Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Thalitter

Ortsteil · 305 m über NN
Gemeinde Vöhl, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km südöstlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Zweigeteiltes Dorf mit geringer Bebauung im engen Thal der Itter nördlich des Edersees. Älterer Kern im Norden in erhöhter Lage im Anschluss an Burg und Bergkirche. Sogenannte Bergfreiheit im Südosten unterhalb des Lorbergs. Wichtigste Verkehrsanbindung über die B 252 (Frankenberg-Korbach), die den Ort heute teilt.

Ersterwähnung:

1368

Siedlungsentwicklung:

1854 sind von dem Dorf durch die Itter geschieden drei Reihen Häuser terrassenweise über einander nach der Anhöhe zu erbaut, die "Bergfreiheit" heißen.

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1872

Älteste Gemarkungskarte:

1875

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3492834, 5676005
UTM: 32 U 492763 5674175
WGS84: 51.21891526° N, 8.896373861° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635019140

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 1919, davon 723 Acker, 185 Wiesen, 1011 Wald
  • 1885 (Hektar): 505, davon 191 Acker (= 37.82 %), 28 Wiesen (= 5.54 %), 238 Holzungen (= 47.13 %)
  • 1961 (Hektar): 505, davon 238 Wald (= 47.13 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 12 Haushaltungen
  • 1629: 14 Haushaltungen
  • 1742: 11 Haushaltungen
  • 1885: 299, davon 298 evangelisch (= 99.67 %), 1 katholisch (= 0.33 %)
  • 1961: 416, davon 370 evangelisch (= 88.94 %), 44 katholisch (= 10.58 %)

Diagramme:

Thalitter: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 14./15. Jahrhundert: Herrschaft und Gericht Itter
  • 1567: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Herrschaft und Gericht Itter
  • 1585: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Herrschaft und Gericht Itter
  • 1604: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Herrschaft und Gericht Itter
  • 1648/50: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Herrschaft Itter
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Herrschaft Itter
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Itter
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Herrschaft Itter
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Vöhl
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Vöhl
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg (bis 1886 noch als Amtsbezirk/Verwaltungsamt Vöhl)
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Frankenberg

Gericht:

  • 1821: Landgericht Vöhl
  • 1867: Amtsgericht Vöhl
  • 1932: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

Das Dorf gehört zunächst zum Kern der Herrschaft Itter, die sich im Spätmittelalter in einem zwischen den Erzbischöfen von Mainz, den Landgrafen von Hessen und den Grafen von Waldeck ausgetragenen Konflikt um die Landeshoheit befindet. 1356/57 kommt es zur Eroberung der Burg Itter durch die Konkurrenten, die sich die Herrschaft Itter in der Folge teilen. Die Herrschaft wird von Mainz, den Grafen von Waldeck und den Landgrafen von Hessen als Pfand ausgegeben, namentlich an die Familie der Wölfe von Gudenberg. Im 16. Jahrhundert gelangen die Herrschaft Itter und Thalitter endgültig an Hessen, das sich zuletzt gegenüber den Grafen von Waldeck durchzusetzen vermag.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.2.1971 schlossen sich die Gemeinden Dorfitter, Herzhausen und Thalitter zur Großgemeinde Ittertal zusammen.

Am 1.1.1974 wurden die (Groß-)Gemeinden Vöhl, Ittertal und Hessenstein zur Großgemeinde Vöhl vereinigt.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • s. Herrschaft
  • 1817 gelangt Thalitter in den Besitz des ehemaligen schwedischen Königs Gustav IV. Adolph, der sich Herr von Itterburg nennt.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Um 1353: Kapelle am Fuß des Hoppenberges begründet [Wenck, Hessische Geschichte 2,2, S. 1083 Anm. 1]
  • 1717 Bergpredigerstelle für die Bergfreiheit
  • Bergkirche: Unterbau des Westturms gotisch, Aufbau mit Haubenhelm 1660-1663, Schiff als schlichter Saalbau 1715-23 errichtet

Patrozinien:

  • Bartholomäus

Pfarrzugehörigkeit:

1353 gehörte der Ort Thalitter zur Pfarrei Obernburg, die Kreuzkirche neben der Burg aber zur Diözese Mainz. 1368 präsentiert Erzbischof Gerlach von Mainz dem Propst von St. Stephan für die Kapelle in Thalitter den Gottschalk von Wolfhagen.

Seit 1585 Filial von Obernburg, 1871 mit diesem äqualiter uniert, seit 1925 Vikariatsgemeinde von Obernburg

1717 wird für die "Bergfreiheit zu Thal Itter" eine Bergpredigerstelle errichet, die bis 1814 besteht.

Patronat:

Das Patronat der 1717 neu gegründeten Pfarrei lag beim Bergamt

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Obernburg, Einführung der Reformation vermutlich ab 1526.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Bergprediger: Hartmann Friedrich Bierau 1717-1723

Wirtschaft

Wirtschaft:

1854 gehörten zu Thalitter 2 Kupferschmelzhütten, das Zechenhaus Rosengarten, 1 Kalk- und Ziegelbrennerei. Zu den Erträgen s. Walther, Großherzogthum Hessen, S. 83-84

Mühlen:

1854 wird die Papiermühle genannt (s. Siedlungsplätze). In der Ortsgemarkung existierte ferner eine Mahlmühle mit 1 Mahlgang, deren oberschlächtiges Wasserrad 1947 durch eine Turbine ersetzt wird. Sie wird seit 1979 nicht mehr betrieben

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Thalitter, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1251> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde