Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Gräveneck

Ortsteil · 188 m über NN
Gemeinde Weinbach, Landkreis Limburg-Weilburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

15 km nordöstlich von Limburg

Lage und Verkehrslage:

3 km nordwestlich von Weinbach an L 3452 und der Lahn.

Zwei Bahnhöfe der Eisenbahnlinie Wetzlar – Nassau ("Lahntalbahn III") (Inbetriebnahme der Strecke 14.10.1862) von 1862 und 1911 (Neuer Bahnhof).

Siedlungsentwicklung:

Im Jahre 1352 wurde die Burg Neu-Elkerhausen errichtet.

1381 entstand die Steuerburg als Belagerungsburg zu Neu-Elkerhausen.

1395 entstand die Burg Gräveneck als Belagerungsburg zu Neu-Elkerhausen.

Während des ganzen 14. Jahrhunderts fanden in und um Gräveneck Kämpfe zwischen den Herren von Elkerhausen, die das Land mit Raubzügen heimsuchten, und den benachbarten Herrschern statt.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Burg Neu-Elkerhausen; Steuerburg und Burg Gräveneck
  • Burg Neu-Elkerhausen: Die Burg wurde durch die Herren von Elkerhausen auf einem Sporn links über der Lahn, auf der anderen Seite von Gräveneck bei der Zippsmühle erbaut. Der Burgbau steht im Zusammenhang mit der Zerstörung der Elkerhäuser Stammburg im Weinbachtal durch Erzbischof Balduin von Trier im Jahre 1352. Der Erzbischof untersagte den von Elkerhausen desweiteren den Wiederaufbau ihrer Stammburg. Hilfe fanden die Herren von Elkerhausen bei Graf Gerhard von Diez, welcher zu dieser Zeit mit den Grafen von Nassau verfeindet war und ihnen die Errichtung einer neuen Burg auf dem Schartenberg erlaubte. Die neue Burg, als Abwehrmaßnahme gegen die Nassauer gedacht, sollte als Diezer Lehen im Besitz der von Elkerhausen bleiben. Den Einspruch Graf Johanns von Nassau-Weilburg wies der berufene Arbiter Gerlach von Limburg 1352 ab. 1353 kam es zu einer gütlichen Einigung, in der sich sowohl Graf Johann als auch Heinrich von Elkershausen auf das gegenseitige Öffnungsrecht für ihre Burgen einigten. Die Burg wurde 1396 wegen der "Räubereien" der Herren von Elkerhausen durch Philipp von Nassau-Saarbrücken und seine Verbündeten erobert und zerstört.
  • Die Burg wurde im Südosten durch einen Hanggraben, der steil zum Tal hinab läuft, gesichert. Ein noch bestehendes Mauerstück lässt auf einen Rundbogenfries schließen, das im Mittelrhein- und Lahngebiet zu den gängigen Verteidigungsbauten gehörte. Über der Mühle lassen sich der Stumpf und die Mauerreste eines quadratischen Turmes finden. Ebenso lassen sich Reste weiterer Mauertürme finden.
  • Steuerburg: Als sich im Jahre 1372 die Überfälle der Brüder Eckhard und Konrad von Elkerhausen auf Kaufleute, welche zu den Frankfurter Messen wollten oder auf dem Rückweg waren, wiederholten und diese des weiteren bei ihren Nachbarn Vieh raubten und andere Übergriffe begingen, wurden sie von der Reichsstadt Frankfurt zu Feinden erklärt. Um den Raubzügen ein Ende zu machen, verbündeten sich Graf Ruprecht von Nassau-Weilburg, Landgraf Hermann von Hessen, die Grafen von Solms, Johann von Limburg und Dietrich von Runkel gegen die Herren von Elkerhausen. Um 1381 erbauten sie auf der gegenüberliegenden, nordöstlichen Lahnseite (wahrscheinlich auf einem Sporn oberhalb des Steinbruchs) die in der Limburger Chronik als Steuerburg bezeichnete Anlage, die als Belagerungsburg gegen Neu-Elkerhausen diente. Nach der misslungenen Eroberung von Neu-Elkerhausen wurde die Steuerburg aufgegeben und war bereits 1382 vollständig zerstört.
  • Burg Gräveneck: Die Burg Gräveneck wurde 1395 ebenfalls als Belagerungsburg durch Graf Philipp von Nassau-Saarbrücken angelegt, welchem es mit seinen Verbündeten wie Graf Dieter von Katzenellenbogen 1396 gelang Burg Neu-Elkerhausen zu erobern und zu schleifen. Nach der Eroberung verlor die Burg ihre Bedeutung. Von der Burg am Westrand des Dorfes sind nur noch Reste erhalten geblieben wie einige Mauerzüge und ein Gewölbekeller. Der Halsgraben wurde verfüllt und der größte Teil der Bausubstanz im 18. Jahrhundert zum Bau eines Hofhauses auf dem Gut der Brendel von Homburg verwendet.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3447405, 5590623
UTM: 32 U 447351 5588827
WGS84: 50.44908652° N, 8.258437169° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

533019050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 704, davon 300 Acker (= 42.61 %), 45 Wiesen (= 6.39 %), 306 Holzungen (= 43.47 %)
  • 1961 (Hektar): 715, davon 329 Wald (= 46.01 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1885: 408, davon 393 evangelisch (= 96.32 %), 15 katholisch (= 3.68 %)
  • 1961: 882, davon 643 evangelisch (= 72.90 %), 229 katholisch (= 25.96 %)
  • 1970: 859 Einwohner

Diagramme:

Gräveneck: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Fürstentum Nassau-Weilburg, Grafschaft Nassau-Weilburg, Amt Weilburg
  • 1806: Herzogtum Nassau, Amt Weilburg, Kirchspiel Weinbach
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Weilburg
  • 1849: Herzogtum Nassau, Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk III (Kreisamt Hadamar)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Weilburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Oberlahnkreis
  • 1945: Groß-Hessen, Oberlahnkreis
  • 1946: Bundesland Hessen, Oberlahnkreis
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg

Altkreis:

Oberlahnkreis

Gericht:

  • 1816: Amt Weilburg
  • 1849: Justizamt Weilburg
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Weilburg
  • 1867: Amtsgericht Weilburg

Gemeindeentwicklung:

Am 1.12.1970 wurde Gräveneck im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der neu gebildeten Gemeinde Weinbach eingegliedert.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1453 genannt: Wendelinskapelle

Pfarrzugehörigkeit:

1536 zum Kirchspiel von Weilburg gehörig

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in Nassau-Weilburg ab 1526.

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzdiözese Trier, Archidiakonat St. Lubentius in Dietkirchen, Archipresbyterat Wetzlar, Sendort Weilburg

Wirtschaft

Wirtschaft:

1806 gehören die Alt- und Neuschwartenberger Höfe zu Gräveneck.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Gräveneck, Landkreis Limburg-Weilburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/8671> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde