Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Herzhausen

Ortsteil · 250 m über NN
Gemeinde Vöhl, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

10 km südöstlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Kleines Dorf mit einfachem regelmäßigen Grundriss am an der Mündung des Itterbaches in den Edersee. Verkehrsanbindung an die westlich am Ort vorbeiführende B 252 Frankenberg (Eder)-Korbach und die von hier ausgehende L 3084 nach Vöhl. Ederbrücke im Südwesten.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Korbach – Arfeld ("Edertalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1900) bis zur Stilllegung der Strecke 1993.

Siedlungsentwicklung:

1844 steinerne Ederbrücke, die 1893 durch eine breitere ersetzt wird. Dadurch verschiebt sich der Siedlungsschwerpunkt nach Südwesten. Durch den Bau der Edertalsperre um 1910 wurden einige Gebäude abgerissen und an höher gelegenen Stellen neu errichtet.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1254)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3492760, 5672188
UTM: 32 U 492689 5670359
WGS84: 51.18460481° N, 8.895392033° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635019070

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 3028, davon 750 Acker, 323 Wiesen, 1592 Wald
  • 1885 (Hektar): 756, davon 189 Acker (= 25.00 %), 63 Wiesen (= 8.33 %), 399 Holzungen (= 52.78 %)
  • 1961 (Hektar): 756, davon 395 Wald (= 52.25 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 22 Haushaltungen
  • 1742: 37 Haushaltungen
  • 1885: 258, davon 256 evangelisch (= 99.22 %), 1 katholisch (= 0.39 %), 1 Juden (= 0.39 %)
  • 1961: 323, davon 282 evangelisch (= 87.31 %), 33 katholisch (= 10.22 %)

Diagramme:

Herzhausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • um 1250: Herrschaft Itter
  • 1358: Kurfürstentum Mainz, Amt Itter / Landgrafschaft Hessen, Amt Hessenstein
  • 1541: Landgrafschaft Hessen, Amt Hessenstein
  • 1570: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Hessenstein
  • 1585: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Herrschaft und Gericht Itter
  • 1604: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Hessenstein
  • 1648/50: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Herrschaft Itter
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Herrschaft Itter
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Itter
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Herrschaft Itter
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Vöhl
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Vöhl
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg (bis 1886 noch als Amtsbezirk/Verwaltungsamt Vöhl)
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Frankenberg

Gericht:

  • 1359: Gericht Itter
  • 1570: Gericht Itter
  • 1821: Landgericht Vöhl
  • 1867: Amtsgericht Vöhl
  • 1932: Amtsgericht Frankenberg
  • 1933: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

Herzhausen gehört seit dem 13. Jahrhundert zur Herrschaft Itter, deren Herren die Gerichtsbarkeit obliegt. 1264 tritt der Graf von Ziegenhain als Gerichtsherr auf. Die Herrschaft Itter gerät im 14. Jahrhundert in den zwischen den Erzbischöfen von Mainz, den Landgrafen von Hessen und den Grafen von Waldeck ausgetragenen Konflikt um die Landeshoheit. 1356/57 kommt es zur Eroberung der Burg Itter durch die Konkurrenten, die sich die Herrschaft Itter in der Folge teilen. Die Herrschaft wird vor allem von Mainz aber auch von Hessen als Pfand ausgegeben, namentlich an die Familie der Wölfe von Gudenberg. Im 15./16. Jahrhundert gelangt sie jedoch endgültig an Hessen. 1570 gehört Herzhausen zur Grundherrschaft der Burg Hessenstein, zu der des Weiteren die ehemals Itterschen Orte Harbshausen, Alten-, Kirch- und Schmittlotheim sowie Ederbringhausen gehören. Letzteres ist dem Gericht Geismar zugehörig.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.2.1971 schlossen sich die Gemeinden Dorfitter, Herzhausen und Thalitter zur Großgemeinde Ittertal zusammen.

Am 1.1.1974 wurden die (Groß-)Gemeinden Vöhl, Ittertal und Hessenstein zur Großgemeinde Vöhl vereinigt.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Mitte des 13. Jahrhunderts erwirbt Kloster Haina Besitz in Herzhausen aus dem Besitz der Herren von Itter und Bischofshausen. In der Folge kann das Kloster den Besitz sichern und erweitern. 1324 verzichtet Konrad von Itter auf seine Rechte in Herzhausen. 1354 und 1358 bestätigt der Mainzer Erzbischof dem Kloster Haina seine Rechte in Herzhausen. 1359 bestätigen die Landleute von Herzhausen den Besitz des Klosters in Dorf und Gemarkung. Im 16. Jahrhundert fällt der Ort schließlich an die Landgrafschaft Hessen.

Zehntverhältnisse:

1259 übertragen die Herren Itter dem Kloster Haina den Zehnten in Herzhausen, den sie von den Grafen von Nassau zu Lehen haben. Die Grafen von Nassau stimmen dem 1260 zu.

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

Nach 1585 Filial von Kirchlotheim, 1925 und später eingepfarrt.

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Kirchlotheim, Einführung der Reformation vermutlich ab 1526.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Vöhl

Wirtschaft

Wirtschaft:

Die Erwähnung von Herzhausen im Hainaer Güterverzeichnis aus der Mitte des 13. Jahrhunderts nimmt Bezug auf die Fischfang in der Eder, der von Frankenberg bis Herzhausen und von dort bis zu dem Hainbuchenstock genannten Ort dem Kloster zustand.

Mühlen:

1854 wird eine Dorfmühle erwähnt, die Scheuer- und die Leihenmühle liegen in der Gemarkung (s. Siedlungsplätze). Das Wasserrad der Dorfmühle am südlichen Ortsrand mit einem Mahlgang, einem Schrotgang, einer Putzerei und einer Sichterei wird 1894 durch eine Turbine ersetzt und 1920 ausgetauscht

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Herzhausen, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1185> (Stand: 16.10.2018)
 
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