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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 63. Schrecksbach

Steina (Untersteina)

Ortsteil · 214 m über NN
Gemarkung Steina, Gemeinde Willingshausen, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

3 km südöstlich von Ziegenhain.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss beiderseits der Einmündung der Steina in die Aueniederung der Schwalm. Kernbereich der Siedlung mit Kirche und ummauertem Kirchhof links der Steina am auslaufenden Hang. Auf dem rechten Flußufer jüngerer Siedlungskomplex entlang der Verbindungsstraße zur Bundesstraße 454, die hier im Zuge der alten Köln-Leipziger Messestraße. ca. 1 km östlich an Steina vorbeiführt.

Eine Verbindungsstraße führt zur Bundesstraße 454, die hier im Zuge der alten Köln-Leipziger Messestraße etwa 1 km östlich an Steina vorbeiführt.

Ersterwähnung:

1106

Siedlungsentwicklung:

Das heutige Steina ist wohl identisch mit dem 1290 und später genannten Unter-Steina im Unterschied zu den beiden bachaufwärts gelegenen ehemaligen Mittel- und Ober-Steina.

Historische Namensformen:

  • Steinaha, de (1106) (K 244: Liber de libertatibus locorum Hersfeldensium saec. XII)
  • Stenahe, de (1254) UA Immichenhain)
  • Stena (1290) (UA Kappel)
  • Steina (1365) (UA Kappel)
  • Untersteina (1290 und später)
  • Unter-Steina
  • Steina, Unter-

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Ortsteil Steinatal (Forsthaus Ditfurth);
  • Steinaer Mühle (Wüstung Mittel-Steina);
  • Wüstung Ober-Steina

Umlegung der Flur:

1908

Älteste Gemarkungskarte:

1726

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3518688, 5640150
UTM: 32 U 518606 5638334
WGS84: 50.89636478° N, 9.26457362° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634026060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 367 stellbares Land, 236 Wiesen, 20 Gärten, 4 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 311, davon 148 Acker (= 47.59 %), 71 Wiesen (= 22.83 %), 69 Holzungen (= 22.19 %)
  • 1961 (Hektar): 322, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 11 Männer. 1585: 16 Hausgesesse.
  • 1639: 8 Männer, Witwe. 1681: 8 Hausgesesse, 1 Ausschuss.
  • 1746: 17 Wohnhäuser, 118 Einwohner.
  • 1746: 4 Leineweber, 2 Schneider, 1 Zimmermann, 6 Tagelöhner.
  • 1834: 162, 1885: 152 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 10 Ackerbau, 8 Gewerbe, 7 Tagelöhner.
  • 1861: 168 evangelisch-reformierte Einwohner.
  • 1885: 152, davon 152 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 188, 1939: 288, 1950: 336, 1961: 448 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 77 Land- und Forstwirtschaft, 50 produzierendes Gewerbe, 3 Handel und Verkehr, 25 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 448, davon 429 evangelisch (= 95.76 %), 17 katholisch (= 3.79 %)

Diagramme:

Steina (Untersteina): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Vor 1360/67: Gericht auf den Wasen (Amt Ziegenhain).
  • undatiert: Amt Neukirchen
  • um 1464: Amt Ziegenhain
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Ziegenhain
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Neukirchen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • Frühe Gerichtsbarkeit vgl. Verwaltungsbezirk.
  • 1822: Justizamt Ziegenhain.
  • Seit 1867: Amtsgericht Ziegenhain.
  • Seit 1945: Amtsgericht Treysa.

Herrschaft:

1365 verpfänden die Grafen von Ziegenhain die Gerichtsbarkeit über Steina und ein dort gelegenes Vorwerk zusammen mit Zehnt- und Güterbesitz zu Schönborn, Schnepfenhain und Allendorf an der Landsburg.

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung eines Teils des aufgelösten Gutsbezirks Schafhof.

1951 wird aus Teilen der Gemarkung Steina die Gemarkung Trutzhain neu gebildet.

Am 1.1.1974 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur Gemeinde Willingshausen zusammengeschlossen, deren Ortsteil Leimbach seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1254 bekennt Graf Berthold von Ziegenhain, dass der Ritter Eckehard von Zella die in Steina gelegenen 2 Hufen, die er dem Kloster Immichenhain streitig gemacht hat, diesem nun übergeben habe.
  • 1290 bekundet Graf Gottfried VI. von Ziegenhain, dass Arnold, Kleriker von Steina (vgl. Ortskirche), 2 Hufen in Mittel-Steina und die Theudenroth genannten Äcker, die Arnolds Vater, (der Edle) Hartmut von Steina, und dessen Bruder Kloster Spieskappel als Seelgerät übergeben hatten, vom Kloster in Erbpacht besitzt. Nach dem Tode des Klerikers soll der Besitz mit gräflicher Zustimmung Eigentum des Klosters sein ebenso wie eine Wiese mit einer Hofstatt und einem Acker in Unter-Steina.
  • 1267 überlässt Ritter Arnold von Rückershausen Kloster Haina seinen Besitz zu Steina.
  • 1340 erhält Kloster Spieskappel von den Grafen von Ziegenhain einen Hof und eine Wiese zu Steina.
  • 1362 erwirbt das Kloster ein Gut von den von Lintdorf.
  • 1362 räumt das Kloster den Grafen von Ziegenhain als Gegenleistung für die Zueignung des Zehnten zu Leimsfeld ein Vorkaufsrecht auf den von Lintdorf`schen Besitz sowie auf 2 Hufen Landes, die einst Ludwig von Steina gehört hatten, ein.
  • 1522 umfasst der Güterbesitz von Kloster Spieskappel in Steina: 1 Vorwerk, das sogenannte große Pachtgut, das sogenannte Wideroldsgütchen und dazu mehrere einzelne Wiesen, Acker und Gärten.
  • Vor 1367 ertauscht Graf Gottfried von Ziegenhain das Gut der Kuppel in Steina sowie Acker- und Gartenland von ungenannten Vorbesitzern.
  • 1370 ist das sogenannte Koppelgut von den Grafen von Ziegenhain an die von Falkenberg versetzt ebenso wie ein weiteres, das Rode-Gut, das die Grafen von Johann Waltvogel ertauscht hatten.

Zehntverhältnisse:

1511 verspricht Johann Krengel der Alte seinem Schwager Johann von Volkershausen, auf dem nächsten Martinstag die Zustimmung Kloster Hersfelds hinsichtlich des Zehnten zu Steina einzuholen, mit dem sein Vetter Albrecht Krengel seine Frau bewittumt hat.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Ein 1290 als Kleriker bezeichneter Arnold von Steina wird 1316 als Pfarrer zu Steina bezeichnet (List, Spieskappel, S. 268; Klosterarchiv VI Nr. 265).
  • Vikar 1461 genannt.
  • Auf ehemaligen Begräbnisplatz deutet der Flurname Totenhof 0,5 km südöstlich von Steina (vgl. auch Mittel-Steina).

Pfarrzugehörigkeit:

1461 ist Steina Vikariat von (Ottrau-)Neukirchen

wahrscheinlich seit der Reformation nach Niedergrenzebach gezogen, so 1569 und später.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Wirtschaft

Mühlen:

1371 bezieht Graf Gottfried von Ziegenhain Einkünfte von der Mühle zu Steina (vgl. Steinaer Mühle).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Steina (Untersteina), Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4758> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde