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4620 Bad Arolsen
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Fürstentum Waldeck und Pyrmont 1866

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Landau

Stadtteil · 310 m über NN
Gemeinde Bad Arolsen, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Stadt

Lagebezug:

7 km südöstlich von Bad Arolsen

Lage und Verkehrslage:

Geschlossene Stadt mit regelhaften Grundrissmerkmalen auf einem in Nord-Süd-Richtung gestreckten Hügel östlich der Watter. Ausdehnung der Stadt als unregelmäßiges Viereck mit rippenförmigem Straßennetz. Befestigungsanlage im Nordwesten (Burg Landau) auf einem tiefer liegenden Ausläufer des Hügels am Hang über dem Wattertal, Kirche auf der höchsten Stelle im Süden der Stadt. Jüngere Siedlungsausdehnung nördlich der Altstadt Richtung Vahlhausen. Zwischen den Siedlungskomplexen verläuft die B 450 Bad Arolsen-Wolfhagen; Verbindungsstrassen ferner nach Volkhardinghausen (K 9) und Bühle (L 3198).

Ersterwähnung:

1290

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1953

Älteste Gemarkungskarte:

1852

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3506000, 5689947
UTM: 32 U 505924 5688111
WGS84: 51.344247° N, 9.085051193° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635002060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1804
  • 1961 (Hektar): 1674, davon 502 Wald (= 29.99 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1770: 152 Häuser, 798 Einwohner
  • 1895: 879, davon 849 evangelisch (= 96.59 %), 4 katholisch (= 0.46 %), 26 Juden (= 2.96 %)
  • 1961: 1087, davon 975 evangelisch (= 89.70 %), 93 katholisch (= 8.56 %)

Diagramme:

Landau: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1412: Grafschaft Waldeck, Amt Landau
  • 1537: Grafschaft Waldeck, Amt Landau
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Landau
  • 1755: Fürstentum Waldeck, waldeckische Stadt Landau
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Landau
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Diemel (Sitz in Arolsen)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Twiste (Sitz in Arolsen)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Twiste (Sitz bis 1857 in Mengeringhausen, dann in Arolsen)
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis der Twiste
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Twiste
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • Seit 1329: Stadtrichter in Landau vom Grafen eingesetzt (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 10479)
  • 1475 und 1526: Freistuhl Landau
  • 1512: Offenes freies Landgericht
  • 1537: Freigericht Mengeringhausen
  • 1816: Oberjustizamt der Twiste (Sitz in Arolsen)
  • 1850: Kreisgericht Arolsen
  • 1868/69: Amtsgericht Arolsen

Herrschaft:

1294 ist Landau eine von Graf Otto von Waldeck neu gegründete Stadt mit Stadtrat (consules) und Siegel; 1300 proconsul

1315 erwirbt Graf Heinrich IV. von Waldeck die obere Mühle bei Landau von Kloster Volkhardinghausen. 1381 ist die Stadt an Friedrich von Hertingshausen versetzt. 1395 überweist Graf Heinrich von Waldeck seiner Schwiegertochter Gräfin Agnes von Ziegenhain zur Leibzucht Schloß und Stadt Landau, bis Mengeringhausen wieder eingelöst ist. Ihr Sohn, Graf Otto III. erhält 1412 Schloss Landau, Haus, Stadtgericht und zugehörige Dörfer. 1427 öffnet Graf Otto III. von Waldeck dem Mainzer Erzbischof Konrad III. Stadt und Schloss Landau gegen jedermann außer gegen den Kölner Erzbischof. 1431 trägt er es dem Landgrafen Ludwig I. von Hessen auf und erhielt es als Lehen zurück.

1510 besitzen die Grafen von Waldeck den ganzen Zehnten, den Zoll und alle Gefälle.

Gemeindeentwicklung:

Am 01.01.1974 als Stadtteil in die Stadt Arolsen eingemeindet.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • vgl. Herrschaft

Zehntverhältnisse:

1290 erhält Kloster Arolsen tauschweise den Zehnten in Landau vom Grafen von Waldeck

1294 schenkt Arnold, Propst des Klosters Arolsen, dem Kloster für 40 Mark den halben Zehnten der neu gegründeten Stadt Landau

1510 haben die Grafen von Waldeck den Zehnten inne

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1300: plebanus
  • Gotische Hallenkirche (Ende 14. Jahrhundert) mit rechteckigem Chor (Ende 13. Jarhhundert), um 1900 umfassend renoviert

Patrozinien:

  • Maria (1472) Hauptpatronin
  • Georg (1478) Nebenpatron

Pfarrzugehörigkeit:

Zur Pfarrei gehören ursprünglich Lütersheim und Bühle. Lütersheim wird noch im 16. Jahrhundert eine eigene Pfarrstelle, die jedoch wegen des geringen Einkommens 1807 aufgehoben und in der Folge zeitweise von Landau oder Külte aus versehen wird. 1994 besteht das Kirchspiel Landau neben der Muttergemeinde aus der Vikariatsgemeinde Lüterheim und den eingepfarrten Orten Bühle und Volkhardinghausen.

In Landau wird noch im 17. Jahrhundert eine Diakonatsstelle eingerichtet, deren Inhaber seit 1805 auch Pfarrer von Braunsen ist. 1872 wird das Diakonat aufgehoben und Braunsen mit Twiste verbunden.

Patronat:

1457 wurde in einem Hausvertrag der Patronat über die Pfarrei Graf Otto III. von Waldeck zugesprochen.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Bornemann 1529-1531

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Archidiakonat St. Marien zu Hofgeismar

Juden:

Erstmals wird 1541 ein "Juddenhaus" erwähnt. Um 1546 bzw. 1558 wird das Land als "Jüddengrund" bezeichnet, was auf Juden hindeutet. Juden hauptsächlich im Geld-, Textil- und Futtergeschäft und Viehhandel tätig.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Aufnahme von Schutzjuden. 1776 bzw. 1778 sind sechs Schutzjuden gemeldet. Ca. 1900 waren 10 bzw. 12 jüdischen Familien im Ort ansässig; allerdings wanderten viele Mitglieder der Gemeinde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Mittel- und Großstädte ab, da ihre Einkommensgrundlage zunehmend durch die Spar- und Darlehenskassen übernommen wurde.

Statistik: 1802: 3 Schutzjuden (mit Familie); 1826: 10 Familien (33 Personen); 1847: 13 Familien (53 Personen); 1905: 14 Juden; 1928: 8 Juden; 1932: 5 Juden (0,62% Gesamtbevölkerung); 2 Zensiten

Erste Synagoge Betraum Ende des 18. Jahrhunderts; Synagoge 1837 in der Heidestraße gebaut. 1932 wurde diese auf Abbruch verkauft. (alemannia-judaica)

Jüdische Stiftung des ehemaligen Bewohners Schönstädt, der die Volksschule unterstützte.

1779 erwarben die Juden ein Stück Land "im Jüddengrund", was als Totenhof genutzt wurde. Östlich vom Ort, nahe der Wiese Tiefenhohler Weg (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

1536: Schulmeister genannt, Schulhaus Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet

Historische Ereignisse:

1749 Stadtbrand

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Um 1400 erfolgt die Ausbildung des gleichnamigen Amtes, zu dem 1537 die Orte Landau, Meineringhausen, Strothe, Rissinghausen, Reckeringhausen, Wammeringhausen, Bühle, Dehringhausen, Ober- und Niederwaroldern, Lütersheim, Braunsen, Elleringhausen, Osterhausen, Hilmersen und Ölbeck sowie Gefälle zu Ehringen, Visebeck und Engelbressen gehören. Im Jahr darauf kommen noch die Hälfte von Freienhagen und Gefälle in Gasterfeld hinzu. 1816 geht das Amt im Oberamt der Twiste auf.

Von 1397 bis 1495 ist Landau Residenzort der älteren Landauer Linie des Waldecker Grafenhauses, von 1539 bis 1597 der neueren Landauer Linie. Von 1706 bis 1733 ist Schloss Landau Witwensitz von Johannetta von Nassau-Saarbrücken-Idstein, Ehefrau Christian Ludwig von Waldecks.

Mühlen:

Vgl. Siedlungsplätze

Markt:

1650 verleiht Graf Johann II. der Stadt das Recht, vier Jahrmärkte abzuhalten

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Landau, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1626> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde