Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Flechtdorf

Ortsteil · 425 m über NN
Gemeinde Diemelsee, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Kloster

Lagebezug:

6,5 km nordwestlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen und geringer Siedlungsdichte am Zusammenfluss der Quellbäche der Aar. Kirche mit ehemaliger Klosteranlage am Westrand des Dorfes in Tallage. Jüngere Siedlungsentwicklung im Westen im Bereich Westhof und Niedere Straße sowie im Osten am Aarbach und Am Rotbusch. Durch das Dorf führt die Verbindungsstraße L 3076 Korbach-Bredelar.

Ersterwähnung:

(826-876)

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1104)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3487951, 5688036
UTM: 32 U 487882 5686201
WGS84: 51.32697311° N, 8.826077263° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635007040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1384
  • 1961 (Hektar): 1382, davon 461 Wald (= 33.36 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1541: 36 Häuser
  • 1620: 42 Häuser
  • 1650: 22 Häuser
  • 1738: 41 Häuser
  • 1770: 49 Häuser, 325 Einwohner
  • 1895: 411, davon 408 evangelisch (= 99.27 %), 3 katholisch (= 0.73 %)
  • 1961: 474, davon 436 evangelisch (= 91.98 %), 35 katholisch (= 7.38 %)

Diagramme:

Flechtdorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1489: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg, Herrschaft Padberg
  • 1546: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1755/57: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Eisenberg
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Korbach)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt Eisenberg (Sitz in Korbach)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis des Eisenbergs
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1309: Gogericht Flechtdorf
  • 1537/1541: Gogericht Flechtdorf
  • 1814: Oberjustizamt des Eisenbergs in Korbach
  • 1850: Kreisgericht Korbach
  • 1868/69: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

Flechtdorf gehört zur Gründungsausstattung des Klosters wird Anfang des 12. Jahrhunderts zum namensgebenden Ort. In der Folge erwirbt das Kloster weiteren Besitz und weitere Rechte und bleibt bis zur Reformationszeit bedeutendster Grundherr im Ort (vgl. Besitz)

1293 verschreibt Graf Otto von Waldeck dem Burggrafen Friedrich von Padberg und dessen Erben eine jährliche Rente aus Gefällen zu Flechtdorf und Wirmighausen. Im 16. Jahrhundert gelangen Dorf und Kloster endgültig in den Herrschaftsbereich der Grafen von Waldeck, ist aber zeitweilig zwischen den Linien Eisenberg und Landau strittig.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 als Ortsteil in die neu gegründete Gemeinde Diemelsee eingemeindet.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Zur Zeit des Abtes Warin überträgt ein gewisser Hunward seinen Besitz in Flechtdorf dem Kloster Corvey. König Otto I. bestätigt 955 dem Nonnenkloster Fischbeck (Hessisch Oldendorf im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen) an verschiedenen Orten aufgeführte Besitzungen, darunter Flechtdorf. König Konrad II. bestätigt diese Besitzungen Fischbecks 1025.
  • Zur Gründungsausstattung des Klosters Flechtdorf, das Graf Erpo von Padberg Anfang des 12. Jahrhunderts von Boke in sein Dorf verlegt, gehören eine Kirche mit zugehöriger dos und zwei Güter mit zugehörigen Hufen. 1120 bei der Übertragung des Klosters an den Kölner Erzbischof Friedrich I. besitzt es in Flechtdorf die Kirche mit dos sowie zwei Vorwerke mit 6 Hufen. 1194 gibt es neben dem Kloster keine weiteren Grundherren in Flechtdorf.

Zehntverhältnisse:

Noch 1137 hat das Kloster Corvey den Zehnten in Flechtdorf inne, den das Kloster Flechtdorf im gleichen Jahr gegen den Zehnten in Gembeck eintauscht. 1163 bestätigt Heinrich der Löwe dem Kloster Flechtdorf den Besitz des Zehnten im Dorf.

1579 ist der Zehnte in Flechtdorf entweder ganz oder zum Teil in der Verfügungsgewalt der Grafen von Waldeck.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Maria; Landolinus

Pfarrzugehörigkeit:

Seit dem 12. Jahrhundert Klosterpfarrei. Nach Einführung der Reformation zunächst Filiale von Rhena (1556-66), dann wurde es von 1566 bis 1717 von Schweinsbühl aus versehen. 1717 Begründung der Pfarrstelle Flechtdorf, zu der später zeitweise Schweinsbühl als Filialort gehört. 1994 sind Benkhausen und Wirmighausen Filialgemeinden. 2016 gehören zum Seelsorgebezirk Flechtdorf der Evangelische Kirchengemeinde Diemelsee die Orte Benkhausen und Wirmighausen.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck ab 1526.

Erster eigener evangelischer Pfarrer: Christian Friedrich Weinreich 1717-1718

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Horhausen (Niedermarsberg)

Wirtschaft

Mühlen:

In der Mühle an der Aar westlich des Ortes wurde durch ein oberschlächtiges Wasserrad bis 1920 eine Schreinerei betrieben

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Flechtdorf, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1523> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde