Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Adorf

Ortsteil · 350 m über NN
Gemeinde Diemelsee, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

11 km nordwestlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrißmerkmalen im welligen Talgelände am Zusammenfluss von Rhene und Bicke. Im Ort treffen sich verschiedene Landstraßen entlang derer sich der Ort ausdehnt. Kirche in zentraler leicht erhöhter Lage. Jüngere Siedlungsausdehnung nach Süden und Westen und Nordosten.

Ersterwähnung:

1120

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Älteste Gemarkungskarte:

1856

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3486451, 5691763
UTM: 32 U 486383 5689926
WGS84: 51.36043883° N, 8.804415331° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635007010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1607
  • 1961 (Hektar): 1607, davon 245 Wald (= 15.25 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1541: 44 Häuser
  • 1620: 64 Häuser
  • 1650: 43 Häuser
  • 1738: 102 Häuser
  • 1770: 107 Häuser, 673 Einwohner
  • 1895: 1148, davon 1082 evangelisch (= 94.25 %), 22 katholisch (= 1.92 %), 11 andere Christen (= 0.96 %), 33 Juden (= 2.87 %)
  • 1961: 1582, davon 1405 evangelisch (= 88.81 %), 159 katholisch (= 10.05 %)

Diagramme:

Adorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1489: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg, Herrschaft Padberg
  • 1546: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1755/57: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Eisenberg
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Korbach)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt Eisenberg (Sitz in Korbach)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis des Eisenbergs
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1537/1541: Gogericht Flechtdorf
  • 1814: Oberjustizamt des Eisenbergs in Korbach
  • 1850: Kreisgericht Korbach
  • 1868/69: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

Die Geschicke des Dorfes sind zunächst eng mit denen der Burg Adorf und einem hier lebenden Adelsgeschlecht - 1335 war die Burg im Besitz Johanns von Dalwig - verknüpft. 1345 war die Vogtei corveyisches Lehen Heinemanns von Itter. Die Grafen von Waldeck können sich hier vergleichsweise spät, endgültig 1468, herrschaftlich durchsetzen. In diesem Jahr erwerben Walrabe, Graf von Waldeck, und sein Vetter Philipp der ältere von Johann Huk, Marschall zu Waldeck, Schloß und Gut zu Adorf nebst den zubehörenden Gütern zu Esbeck, Ostheim, Reneige, Fassenbeck für 1000 rheinische Gulden (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 1250). 1489 wird Adorf zur Herrschaft Padberg gerechnet und gilt als Zubehör des Amtes Eisenberg im weitesten Sinne.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 als Ortsteil in die neu gegründete Gemeinde Diemelsee eingemeindet. Adorf ist Sitz der Gemeindeverwaltung.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Vgl. auch Herrschaft
  • 1120 bestätigt der Kölner Erzbischof Friedrich I. dem Kloster Flechtdorf den Besitz von 1 mansus in Adorf. Ein um 1500 erstelltes Zinsregister weist Flechtdorfer Einnahmen von 22 Denaren, 9 Mutt Hafer, 9 Hühnern und 120 Eiern aus.
  • 1376 überlassen die von Scharfenberg dem Kloster Bredelar ihr Gut zu Adorf. 1493 verkaufen die von Erwitte dem Kloster ihren Spieker auf dem Kirchhof zu Adorf.
  • 1515 überlässt das Kloster Kaufungen seine in Adorf liegenden und in den vergangenen Jahren durch Fehde verwüsteten Güter dem Zisterzienserkloster Bredelar. 1558 werden Adorfer Güter des Klosters mit genauen Beschreibungen der Ländereien, ihrer Lage und ihres Ertrags aufgelistet.
  • 1537 haben die von Rhene, von Komans, von Padberg sowie die Klöster Bredelar und Flechtdorf Güterbesitz in Adorf.

Zehntverhältnisse:

1468 erwerben die Grafen von Waldeck 1/4 des Zehnten

1515 verkauft das Kloster Bredelar den Eheleuten van Usseln eine Kornrente aus dem Zehnten zu Adorf.

1537 haben die von Rehen, von Komans und von Padberg den Zehnten inne.

Ortsadel:

1228

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1231: Kirche und Pfarrei (ecclesia)
  • Einheitlich gewölbte Pfeilerbasilika aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts, Turm um 1200
  • 1950/51: Katholische Pfarrkirche St. Marien (Sudetenstraße)

Patrozinien:

  • Johannes Bapist (evangelische Kirche)
  • St. Maria (katholische Kirche)

Pfarrzugehörigkeit:

1541: Einführung eine zweiten Pfarrstelle (Junkernpfarre, Konsistorialpfarrselle), die 1975 aufgehoben wird. 1543 und später gehören Wirmighausen, Rhenegge, Benkhausen, Sudeck und Giebringhausen als Filialen zum Kirchspiel Adorf. Sie werden noch 1950 und 1966 als Filialgemeinden genannt. 1994 sind Rhenegge und Sudeck noch Filialgemeinden, Benkhausen und Wirmighausen mit Flechtdorf, Giebringhausen ist mit Heringhausen verbunden.

Die Katholische Gemeinde gehört zum Kirchspiel Eppe

Patronat:

1345 war der Patronat corveyisches Lehen Heinemanns von Itter und befand sich nach Einführung der Reformation bei den Grafen von Waldeck. Die zweite Pfarrstelle wurde von den Herren von Padberg besetzt.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck ab 1526.

Erster evangelischer Pfarrer: Syffert Bockeler (Bocklers) 1535

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1231 ist Adorf Sitz eines Vizearchidiakons

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Horhausen (Niedermarsberg)

Juden:

1802: 4 Familien; 1826: 8 Familien (45 Personen); 1847: 6 Familien (41 Personen) Schutz- und Toleranzjuden; 1905: 33 Juden; 1932/1933: 18/19 Juden/1300 Einwohnern (1,38% der Gesamtbevölkerung). Die Gemeinde bestand zwischen 1770 und 1938. Tätig waren sie im Textil- und Eisenwarenhandel.

Im Ort gab es zunächst nur einen Betraum. 1832 wird nach Erwerb eines Privathauses (Bürgermeister Schwarzenberg) im Haus die Synagoge eingerichtet. 1937 wird das Gebäude verkauft. Die Inneneinrichtung der Synagoge wurde 1938 zerstört. 1939 wird das Gebäude abgerissen. (alemannia-judaica)

Der Friedhof wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt und war in Nutzung von 1809 bis 1936.

Kultur

Historische Ereignisse:

1657 werden bei einem Brand 25 Gebäude (darunter 13 Wohnhäuser) zerstört

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Seit 1231 Sitz eines Vizearchidiakons.

Heute ist Adorf Sitz der Gemeindeverwaltung Diemelsee.

Wirtschaft:

Vgl. Siedlungsplätze

1560 betreibt der Waldecker Amtmann zu Eisenberg ein Bergwerk. Er will dazu im Jahre 1560 eine Schmelzhütte bauen und bittet das Kloster Bredelar, aus den klostereigenen Waldungen 16 Eichen schlagen zu dürfen.

Mühlen:

Vgl. Siedlungsplätze

In der Rhenegger Str. Adorfer Mühle; durch Turbine betriebene Mahlmühle sowie Walzenstühle u.a.; Seit 1980 nicht mehr in Betrieb

Markt:

Ende des 16. Jahrhundert 4 Märkte (vor Ostern, 24. Juni, Himmelfahrt und 16. Oktober)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Adorf, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1470> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde