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4724 Großalmerode
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 24. Grossalmerode

Weitere Informationen

Großalmerode

Stadtteil · 354 m über NN
Gemeinde Großalmerode, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Stadt

Lagebezug:

10,5 km südsüdwestlich von Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

Auf flachen, nach Nordwesten gerichteten Sporn zwischen Gelster und einmündendem Faulbach die (ehemals oval ummauerte?) Kirche; nordwestlich zu ihren Füßen langgestreckter Dreiecksmarkt an der Talstraße Kassel - Bad Sooden-Allendorf oder Witzenhausen

Chaussee Großalmerode - Witzenhausen (1835). Lage an der heutigen B451 sowie der L 3225.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Hessisch Lichtenau/Velmeden – Großalmerode/Ost – Neu-Eichenberg/Eichenberg ("Gelstertalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 15.12.1915) (Einstellung des Personenverkehrs am 3.6.1973).

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Hessisch Lichtenau/Walburg – Großalmerode/West (Inbetriebnahme der Strecke 1.2.1884).

Ersterwähnung:

1386

Historische Namensformen:

  • Almerodde (1386) [StA Marburg Rechnungen I 87/2 fol. 35]
  • Almerade (1446)
  • Almeraide (1471)
  • Almeraede, zu (1473)
  • Almanrode (1537)
  • Almenraid (1558)
  • Almerode, zu (1558)
  • Grossen Almerode (1558)
  • Almenrod (1558)
  • Almnrodt (um 1570)
  • Glaß-Großalmerode (1572/1589)
  • Almerodt (1575/1585)
  • Grossen Almerodt (1575/1585)
  • Grossen Almeroda, in (1575/1585)
  • Groß Allmerode (1747)
  • Almerode (1747)
  • Almerode, Groß-

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1446: Dorf; Teile der Gemarkung gehörten 1558 zur Gemeinschaft des Kaufunger Waldes, wobei Rottzehnte zwischen hessischen und braunschweigischen Förstern geteilt wurden.
  • 1775: Stadtrecht mit unabhängiger Stellung im Amt Kassel-Neustadt und 4 Jahrmärkten

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

etwa 1700

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3554872, 5680683
UTM: 32 U 554776 5678850
WGS84: 51.25837329° N, 9.784999725° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636004020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1569: 83 Acker Rodeland, 387 Acker Wald
  • 1781: 2689 Acker
  • 1885 (Hektar): 776, davon 250 Acker (= 32.22 %), 420 Wiesen (= 54.12 %), 11 Holzungen (= 1.42 %)
  • 1900: 811 Hektar, davon 260 Hektar Acker, 424 Hektar Wiesen
  • 1961 (Hektar): 880, davon 1338 Wald (= 152.05 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1461 und 1480/84: 19 Feuerstellen
  • 1519 und 1528: 26 Hühner
  • 1564/65: 104 Rauchhühner
  • 1580/82: 118
  • 1747: 194 Mannschaften mit 147 Feuerstellen
  • 1781: 1267 Einwohner
  • 1885: 2442, davon 2393 evangelisch (= 97.99 %), 10 katholisch (= 0.41 %), 34 andere Christen (= 1.39 %), 5 Juden (= 0.20 %)
  • 1925: 3379 (3185 evangelisch, 75 römisch-katholisch, 45 Baptisten, 135 Methodisten)
  • 1961: 4436, davon 3471 evangelisch (= 78.25 %), 838 katholisch (= 18.89 %)
  • 1970: Kernstadt 4096 Einwohner, mit Epterode 4611 Einwohner
  • Berufsgliederung
  • Stadt Großalmerode (mit den am 31.12.1971 und 01.01.1974 angegliederten Ortsteilen) 8386 Einwohner
  • Um 1570: 113 Hausgesesse

Diagramme:

Großalmerode: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1446: Amt Kassel-Neustadt
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Kassel-Neustadt
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Kassel-Neustadt
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Kassel, Kanton Kaufungen
  • 1814-1817: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Kassel-Neustadt
  • 1817-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Großalmerode
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • 1564/1565: hessisches Rügegericht
  • 1747: Niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Friedensgericht Kaufungen
  • 1814: Hessen
  • 1817-1821: Amt Großalmerode
  • 1822: Assistenzamt Großalmerode (Justizamt Witzenhausen)
  • 1832: Justizamt Großalmerode
  • 1867: Amtsgericht Großalmerode
  • 1879: Amtsgericht Großalmerode
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen

Herrschaft:

1775 Stadtrechtsverleihung durch Landgraf Friedrich II. (Wetterau, Betrachtungen, S. 365-368)

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung von Epterode in die somit vergrößerte Stadtgemeinde Großalmerode. Zu deren weiterer Entwicklung s. Großalmerode, Stadtgemeinde. Sitz der Stadtverwaltung ist Großalmerode.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Grundherr wohl schon immer Hessen
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Spätgotische Kirche (Kanzel bez. 1514) 1913/16 umgebaut

Pfarrzugehörigkeit:

Filiale um 1570 und noch 1872: Epterode, Wickenrode, 1925 nur noch Epterode

1747: eingepfarrt Niedergut

Dazu 1780: Witzel-, Thomas-, Erbsmühle, Hirschberg

Dazu 1872: Faulbach, Steinberg, Bunte- und Walkmühle, Querenberg, Giesenhagen

Dazu 1925: Großalmerode Bahnhof Ost und Bahnhof Epterode, Ballenpeter

Patronat:

Seit 1570: Landgraf von Hessen

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster evangelischer Pfarrer: Kurt Follandt 1539

Kirchliche Mittelbehörden:

Archdiakonat Heiligenstadt

1585: Superintendentur Kassel

1780: Klasse Kassel-Neustadt

1804 und 1872: Klasse Kaufungen

1923: Kirchenkreis Kaufungen

Nach 1929: Kirchenkreis Witzenhausen

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1817-1821: Stadt Großalmerode mit ehemals Vogtei Ruckerode (Zugehörig: Epterode, Trubenhausen, Uengsterode, Wickenrode) Sitz eines Amtes Großalmerode

1821-1831: Sitz des Justizamts Witzenhausen-Großalmerode

1831-1867 des Justizamts

1867-1943 des Amtsgericht Großalmerode

Wirtschaft:

1443: Glashütten im Kaufunger Wald, seit 1465 zu Großalmerode

Durch den Bauernkrieg Verlegung der mitteldeutschen Gläsnerzunft nach Großalmerode.

1537: Sitz der Gläsnerzunft für Hessen, Braunschweig, Harz, Rhön und weitere Umgebung; Bundesbrief Landgraf Philipps für Bundesmeister und Gläsner zu Großalmerode

Monopol nach 1560 aufgehoben, doch noch 1572 Feingläser und Kolben für Apothekerzwecke; dann Niedergang der Glasmacherei; dafür Aufstieg der Tonindustrie

Ton seit 15. Jahrhundert gewerblich genutzt; 1484 ein Töpfer genannt, Tonzins an Landgraf (Regal)

Seit 1600: Schmelztiegel und Spielkugeln; wegen des Rückgangs der Fertigung Aufhebung des Privilegs 1651

1790: Tiegelmacherprivileg

1836: Fertigung von Tiegeln bedeutendstes Gewerbe der Stadt; um 1860: 8 Fabriken

1887: Vereinigung mehrerer dieser Firmen zur Vereinigte Großalmeroder Tonwerke (Herstellung von Schammottesteinen)

Daneben Fertigung von Pfeifenköpfen; um 1860 12 Fabriken

Seit 1592 und noch im 18. Jahrhundert: Abbau von Alaun, gegen 1860 Altramarinfabrik

Braunkohle seit 1690 ausgebeutet

Mühlen:

Eine Walkmühle befand sich am nordöstlichen Ende der Stadt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Großalmerode, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/5846> (Stand: 16.10.2018)
 
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