeindeentwicklung:

Am 1.2.1971 wurde Betziesdorf im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Kirchhain eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1254/64 erwirbt Kloster Haina von den von Herbelhausen und den Vögten von Bottendorf deren Güterbesitz in Betziesdorf. 1310 erwirbt das Kloster von einem Amöneburger Bürger Güterbesitz.
  • 1283 verpachtet das Stift Wetzlar an Konrad von Marburg 3 Hufen und Einkünfte in Betziesdorf. Eine weitere Hufe des Stifts haben sich die von Gershausen unrechtmäßig angeeignet. 1334 verkauft das Stift den Güterbesitz als Teil der Villikation Bürgeln-Cölbe an die Landgrafen gegen einen Jahreszins.
  • 1292 verkaufen die von Gershausen ihren Güterbesitz an den Deutschen Orden Marburg, der 1358/1375 2 Höfe mit ca. 140 Morgen Ackerland und 5 Morgen Wiesen in Betziesdorf besitzt: 1818: ehem. Deutsche Orden-Besitz: 1 halber Hof und 6 Viertelhöfe

Zehntverhältnisse:

Der Zehnte gehört 1562 den Milchling von Schönstadt bis auf den Deutschherrenhof und einen Hof der von Hohenfels, die an die von Hohenfels zehnten (nassau-dillenburgisches Lehen).

Ortsadel:

1280-1369

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Maria

Pfarrzugehörigkeit:

1592 und später: Schwarzenborn eingepfarrt; vor 1664 und seit 1860: Bürgeln

1690-1732 und 1748-1796 wurde der Vikariat der Kirche in Bracht von Betziesdorf aus versehen.

Patronat:

1577 landgräflich

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Hermann Anders ca. 1550

Reformierter Bekenntniswechsel: 1609(?), 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Schönstadt

Juden:

Bis 1885 gehörte der Ort zur Gemeinde Rauschenberg.

Jude(n) 1746 genannt

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Betziesdorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9004> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde