Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Wirmighausen

Ortsteil · 405 m über NN
Gemeinde Diemelsee, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

9 km nordwestlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit einfachem, regelhaftem Grundriss im engen Tal der Bicke, einem Zulauf der Rhene. Kirche in zentraler Lage. Jüngere Siedlungsausdehnung im Süden und Westen. Verbindungsstraße (K 74) nach Adorf und Flechtdorf.

Ersterwähnung:

1101/1102

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Zu 1482 ist ein nicht näher lokalisierbarer Ort Wirmickhusen bei Marsberg belegt, der von Wirmighausen zu trennen ist. Vgl. den Artikel Wirmickhusen in: Ortsnamen Hochsauerlandkreis, S. 501-502.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • predium (1101/1102)
  • ville (1263)
  • Dorf (1326)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1919

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3488018, 5690275
UTM: 32 U 487949 5688439
WGS84: 51.34709949° N, 8.826962956° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635007130

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1437
  • 1961 (Hektar): 1445, davon 290 Wald (= 20.07 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1541: 28 Häuser
  • 1620: 43 Häuser
  • 1650: 20 Häuser
  • 1738: 46 Häuser
  • 1770: 58 Häuser, 340 Einwohner
  • 1895: 522, davon 517 evangelisch (= 99.04 %), 0 katholisch, 5 andere Christen (= 0.96 %)
  • 1961: 470, davon 442 evangelisch (= 94.04 %), 27 katholisch (= 5.74 %)

Diagramme:

Wirmighausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1485: Grafschaft Waldeck, Amt Mengeringhausen
  • 1489: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg, Herrschaft Padberg
  • 1537: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg bzw. Mengeringhausen
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1755/1757: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Eisenberg
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Korbach)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt Eisenberg (Sitz in Korbach)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis des Eisenbergs
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1512: Freistuhl Landau
  • 1537: Gogericht Korbach bzw. Flechtdorf, Freigericht Mengeringhausen
  • 1814: Oberjustizamt des Eisenbergs in Korbach
  • 1850: Kreisgericht Korbach
  • 1868/69: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

Die herrschaftlichen Strukturen im Mittelalter werden zunächst von der sehr starken Präsenz des benachbarten Klosters Flechtdorf geprägt (vgl. Besitz und Zehnt).

Die spätmittelalterliche Amtszugehörigkeit von Wirmighausen ändert sich anfangs und zeigt eine noch ungeklärte herrschaftliche Situation. 1485 und 1537 gehört es zu Mengeringhausen, 1489 wird Wirmighausen zur Herrschaft Padberg gerechnet und gilt so als Zubehör des Amtes Eisenberg im weitesten Sinne. Im Zuge der Auflösung des Klosters Flechtdorf übernehmen die Grafen von Waldeck erst im 16. Jahrhundert vollständig die Herrschaft im Ort.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 als Ortsteil in die neu gegründete Gemeinde Diemelsee eingemeindet.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Wirmighausen gehört 1101/1102 zur Gründungsausstattung des Klosters Flechtdorf, das hier in der Folge weiteren Besitz und weitere Rechte erwirbt und so zum bedeutendsten Grundherrn im Ort wird.
  • 1293 verschreibt Graf Otto von Waldeck dem Burggrafen Friedrich von Padberg und dessen Erben eine jährliche Rente aus Gefällen zu Flechtdorf und Wirmighausen.
  • 1326 schenken die Brüder von Scharfenberg dem Kloster Bredelar ihren im Dorf Wirmighausen gelegenen Hof mitsamt den Einkünften, wofür das Kloster ein Jahresgedächtnis halten soll. 1344 einigen sich die Brüder von Scharfenberg über den dem Kloster Bredelar zugewendeten dritten Teil des Hofs zu Wirmighausen. 1366 verzichteten die von Scharfenberg auf ein Gut in Wirmighausen, das sie und ihre Eltern dem Kloster überlassen haben.
  • 1394 verzichten die Grafen von Padberg auf ihre Ansprüche in Wirmighausen gegenüber dem Kloster Flechtdorf.
  • 1537 gehören die Höfe dem Grafen von Waldeck, den Klöstern Bredelar und Flechtdorf, der Propstei Marsberg sowie denen von Heyne und Johann Hove von Freienhagen.

Zehntverhältnisse:

1248 entsagt Graf Adolf von Waldeck sein Recht am Zehnten zugunsten des Klosters Flechtdorf. 1251 wird dies in einem Vergleich mit dem Kloster Corvey festgehalten. 1263 übertragen der Abt von Corvey und der Dompropst von Paderborn den von Graf Adolf von Waldeck zurückgegebenen Zehnten dem Kloster. 1537 gehört dem Kloster Flechtdorf der Feldzehnte.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Zur Amtszeit des Abtes Hermann Frowin (1457-1480) wird eine Kapelle (capella) gebaut und geweiht.
  • 1906-08 Errichtung eines neugotischen Saalbaus mit querrechteckigem Chor und Turm.

Pfarrzugehörigkeit:

Ursprünglich vermutlich Filial von Flechtdorf, 1543 und später als Filial zum Kirchspiel Adorf gehörig. 1994 Filialgemeinde des Kirchspiels Flechtdorf.

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Adorf, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Adorfer Pfarrer Syffert Bockeler (Bocklers) um 1535.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Wirmighausen, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1877> (Stand: 16.10.2018)
 
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