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4824 Hessisch Lichtenau
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 33. Lichtenau

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Reichenbach

Stadtteil · 435 m über NN
Gemeinde Hessisch Lichtenau, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

21 km südsüdwestlich von Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

5,5 km südöstlich von Hessisch Lichtenau gelegen

Auf nach Süden gerichtetem Geländevorsprung über dem Oberlauf des Vockebachs die Kirche; südlich darunter jenseits des rundummauerten Lindenplatzes regellose Gehöftgruppe; auf dem Rücken nordwestlich an die Kirche anschließend Straße, parallel dazu im Südhang Gasse

Ersterwähnung:

1089

Historische Namensformen:

  • Richenbach (1089) [Landau, Beschreibung des Hessengaues S. 102]
  • Richenbahc, de (1139)
  • Richinbach, de (1150)
  • Richebach, de (1209)
  • Rychenbach (vor 1225) [XVI]
  • Richenbagh, de (1226)
  • Ryghenbac, in (1340)
  • Riechinbach, czu (1393)
  • Rychenbach (1436)
  • Riechenbach (1471)
  • Reichenbach (1553)

Bezeichnung der Siedlung:

  • vor 1225: castrum
  • 1261: castrum et villa
  • 1330: hus
  • 1352: Dorf
  • 1354: bürg
  • 1403: sloz

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Älteste Gemarkungskarte:

1720

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3554483, 5669962
UTM: 32 U 554387 5668134
WGS84: 51.16205266° N, 9.777801612° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636006090

Flächennutzungsstatistik:

  • 1767: 1796 Acker ohne herrschaftliche und kirchliche Güter
  • 1961 (Hektar): 888, davon 380 Wald (= 42.79 %)
  • Bis 1454: 12 1/2 Huben in der Feldmark

Einwohnerstatistik:

  • 1539: 28 Mann und Feuerstellen
  • 1575/85: 38 Hausgesesse
  • 1639: 15 Einwohner
  • 1681: 31 Hausgesesse
  • 1747: 40 Mannschaften mit 54 Feuerstellen
  • 1961: 333, davon 317 evangelisch (= 95.20 %), 12 katholisch (= 3.60 %)
  • 1970: 325
  • Berufsgliederung 1724: 2 Amtspersonen, 53 Leinweber, 2 Schmiede, 1 Schreiner, 1 Schneider, 5 Tagelöhner, 1 Hirt; zusammen: 65

Diagramme:

Reichenbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1454: Amt Lichtenau (-Reichenbach)
  • 1553 und 1747: Amt Lichtenau
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Lichtenau
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • 1322 und 1324: landgräflicher Vogt
  • 1352: Gericht und Vogt
  • 1441: Schultheiß und Amtmann
  • 1454: Galgengrund zu Eppenrode
  • 1553: Gericht Hessen
  • 1747: Niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Friedensgericht Lichtenau
  • 1814: Amt Lichtenau
  • 1821: Justizamt Lichtenau
  • 1867: Amtsgericht Lichtenau
  • 1879: Amtsgericht Lichtenau
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1961: Amtsgericht Witzenhausen
  • Flurnamen: 'Galgenberg', 'Galgenfeld', 'Galgengraben', 'Galgenhecke', 'Galgenwiese' südwestlich am Nordhang des Eisberges
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1972 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung nach Hessisch Lichtenau, Stadtgemeinde, dessen Stadtteil Reichenbach seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Dorf. 1233: Die Grafen von Ziegenhain verzichten mit Burg Reichenbach auch auf den Ort Reichenbach.
  • 1261: Spangenberger Besitz zu Reichenbach
  • 1383: Eckehard von Felsberg gesteht dem Landgrafen Hermann auf seinen Vorwerken und Gütern im Gericht Reichenbach die gleichen Rechte wie auf anderen Vorwerken zu.
  • 1410: Beyger Meisenbug verkauft dem Landgrafen Hermann sein Holz vor dem Hagen zu Reichenbach.
  • Vor 1456: Kloster Kaufungen erkennt Ansprüche Krafts von Felsberg auf Güter im Gericht Reichenbach nicht an.
  • 1471: Kraft von Felsberg verzichtet auf Güter im Gericht Reichenbach.
  • 1519: Graf Adam von Belebungen erhält von Landgraf Philipp einen Zins unter anderem aus Amt und Ort Reichenbach verschrieben.
  • 1553: Landgräfliches Dorf
  • 1575/85: Etliche Zinsen zu Reichenbach plessisches Lehen der von Hundelshausen

Ortsadel:

Adel: Grafen 1089 - 1272

Ortsadel: 1146 - 1394

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche gehört zunächst den Grafen von Reichenbach, die sie für ein( Zisterzienserinnen -?) Kloster stifteten. Nach Auflösung desselben ecclesia 1207 an Deutschen Orden
  • 1211: Bestätigung; Kommende (1225 - 1356 Komture) um 1310 der Deutschordens-Ballei Hessen inkorporiert, im 16. Jahrhundert mit Haus Marburg vereinigt
  • 1273: Umfangreiche Schenkungen der Grafen von Bilstein an Deutschen Orden Reichenbach. Deutscher Orden Reichenbach gehört zu den frühesten Deutschordens-Niederlassungen nördlich der Alpen.
  • Von der um 1140 erbauten Basilika der ehemals Klosterkirche die Arkadenwände erhalten; Spätgotischer Westturm, Wiederaufbau 1788 - 95, Instandsetzung 1954 - 1956
  • Kapelle auf der Burg 1432 und 1433 genannt

Patrozinien:

  • Maria

Pfarrzugehörigkeit:

Kirchspiel

1569: Reichenbach mit Hollstein, Hopfelde, Wickersrode, 1585: auch noch Wollstein, bis 1613

1615 und jetzt: Reichenbach mit Hollstein, Hopfelde und Wickersrode, nach Reichenbach eingepfarrt: Hof Glimmerode (1780), derselbe und Weißmühle (1872)

Patronat:

Graf von Ziegenhain-Reichenbach

1207: Deutscher Orden

Um 1310: Komtur Marburg

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johann Schick 1534-1536

Kirchliche Mittelbehörden:

Archpresbytariat Gensungen

Archdiakonat St. Peter Fritzlar

1585: Superintendentur Rotenburg-Allendorf

1780 und 1872: Klasse Lichtenau

1923: Kirchenkreis Kaufungen

1929: Kirchenkreis Witzenhausen

Kultur

Historische Ereignisse:

1640: in Asche, von 63 Familien nur noch 15 ansässig

Im Siebenjährigen Krieg größtenteils eingeäschert

Wirtschaft

Wirtschaft:

1491 und 1494 - 98: Glashütte im Hain

Töpferei: Flurnamen "Dippekochsländche", "Schleifkotten" (1553)

Mühlen:

1261: Mühle

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Reichenbach, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6713> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde