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Schickenberg

Wüstung · 337 m über NN
Gemarkung Krauthausen, Gemeinde Sontra, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Wüstung

Lagebezug:

11,5 km südwestlich von Eschwege

Lage und Verkehrslage:

Die Wüstung Schicke(n)berg und die dazugehörige Kirche befanden sich gemäß Sippel beide etwa 150 m südlich des Talgrundes auf einer großflächigen Verebnung des nordwestlichen Schickeberghanges, die zwischen zwei heute trockenen Seitentälern leicht vorspringt.

Das Gotteshaus erhob sich am vorderen, leicht kuppigen Rand der Verebnung.

2 km ostnordöstlich der Ortsmitte von Krauthausen und rund 1 km südsüdwestlich der Boyneburg im oberen Abschnitt des Baumtales (dort Jakobsgraben) gelegen. In der Mitte lag einst eine Kirche (hier lokalisiert).

Gotteshaus erhob sich am vorderen, leicht kuppigen Rand der Verebnung. Dort befindet sich im Wiesengelände eine schwach erkennbare, künstliche Erhebung mit unscharfer Begrenzung, die einen Durchmesser von etwa 10 - 20 m und eine Höhe von etwa 0,20 - 0,50 m besitzt. In Aufschlüssen sind Mörtelbrocken, kleine Dachziegelstücke, Scherben und menschliche Knochensplitter ausgetreten.

Die Lage des ehemaligen Dorfes ergibt sich durch weitere Scherben, die im Umkreis von etwa 50 - 75 m um die Kirchstelle herum auf Maulwurfshaufen gefunden wurden. Seit dem 16. Jahrhundert sind für den besagten Bereich die Flurnamen 'Hofstatt', 'In den Höfen', 'In der Kirche' und ähnliche Formen tradiert.

Ersterwähnung:

1345

Letzterwähnung:

1538

Historische Namensformen:

  • Schickeberg, Dorf (1345) [GR Weisenborn]
  • Schigkeberg Wüstung (1458) [Sontraer Erbregister f. 20]
  • Schickenberg negst under Beimelperg, Wüstung (1538) [Sontraer Salbuch]
  • Richenbergk (?)

Bezeichnung der Siedlung:

  • Dorf (1345)
  • Wüstung (1458)
  • Wüstung (1538)

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3570640, 5662310
UTM: 32 U 570538 5660485
WGS84: 51.09151625° N, 10.00724171° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

63601106001

Einwohnerstatistik:

  • 1345: Dorf
  • 1458: wüst
  • nach 1460: 4 Höfe (?)
  • 1538: wüst
Verfassung

Altkreis:

Rotenburg

Gericht:

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Dorf wie Wüstung waren landesherrlich.
  • 4 Höfe, darunter boyneburgische Lehen (Rev. 1460 - 1823)
Kultur

Sonstiges:

'Richenbergk' in einer Urkunde Graf Siegfrieds von Northeim-Boyneburg für das Blasiusstift zu Northeim von 1141 (Dobenecker 1, 1432) steht gemäß Reimer vielleicht für Lichenberg, Wüstung Leichberg bei Eschwege.

Schmincke (ZHG 18, 303) hielt es für die Wüstung Schickenberg.

Wirtschaft

Wirtschaft:

Im Westen der ansonsten unter Wiese liegenden Wüstung liegt ein Acker. Dort fand E. Henn etwa 1978 bis 1986 auf einer Fläche von etwa 30-50 m Durchmesser (4926: um 3570590 / 5662220) über 350 Scherben, die etwa ins 10./11. - 13./14. Jahrhundert zu datieren sind. Dazu kam ein gebranntes Lehmstück und eine Eisenschlacke. Gemäß K. Sippel handelte es sich bei der Keramik zu 86,5% um dick bis sehr dickwandige, dunkle Ware. Sie ist häufig mit geraden Linien- und Wellenbändern verziert (Abb.: Fundberichte 1996, S. 381). Dies verweise auf thüringische oder von dort geprägte Töpfereien oder Töpfereitraditionen hin. Demgegenüber sei nur zu 13,5% die dünnwandig helle Ware festzustellen, die sonst in Hessen üblich ist (s. auch Hallstatt- und Latènezeit).

Der außergewöhnlich hohe Anteil von "thüringischer Keramik" wirft gemäß K. Sippel die Frage auf, ob Schickenberg in seiner grundherrschaftlichen Organisation oder vollständig vom Ethnikum her stärker nach Thüringen ausgerichtet war oder ob hier nur ein örtlicher Randbereich dokumentiert wurde, in dem beinahe allein Fundmaterial einer frühen Besiedlungsphase erscheint. Jedenfalls sei stets zu berücksichtigen, dass die Wüstung nur 1 km südsüdwestlich unterhalb der Reichsburg Boyneburg liegt. Dies werfe ein bezeichnendes Licht auf deren ländliches Umfeld.

Als Datierung für die thüringische Ware wurde durch Begutachtung das 10./11., höchstens ausgehende 9. Jahrhundert bestätigt. Sie ist dabei eindeutig deutsch und nicht etwa slawisch. Laut K. Sippel wäre aber der hohe Anteil der älteren Ware auch für eine thüringische Wüstung höchst ungewöhnlich, womit dem Fundpunkt innerhalb der Wüstung eine außergewöhnliche Bedeutung zukomme.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Schickenberg, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6867> (Stand: 8.11.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde