Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Bad Arolsen

Stadt · 290 m über NN
Gemarkung Arolsen, Gemeinde Bad Arolsen, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

15 km nordöstlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit regelhaften Grundrissmerkmalen im nordöstlichen Waldecker Bergland auf einer leicht nach Süden abfallenden Hochebene. Hauptkomplex der Stadt zwischen den beiden Flüssen Aar und Bicke. Evangelische Stadtkirche am Kirchplatz in zentraler Lage, katholische Pfarrkirche 250 m südlich an der Großen Allee, Christuskirche (Baptisten) am Domänenweg im Westen.

Chausseen nach Rhoden, Volkmarsen, Landau, Korbach und Canstein (Nordrhein-Westfalen). Heute ist die Hauptverkehrsader die westlich der Stadt verlaufende Bundesstraße 252 (Korbach-Rhoden). Bad Arolsen ist ebenfalls über die Landesstraßen L 3080, L 3078 und L 3198 an das Straßenverkehrsnetz angebunden.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Warburg – Korbach ("Twistetalbahn") (Die Teilstrecke Warburg - Bad Arolsen wurde am 1.5.1890 eröffnet, die Teilstrecke Bad Arolsen - Korbach am 15.8.1893).

Ersterwähnung:

1131

Weitere Namen:

  • Bad Arosen (1997)

Siedlungsentwicklung:

Für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Entwicklung von Arolsen ist die Geschichte des Augustinerinnenklosters Arolsen bzw. des Schlosses Arolsen von zentraler Bedeutung. Im 18. Jahrhundert erfolgt die planmäßige Anlage der Stadt in gleichmäßiger Bauweise westlich des Schlosses mit kreuzförmigem Straßennetz. Auf dieses bleibt Arolsen bis weit in das 19. Jh. beschränkt. Der Eisenbahnbau und die Entwicklung als Garnisonsstadt brachten dann neue Impulse. Die damit einsetzende stetige Ausdehnung des Siedlungsbereichs ist – abgesehen von kürzeren Unterbrechungen, besonders während der Ersten und zweiten Weltkrieges – bis zur Gegenwart immer noch nicht abgeschlossen.

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Die frühen Quellenbelege beziehen sich zumeist auf den Klosterbereich (Arolsen, Augustinerinnenkloster und Arolsen, Antoniterkloster) oder das Schloß Arolsen.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1131)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Entwicklung von Arolsen ist die Geschichte des Augustinerinnenklosters Arolsen bzw. des Schlosses Arolsen von zentraler Bedeutung. Im 18. Jahrhundert erfolgt die planmäßige Anlage der Stadt in gleichmäßiger Bauweise westlich des Schlosses mit kreuzförmigem Straßennetz. Auf dieses bleibt Arolsen bis weit in das 19. Jh. beschränkt. Der Eisenbahnbau und die Entwicklung als Garnisonsstadt brachten dann neue Impulse. Die damit einsetzende stetige Ausdehnung des Siedlungsbereichs ist – abgesehen von kürzeren Unterbrechungen, besonders während der Ersten und zweiten Weltkrieges – bis zur Gegenwart immer noch nicht abgeschlossen.

Älteste Gemarkungskarte:

1854

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3501153, 5693921
UTM: 32 U 501079 5692083
WGS84: 51.37999697° N, 9.015499545° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635002010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 536
  • 1961 (Hektar): 575, davon 226 Wald (= 39.30 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1738: 36 Häuser
  • 1770: 70 Häuser, 810 Einwohner
  • 1895: 2768, davon 2451 evangelisch (= 88.55 %), 265 katholisch (= 9.57 %), 7 andere Christen (= 0.25 %), 45 Juden (= 1.63 %)
  • 1961: 5646, davon 4126 evangelisch (= 73.08 %), 1195 katholisch (= 21.17 %)

Diagramme:

Bad Arolsen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1182: Klostervogtei Arolsen
  • 1537: Grafschaft Waldeck, Amt Mengeringhausen, Klostervogtei Arolsen
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Arolsen
  • 1755/57: Fürstentum Waldeck, waldeckische Stadt Arolsen
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Arolsen
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Diemel (Sitz in Arolsen)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Twiste (Sitz in Arolsen)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Twiste (Sitz bis 1857 in Mengeringhausen, dann in Arolsen)
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis der Twiste
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Twiste
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1816: Oberjustizamt der Twiste (Sitz in Arolsen)
  • 1850: Kreisgericht Arolsen
  • 1868/69: Amtsgericht Arolsen

Herrschaft:

Die in der Stiftungsurkunde des 12. Jahrhunderts nur auf Lebzeiten an Volkwin von Schwalenberg übertragene Vogteigewalt über das Kloster gelangt durch familiäre Verbindungen an die Grafen von Waldeck, die ihre Rechte bis zur Aufhebung des Klosters im 16. Jh. uneingeschränkt ausüben. In einem 1412 zwischen dem Kloster Arolsen und Graf Adolf III. von Waldeck geschlossenen Vergleich erhalten dieser und sein Sohn Otto III. auf Lebenszeit die Vogtei mit Hochgericht Wildbann und aller Gewalt, ausgenommen war nur die niedere Jagd. Nach der Aufhebung des Klosters 1526 Ausbau zur Residenz der älteren Eisenberger Linie des Hauses Waldeck.

Graf Friedrich Anton Ulrich von Waldeck (1692-1728) beschließt, seine Residenz von Kleinern auf Dauer nach Arolsen zu verlegen und ließ 1719 die Privilegien und Freyheiten, welche die zu Arolsen sich häuslich Niederlassende, zu genießen haben sollen verkünden (A. Gabert, Arolsen, eine fürstliche Residenz des 18. Jahrhunderts, S. 113-115).

Gemeindeentwicklung:

s. Bad Arolsen

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Das 1131 gegründete Augustinerinnenkloster wurde 1493 den Antonitern zu Grünberg übergeben. Mit der Aufhebung 1526 fällt der Besitz an die Grafschaft Waldeck, die den Gesamtkomplex zu Residenz ausbaut.

Zehntverhältnisse:

1326 resigniert der Ritter Heinrich von Rodersen u.a. den Zehnten zu Arolsen an den Kölner Erzbischof mit der Bitte, hiermit den Grafen von Waldeck zu belehnen, was der Erzbischof im Jahr darauf auch umsetzt.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Klosterkirche:
  • 1131: Kirche (ecclesia); vgl. Arolsen, Augustinerinnenkloster
  • Stadtkirchen:
  • 1735-1787: lutherische Kirche (Stadtkirche am Kirchplatz), kreuzförmiger barocker Sandsteinbau mit gewöbter Holzdecke, Umbau 1934
  • 1748/50: Reformierte Kirche (heute Schloßstraße 14) als Wohnhaus erbaut, bis 1818 in Funktion, dann uniert
  • 1897: Katholische Pfarrkirche St. Johannes Bapitsta (Ecke Birkenweg/Große Allee) als dreischiffige neugotische Hallenkirche mit Westturm und Chor errichtet. Vorgängerbau war eine Kapelle der katholischen Einwohner (nordöstliche Ecke Schloßstraße/Kaulbachstraße), die ab 1824 als Pfarrkirche genutzt und 1897 abgerissen wurde.
  • 2013: Christuskirche der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten)

Patrozinien:

  • Jakobus der Ältere (1181); Johannes der Täufer (1181); Antonius

Pfarrzugehörigkeit:

Ob eine Laienpfarrei neben dem 1526 aufgehobenen Kloster bestand, ist nicht bekannt. Bis zur Gründung einer selbständigen Kirchengemeinde Arolsen 1752 war der Ort zu Helsen eingepfarrt. Von 1815-1845 beide vorübergehend wieder vereinigt.

1954 und später bestehen zwei Pfarrstellen, das 1895 von Helsen nach Arolsen verlegte Diakonissenhaus "Sophienheim" wird nach der Vereinigung mit dem Landkrankenhaus zeitweise dritte Pfarrstelle.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck ab 1526.

Erster eigener evangelischer Pfarrer: Carl Adam Philipp Huge(n) 1752-1754

Neben der lutherischen Gemeinde bestand seit 1719 eine refomierte und seit 1824 eine katholische (Erzbistum Paderborn)

Seit 1821 unierte Pfarrei.

Kirchliche Mittelbehörden:

Bis 1530: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Warburg

Juden:

Erster Schutzjude (Hofjude) im Jahr 1724 genannt. Er hielt in seinem Haus Gottesdienste und er bekam einen Platz für Friedhofsnutzung zugewiesen. Der Erste Synagogenraum bestand 1727 in der Schloßstraße 11. Bis ca. 1750 gab es vier Hoflieferanten und -faktoren, sechs weitere kommen während und nach dem Siebenjährigen Krieg hinzu. Zur Spaltung der Gemeinde (liberal/orthodox) kam es in den 1750er/60er Jahren. Die Liberale Gemeinde (auch aus Helsen und Mengeringhausen) hält Gottesdienste in der Hauptstraße (heute Schloßstraße 1) ab. Damit gab es zwei Synagogenräume im Ort. Im 19. Jahrhundert konvertierten viele Juden zum ev-luth. Bekenntnis bzw. wanderten sie aus. Zwischen 1861 und 1874 bestand keine Gemeinde in Arolsen, da die Restgemeinde Mengeringhausen zugesprochen wurde. Erst 1874 entstand wieder eine eigenständige Gemeinde mit Synagoge in der Kaulbachstraße 22, um 1900 Umzug in die Mannelstraße 3 (Hintergebäude mit schönem Hof). 1936 erfolgte die Aufgabe des Gebäudes.

Statistik: 1724/27: Ersterwähnung 1 Familie; 1759: 2 Familien mit 30 Personen; 1778: 9 Familien; 1795: 10 Familien; 1802: 8 Familien; 1826: 5 Familien (20 Personen); 1847: 2 Familien (11 Personen); 1885: 49 Personen; 1905: 48 Personen; 1925: 25 Personen; 1932/33: 26 Juden (1,08% Gesamtbevölkerung); 1939 letzte Abmeldung aus Arolsen, meist in andere deutsche Städte, die jüngeren Juden wanderte meist in die USA oder nach Israel aus. Viele der Arolser Juden sind in der Schoah umgekommen.

Angeschlossene Gemeinde Helsen: 1905: 22 Juden; 1932: 3 Familien

Beruf:Grundstücks- und Geldgeschäft sowie Textil-, Vieh- und Pferdehandel; Ebenso Hausbesitz

Eine Friedhof bestand in Arolsen. Er liegt "Auf der Heide". ( alemannia-judaica) .Auch Helsen und zeitweise Meimbressen nutzen diesen.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Im 16. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt des Amtes Mengeringhausen nach Arolsen. 1728 wurde die Verlegung der Landesregierung von Mengeringhausen nach Arolsen verfügt, das damit Sitz der obersten Landesbehörden und Hauptstadt des Fürstentums Waldeck wurde.

Wirtschaft:

Überwiegend gewerbliche Betriebe für die Bedürfnisse der Hofhaltung, der Garnison und der Bevölkerung.

1823-1835: Tabakfabrik (Auf der Heide)

1841: Instrumentenfabrik

Markt:

1731 Privileg für drei Jahrmärkte

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Bad Arolsen, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1480> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde