Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Quentel

Stadtteil · 340 m über NN
Gemeinde Hessisch Lichtenau, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

21,5 km südwestlich von Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

5 km westlich Hessisch Lichtenau gelegen

Dorfkern um die auf einem Geländevorsprung in nach Norden offener Talmulde der Mülmisch stehende Kirche; unter der Kirchhofsmauer Gerichtsplatz mit anschließendem Dorfausbau beiderseits der alten Kasseler Straße

Ersterwähnung:

(1208-1234)

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1321: villa
  • 1401: Dorf

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1755

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3545365, 5674003
UTM: 32 U 545273 5672173
WGS84: 51.19916822° N, 9.647974744° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636006080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1774: 1487 Acker Land, 1820 Acker Wald
  • 1961 (Hektar): 824, davon 450 Wald (= 54.61 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1539: 36 Haushaltungen
  • 1575/85: 33 Hausgesesse
  • 1681; 31
  • 1747: 36 Mannschaften mit 38 Feuerstellen
  • 1774: 205 Einwohner
  • 1961: 551, davon 511 evangelisch (= 92.74 %), 36 katholisch (= 6.53 %)
  • 1970: 550 Einwohner
  • Berufsgliederung 1724: 2 Amtspersonen, 5 Leinweber, 1 Zimmermann, 2 Schmiede, l Wagner, 25 Ackerleute, 14 Taglöhner und Dienstboten, 1 Hirt; zusammen: 51
  • mit 38 Häusern

Diagramme:

Quentel: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Kurz vor 1530: Amt Lichtenau
  • 1427: Amt Spangenberg
  • 1747: Amt Lichtenau
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Kassel, Kanton Kaufungen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • 1321: Gericht zuvor adlig, dann landgräflich
  • 1553: Gericht halb landgräflich, halb von Berlepsch
  • 1575/85: 1 Viertel des Gerichts zu Quentel hessisches Lehen der von Berlepsch
  • 1747: Niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Friedensgericht Kaufungen
  • 1814: Amt Lichtenau
  • 1821: Justizamt Lichtenau
  • 1867: Amtsgericht Lichtenau
  • 1879: Amtsgericht Lichtenau
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1961: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1974 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung nach Hessisch Lichtenau, Stadtgemeinde, dessen Stadtteil Quentel seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1321: Hermann von Rengershausen verkauft der Landgräfin Adelheid seinen Teil an Gericht und Zehnten im Dorf Quentel.
  • 1343: Kloster Hasungen in Quentel begütert
  • 1353: Landgraf Heinrich kauft den Westerburger Teil an Gericht und Zehnten zu Quentel.
  • Kurz nach 1376: Hermann von Wolfershausen hat ein Drittel des Gerichtas Quentel von Landgraf Hermann zu Lehen.
  • 1399: Die von Felsberg in Quentel begütert
  • 1401: Wolf von Wolfershausen verkauft dem Landgraf Hermann seinen Teil an Dorf Quentel.
  • 1414: Wolf von Wolfershausen ist Lehnsinhaber eines Viertels des Dorfes Quentel, das von den von Schlutwinsdorf heimgefallen war.
  • 1419: Wolf von Wolfershausen erwirbt ein Achtel von den von Wallenstein hinzu.
  • 1480: Die von Berlepsch mit dem Viertel der von Wolfershausen zu Quentel belehnt; folgend Reverse bis 1828
  • 1553: Zehnte zu Quentel halb landgräflich, halb den von Berlepsch und Adolf zu Trott
  • 1781: Quentel halb landgräflich und halb von Berlepsch und von Buttlar.

Ortsadel:

Um 1445

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1345: plebanus
  • Kirche erbaut in 1. Hälfte des 19. Jahrhundert (1817)

Pfarrzugehörigkeit:

1525-69 gehört Wattenbach zu Quentel

1556: von Lichtenau versehen

1573-1607: durch Retterode

Mitte 17. Jahrhundert: Filiale Günsterode, noch heute

1925: Grundmühle eingepfarrt

Patronat:

Patron: Landgraf (1553 und 1747)

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Schickeberg alias Quentel 1527 bis vor 1556, bereits 1506 als Pleban genannt

Kirchliche Mittelbehörden:

Archpresbytariat Gensungen

Archdiakonat St. Peter Fritzlar

1585: Superintendentur Rotenburg-Allendorf

1780 und 1872: Klasse Lichtenau

1923: Kirchenkreis Kaufungen

Nach 1929: Kirchenkreis Witzenhausen

Juden:

Flurname 'Judenfriedhof' an der Südosten-Grenze der Gemarkung

Kultur

Historische Ereignisse:

Im Dreißigjährigen Krieg, vermutlich 1637, bis auf 2 Gebäude niedergebrannt

1659 noch 11 Hofreiten unbebaut

Dreimal nacheinander verlor die Bevölkerung durch die Feinde alles Vieh.

Wirtschaft

Wirtschaft:

Glashütten: Flurname 'Gläsern Born' am nordwestlichen Rand der Gemarkung östlich Pkt. 357,7 und 'Hüttenwiesen' am Westrand der Gemarkung nördlich der Straße ins Fuldatal bei Punkt 318,4

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Quentel, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6690> (Stand: 16.10.2018)
 
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