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5326 Tann
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Tann (Rhön)

Stadtteil · 390 m über NN
Gemeinde Tann (Rhön), Landkreis Fulda 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

17,5 km südöstlich von Hünfeld

Lage und Verkehrslage:

Dicht an der alten Grenze nach Thüringen im nordöstlichen Zipfel des Kreises Fulda.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Hilders – Vacha von 1891 bis zur Stilllegung der Strecke 1976 (Die Teilstrecke Hilders - Tann (Rhön) wurde am 1.6.1891 eröffnet, die Teilstrecke Tann (Rhön) - Geisa am 1.10.1909).

Ersterwähnung:

1197

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • civitas (1197)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3572295, 5612375
UTM: 32 U 572192 5610569
WGS84: 50.64251005° N, 10.02100385° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

631023080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 644, davon 269 Acker (= 41.77 %), 208 Wiesen (= 32.30 %), 88 Holzungen (= 13.66 %)
  • 1961 (Hektar): 1324, davon 657 Wald (= 49.62 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1885: 1090, davon 921 evangelisch (= 84.50 %), 23 katholisch (= 2.11 %), 146 Juden (= 13.39 %)
  • 1961: 1674, davon 1488 evangelisch (= 88.89 %), 175 katholisch (= 10.45 %)
  • 1970: 2375

Diagramme:

Tann (Rhön): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1789: Herrschaft der Freiherren von der Tann (Ritterkanton Rhön-Werra, Buchisches Quartier)
  • 1806-1813: Großherzogtum Würzburg, Patrimonialgericht
  • 1820-1834: Königreich Bayern, Herrschaftsgericht Tann
  • 1834-1848: Königreich Bayern, Landgericht Hilders, Herrschaftskommissariat Tann
  • 1848-1862: Königreich Bayern, Kreis Unterfranken und Aschaffenburg, Landgerichtsbezirk Hilders
  • 1862-1866: Königreich Bayern, Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Gersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Gersfeld
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda

Altkreis:

Fulda

Gericht:

  • (1804) 1814: Landgericht Hilders (Herrschaftsgericht Tann)
  • 1867: Amtsgericht Hilders
  • 1945: Amtsgericht Fulda (Zweigstelle Hilders)

Herrschaft:

1332 bekundet Heinrich von der Tann, genannt zu Bischofsheim, dass ihm Heinrich [von Hohenberg], Abt von Fulda und der Konvent von Fulda des Klosters halben Anteil an Stadt und Gericht Tann für zehn Pfund Heller und 550 Pfund Heller auf Wiederkauf verkauft haben. Zugleich wurde das verkaufte Gut zum Lehen erklärt [HStAM Bestand Urk. 75 Nr. 285].

Zur Herrschaft Tann gehörten außer der Stadt Tann (Rhön) Aura, Dippach, Esbachsgraben, Günthers, Habel mit Habelgraben, Herdathurm, Hundsbach, Knottenhof, Kleinfischbach, Meerswinden, Mollartshof, Neustädtges, Neuswarts, Oberrückersbach, Schlitzenhausen, Alt- und Neuschwambach, Schwarzenborn, Theobaldshof und Wendershausen. Seit 1647 war Tann ein Bestandteil des buchischen Quartiers der Reichsritterschaft. 1806 kam es an das Großherzogtum Würzburg, 1814 an Bayern und 1866 an Preußen.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1970 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform durch Eingliederung die Neubildung der Stadtgemeinde Tann. Zur deren Entwicklung s. Tann (Rhön), Stadtgemeinde. Sitz der Stadtverwaltung ist Tann (Rhön).

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Kloster Fulda
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1345 Pfarrhof von Tann
  • um 1550 Neubau der Pfarrkirche

Patrozinien:

  • Nikolaus (1483, 1564)

Pfarrzugehörigkeit:

Ursprünglich zur Großpfarrei Schleid gehörig. Um 1500 gehörte Habel als Filiale zu Tann.

Patronat:

1519 Asmus von der Tann als Senior der Ganerben

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation 1534 durch Eberhard von der Tann.

Erster evangelischer Pfarrer: Franciscus Kirchner 1534-1547(?).

Rekatholisierungsversuche im 17. Jahrhundert blieben erfolglos.

Kirchliche Mittelbehörden:

1464/65: Bistum Würzburg, Archidiakonat Geisa-Mellrichstadt-Coburg, Landkapitel Geisa

Juden:

Provinzial Rabbinat Fulda

1820: 81; 1845: 100; 1880: 105; 1905: 105; 1932/33: 72 Juden. Nach 1933 meldeten sich 74 Personen ab, besonders Richtung Nordamerika, Palästina und England.

Seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts bestand die jüdische Gemeinde. Sie basiert auf 3 Schutzjuden, die sich zwischen 1740 und 1750 im Ort niederließen.

Bis 1866 bestand ein selbständiges Bezirksrabbinat Gersfeld, erst 1892 wird dann dem Fuldaer Provinzialrabbinat unterstellt.

Die Synagoge wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut. Sie wurde im November 1938 zerstört.

Die Israelitische Elementarschule bestand mindestens seit 1869. Bereits in den 1920er Jahren sollte die Schule aufgrund geringer Schülerzahlen geschlossen werden, was 1933 erfolgte.

Berufe: Kaufleute

Der Friedhof bestand vermutlich seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er liegt oberhalb der Straße Am Weinberg/Am Rothenhauck. (alemannia-judaica)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Tann (Rhön), Landkreis Fulda“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/7056> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde