Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Röddenau

Stadtteil · 282 m über NN
Gemeinde Frankenberg (Eder), Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Kloster

Lagebezug:

3,5 km südwestlich Frankenberg (Eder)

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrißmerkmalen nördlich der oberen Eder mit ursprünglich durch den Ort führender B 253 (seit 2006 südliche Umgehungsstraße) von Allendorf (Eder) nach Frankenberg (Eder). Kirche in zentraler Lage.

Moderne Siedlungserweiterungen nach Nordwesten und -osten.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Korbach – Arfeld ("Edertalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.12.1908) bis zur Stilllegung der Strecke 1993.

Ersterwähnung:

9. Jahrhundert

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • superior villa; villula (1108)
  • villa (1258)
  • Dorf (1557)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1870

Älteste Gemarkungskarte:

1779

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3482731, 5656895
UTM: 32 U 482664 5655072
WGS84: 51.04692561° N, 8.752688128° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635011090

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1097, davon 589 Acker (= 53.69 %), 232 Wiesen (= 21.15 %), 83 Holzungen (= 7.57 %)
  • 1961 (Hektar): 1088, davon 156 Wald (= 14.34 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 107 Haushaltungen
  • 1747: 114 Haushaltungen
  • 1885: 752, davon 734 evangelisch (= 97.61 %), 0 katholisch, 13 andere Christen (= 1.73 %), 5 Juden (= 0.66 %)
  • 1961: 1293, davon 1221 evangelisch (= 94.43 %), 54 katholisch (= 4.18 %)

Diagramme:

Röddenau: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 9. Jahrhundert: Hessengau (in pago Hassorum in Rutene marcha)
  • um 1400: Amt Battenberg
  • 1107: Grafschaft des Grafen Tiemo (in comitatu Diemonis comitis)
  • 1238: centa de R. in der Grafschaft Stiffe(-Battenberg)
  • 1291: Gericht Röddenau (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1557: Landgrafschaft Hessen, Amt Frankenberg
  • 1567-1604: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Frankenberg-Wolkersdorf, Gericht Röddenau
  • 1604: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Frankenberg
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Werradépartement, Distrikt Marburg, Kanton Frankenberg
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Frankenberg

Gericht:

  • 1493 und später hat das Gericht Röddenau seinen Oberhof in Frankenberg
  • 1532 gelangen die Gerichtsrechte "in den vier Steinen" an die Landgrafschaft
  • 1549 gehen Appellationen an die Kanzlei in Marburg. Das Gericht Röddenau richtet 1571 über Blut, Leib und Leben, große und kleine Güter
  • 1821: Justizamt Frankenberg
  • 1867: Amtsgericht Frankenberg

Herrschaft:

1238 verkaufen die Grafen Siegfried III. von Battenberg und seine Brüder, die Grafen Widekind II. und Werner II. dem Mainzer Erzbischof Siegfried III. jeweils die Hälfte von Burg und Stadt Battenberg und der Feste Kellerberg, die dazwischen liegenden Städte sowie die Grafschaft Stift (Stiffe), in deren Grenzen die Zent Röddenau liegt. Ende des 13. Jahrhunderts gelangen Burg, Stadt und Gericht Battenberg vollständig in die Hände des Mainzer Erzbischofs, der seine Rechte jedoch im 14./15. Jahrhundert mehrfach verpfändet. 1363 verpfändet Kurmainz die Hälfte des Gerichts an die von Milchling, 1375 an die von Biedenfeld. 1480 werden die von Dersch vom Propst von St. Alban mit dem Gericht belehnt, die es 1532 an die Landgrafen von Hessen als Pfandherren der Grafschaft Battenberg verkaufen.

Gemeindeentwicklung:

Seit dem 31.12.1970 gehört Röddenau als Stadtteil zur Stadtgemeinde Frankenberg.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1107 schenkt der Edelfreie Kunimund seinen Besitz in Röddenau dem Kloster Hersfeld. 1108 überträgt Gräfin Mathilde von Felsberg dem St. Albanstift zu Mainz u.a. zwei Hufen und zwei Dienstmannen in Röddenau. Dafür überlässt Abt Dietrich von St. Alban dem Ebbo, einem Vasall von Mathildes Schwiegersohn Cunimund, den dortigen Zehnten sowie den in Meitersdorf. In seinem Privileg von 1184 bestätigt Papst Lucius III. dem Kloster St. Alban die Kirche in Röddenau mit Kapellen, Zehnten, Höfen und allem Zubehör. (1220-1240) wird ein Streit zwischen den Leuten von St. Alban in Röddenau und dem Kloster Haina beigelegt. 1289 verpachten Abt Conrad und der Konvent von St. Alban ihren Hof zu Röddenau für die kokmmenden zehn Jahre an das Deutschordenshaus in Marburg.
  • 1286/1291 vermacht Graf Widekind von Battenberg mit Zustimmung seiner Frau Elisabeth den Nonnen von Georgenberg einen Hof in Röddenau. Im der Folge kommen weiter Güter an das Kloster hinzu. 1588 werden 11 1/2 Güter, Äcker, Weisen und Zinsen verzeichnet.

Zehntverhältnisse:

Zu 1108 s. Besitz.

1258 kaufen Abt und Konvent von St. Alban den von ihnen als Lehen ausgehenden halben Zehnten von Röddenau von Heinrich Rodela zurück.

1290 überträgt St. Alban dem Kloster Georgenberg die zur Kirche in Röddenau gehörenden Zehnten in Röddenau, Frondorf, Reckersdorfund Wernbrachtsdorf.

Bei der Umwandlung des Klosters St. Alban in eine weltliche Kollegiatskirche werden 1419 der Präbende auch der Zehnt in Röddenau zugewiesen. 1503 verkaufen Dekant und Kapitel des Stifts St. Alban den großen und kleinen Zehnten sowie alle Frucht- und Geldrenten in der St. Alban gehörenden Pfarrei Röddenau für 1090 Rheinische Gulden an das Kloster Georgenberg.

1430 belehnt Johann Graf zu Nassau und Vianden den Widekind von Hohenfels mit Zehnten und Gütern u.a. zu Röddenau (HHStAW Bestand 170 I Nr. U 1091 b).

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1108 ist durch die Nennung des Zehnten bereits von einer Kirche auszugehen.
  • 1184: ecclesia
  • 1220/40: plebanus
  • Mittelalterlicher Kirchbau 1768 erneuert, 1783 jedoch teilweise abgetragen, Abriss 1818. Heutiger Saalbau 1819 von Baumeister Gülich in klassizistischem Stil neu errichtet.

Patrozinien:

  • 1108: Besitz der Kirche und der Zehnten in Röddenau nachweisbar

Pfarrzugehörigkeit:

1108: Meiderdorf

1290: Frondorf, Reckersdorf, Werenbrachtisdorf

1577 und in der Folge sind Wangershausen und Haine Filialen von Röddenau, 1613 Hof Rodenbach und die Mühle von Warmshausen eingepfarrt. Wangershausen ist seit 1885 Filial von Rengershausen, Haine bleibt Filial, Rodenbach eingepfarrt

Patronat:

1108: Besitz der Kirche St. Alban in Mainz

1289: Für die Dauer von 10 Jahren kann der Deutsche Orden im Falle einer Neubesetzung einen Geistlichen benennen, der aber von St. Alban bestätigt werden muss.

1503: Stift St. Alban

1577: landgräflich

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Stipp gen. Christiani 1527-1561

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

1254: Sendgericht (synodus)

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Röddenau (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)

Juden:

Statistik: 1835: 10; 1861: 16; 1905: 10 1932/33: 7 Juden

Die Gemeinde ist Frankenberg angeschlossen.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum Sendbezirk Röddenau gehörten im 15. Jahrhundert: Hessele, Meiderdorf, der Hof Ordenbach, Röddenau, Wangershausen, Warmshausen, Wintershausen.

Zum Gericht Röddenau gehörten 1571 die Orte Röddenau, Haine, Bromskirchen, Somplar, Rengershausen, Wangershausen, Bottendorf, Ernsthausen, Roda, Hof Hommershausen und die obere Butzmühle.

Mühlen:

1277 übereigenen Graf Wittekind zu Battenberg und seine Gemahlin Elisabeth dem Kloster Haina ihr gesamtes Recht an der Mühle zu Röddenau [Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, S.326, Nr. 661]

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Röddenau, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1381> (Stand: 16.10.2018)
 
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