Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Ederbringhausen

Ortsteil · 260 m über NN
Gemeinde Vöhl, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

9 km nordöstlich Frankenberg (Eder)

Lage und Verkehrslage:

Dreigeteiltes Straßendorf mit unregelmäßigem Grundriß im engen Tal der Orke kurz vor deren Mündung in den mittleren Lauf der Eder. Kirche heute in zentraler Lage.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Korbach – Arfeld ("Edertalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1900) bis zur Stilllegung der Strecke 1993.

Ersterwähnung:

1244

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (Mitte 13. Jahrhundert)
  • Dorf (1577)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1905

Älteste Gemarkungskarte:

1848

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3490592, 5666131
UTM: 32 U 490522 5664305
WGS84: 51.13012879° N, 8.86454352° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635019050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 559, davon 268 Acker (= 47.94 %), 112 Wiesen (= 20.04 %), 53 Holzungen (= 9.48 %)
  • 1928: Eingemeindung von Teilen der aufgelösten Gutsbezirke Bringhausen a. der Eder und Treisbach
  • 1961 (Hektar): 1277, davon 733 Wald (= 57.40 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 31 Hausgesesse
  • 1747: 34 Haushaltungen
  • 1885: 323, davon 313 evangelisch (= 96.90 %), 0 katholisch, 10 Juden (= 3.10 %)
  • 1961: 336, davon 304 evangelisch (= 90.48 %), 32 katholisch (= 9.52 %)

Diagramme:

Ederbringhausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1359: Gericht Itter
  • 1571: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Hessenstein, Gericht Geismar
  • 1604: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Hessenstein
  • 1623-1648: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Hessenstein
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Oberhessen, Amt Hessenstein
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Hessenstein
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Werradépartement, Distrikt Marburg, Kanton Frankenau
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Hessenstein
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Frankenberg

Gericht:

  • 1359: Gericht Itter
  • 1571: Gericht Geismar
  • 1810: Friedensgericht Frankenau
  • 1821: Justizamt Frankenberg
  • 1832: Justizamt Frankenau
  • 1853: Justizamt Frankenberg
  • 1867: Amtsgericht Frankenberg

Herrschaft:

1244 wird die Streitsache zwischen Landgraf Heinrich von Thüringen und dem Kloster Haina (Aulesburg) wegen angeblicher Zugehörigkeit einiger Güter zu Bringhausen zur landgräflichen Burg Keseberg dahingehend geregelt, dass nur der Grund und Boden (fundus), auf dem die Burg Keseberg steht, dem Landgrafen zusteht, während die sonstigen streitigen Güter sämtlich dem Kloster zukommen; die Burgmannen auf Keseberg dürfen allerdings im benachbarten Wald ihren Holzbedarf decken, wie ihnen auch die Fischerei in der Eder (Ederna) niemals verwehrt worden ist.

1358 bestätigt der Mainzer Erzbischof dem Kloster Haina den Besitz in der Herrschaft Itter, u.a. in Bringhausen. Nach einem Weistum von 1359 gehören Dorf, Mark und alle Einkünfte an Ederbringhausen dem Kloster Haina, bilden aber einen Bestandteil der Herrschaft Itter. Nach der Reformation zur Landgrafschaft Hessen, die 1541 den Amtsbezirk Hessenstein von Itter abtrennt. Das einzige Amtsdorf Ederbringhausen wird dem Gericht Geismar zugewiesen.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 schlossen sich die Gemeinden Buchenberg, Ederbringhausen, Harbshausen, Kirchlotheim, Niederorke, Oberorke und Schmittlotheim zur Großgemeinde Hessenstein zusammen.

Am 1.1.1974 Zusammenschluss mit anderen Gemeinden zur Gemeinde Vöhl.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Mitte des 13. Jahrhunderts verfügt das Kloster Haina Güterbesitz in Ederbringhausen, den es in der Folge durch Schenkungen, Übertragungen und Kauf auszubauen versteht.

Zehntverhältnisse:

1275 und 1279 fällt ein Teil des Löwensteinschen Zehnten an Kloster Haina. 1275 wird zudem entschieden, dass das Dorf frei von der Zehntleistung sein soll, da seit mehr als 60 Jahren kein Zehnter gegeben worden war (Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, S. 313, Nr. 628]. 1309 verkauft Werner von Westerburg den verbliebenen Rest an die Johanniter zu Wiesenfeld (Wildungen)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1801 Neubau einer Fachwerkkirche am Nordwestrand des Dorfes, die 1975 für den Bau der Orketalstraße abgetragen wurde. 1974 Errichtung eines modernen Baus in zentraler Lage.

Pfarrzugehörigkeit:

1577 nach Oberorke eingepfarrt und somit zu Viermünden gehörig. 1871 noch eingepfarrt, später Filialgemeinde von Viermünden

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich ab 1540.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Vöhl oder Dekanat Geismar

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Ederbringhausen, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1235> (Stand: 16.10.2018)
 
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