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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 46. Netra

Weitere Informationen

Netra

Ortsteil · 305 m über NN
Gemeinde Ringgau, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Domäne; Dorf; Gerichtsplatz

Lagebezug:

10, 5 km südsüdöstlich von Eschwege gelegen

Lage und Verkehrslage:

Im Norden des Ringgaus an einer alten Straße nach Eisenach gelegen.

Chausseen nach Bischhausen, Wichmannshausen und Creuzburg (Thüringen). Netra ist über die Bundesstraße B7, die Landesstraße L3247 und die Kreisstraße K23 an das Straßenverkehrsnetz angebunden.

Ersterwähnung:

1025

Historische Namensformen:

  • Nederne in Reinicgowe, comitatum (1025)
  • Neddere (1075)
  • Nedere circa flumen Nederaha, pagus (1140/41)
  • Netre (1255)
  • Neythere (1327)
  • Netern (1344)
  • Netter (1495)

Bezeichnung der Siedlung:

  • comitatus (1025)
  • pagus (1140/41)
  • villa (1195)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3576606, 5662712
UTM: 32 U 576501 5660886
WGS84: 51.09436378° N, 10.09246828° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636010040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1220, davon 675 Acker (= 55.33 %), 85 Wiesen (= 6.97 %), 283 Holzungen (= 23.20 %)
  • 1961 (Hektar): 1370, davon 561 Wald (= 40.95 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Netra: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1140 gehörten zum pagus Nedere neben dem Ort selbst Alboldeshusen, Balderichishusen, Dattenrode, Hoenroth, Rorenreth, Vugelererot, Willeberesbach und Willemundesbach. Es bildete ein Gericht mit Röhrda (s. d.).
  • Adliges Dorf des Amts Bischhausen
  • 1025: Reinicgowe
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Bischhausen
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Bischhausen
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Netra
  • 1814-1818: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Bischhausen
  • 1818-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Netra
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Eschwege

Gericht:

  • Das Gericht über das Dorf 'Netter' war 1495 kurpfälzisches Lehen der von Falken (Rev.). Von ihnen gelangte es auf die von Boyneburg.
  • Netra ist seit 1818 Gerichtssitz im Amt Eschwege.
  • vor 1822: Amt Netra
  • 1822: Justizamt Netra
  • 1867: Amtsgericht Netra
  • 1879: Amtsgericht Netra
  • 1932: Amtsgericht Eschwege

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Ringgau zusammengeschlossen, deren Ortsteil Netra wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • König Konrad II. schenkte 1025 "comitatum Nederne" dem Kloster Fulda (Dobenecker 1, 675).
  • 1195 wurde es "villa" genannt (Huyskens 873).

Ortsadel:

Die Herren von Netra wurden bereits 1073 genannt und erbauten vermutlich auch die erste Burg, die sie 1318 den Landgrafen von Thüringen zu Lehen auftrugen. Das Gebiet kam erst 1431 endgültig an Hessen. Mit dem Aussterben des Geschlechts derer von Netra 1558 fiel die Burg mit dem restlichen Besitz und dem Gericht an die Herren von Boyneburg-Honstein (Hohenstein), die nach dem Abbruch der alten Anlagen am Ende des 16. Jahrhunderts das Wasserschloss erbauten. Diese Familie starb wiederum 1792 aus.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Pfarrer 1365 (Huyskens S. 1127)
  • Pfarrkirche s. Jacobi

Pfarrzugehörigkeit:

Die Pfarrei verliehen 1510 die von Boyneburg (Depos. v. Boyneburg).

Protestantische Pfarrei mit Filial Rittmannshausen.

Patronat:

Das Patronat besaßen die von Boyneburg-Hohenstein bis zu ihrem Aussterben 1792.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Nikolaus Leimbach (Lyra) 1562-1570, zunächst zusammen mit Zacharias Ellenberger, Pfarrer von Renda, als Pfarrer von Netra erst 1569 bestätigt.

Kirchliche Mittelbehörden:

Protestantische Pfarrei der Klasse Eschwege

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel; angeschlossen Datterode und Wichmannhausen

1835: 88; 1861: 110; 1905: 68; 1932/33: 32 Juden

15919 lebte vermutlich ein Jude im Ort. Jüdische Familien waren vermutlich erst seit Ende des 17./Anfang des 18. Jahrhunderts im Ort ansässig.

Synagoge vorhanden, ihr Alter ist allerdings unklar; nach Auflösung der Gemeinde wurde sie als Stall bzw. Scheune benutzt.

jüdische Elementarschule im Ort, 1867 mussten die Kinder jedoch die christliche Schule besuchen. seit 1869 wieder Unterricht an der jüdischen Schule, diese wurde 1924 aufgelöst.

Berufe: Viehhandel, Handel; aber auch Handwerk

zwischen 1933-1938 Auswanderung von 16 Personen; nur noch 2 Familien im Ort

Jüdischer Friedhof, Grabsteine stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Der ältere lag am Flur Krückholz, der neue wurde Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt und liegt 1,5 Kilometer außerhalb der Ortschaft an der Straße nach Grandenborn. (alemannia-judaica)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Netra, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6509> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde