Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
5121 Schrecksbach
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung
Historische Karten
Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 63. Schrecksbach

Merzhausen

Ortsteil · 230 m über NN
Gemeinde Willingshausen, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

7 km südlich von Ziegenhain.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen in Talmündungslage. Hauptkomplex der Siedlung auf dem rechten Antreffufer. Ortskern mit annähernd kreisrundem Umriss (umlaufende Gassenführung). Darin auch das (überbaute) Gelände der ehemaligen Wasserburg bzw. des später sogenannte Burggartens. Östlich anschließend die Kirche. Moderne Bebauung vorwiegend entlang der überörtlichen Straßen.

Auf die Straße Willingshausen - Röllshausen stößt im nordöstlichen Ortsbereich die Straße von Gungelshausen.

Ersterwähnung:

1233

Siedlungsentwicklung:

Auf eine wüste Siedlung deutet vielleicht der Flurname Ottenrod (0,5 km nordwestlich von Merzhausen).

Historische Namensformen:

  • Meinharteshusen, de (1233) [Wyss I Nr. 37]
  • Meinhardeshusen (1254) (UA Haina)
  • Menhardeshusen (1254) (UA Haina)
  • Meynhartshusen (1334)
  • Mershausen (1548) (UA Hersfeld)
  • Mertzhausen (1585) [Der ökonomische Staat Landgraf Wilhelms IV.]

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1868/1934

Älteste Gemarkungskarte:

1793

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3515442, 5635007
UTM: 32 U 515507 5633358
WGS84: 50.85170904° N, 9.220285215° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634026040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1140 stellbares Land, 176 Wiesen, 36 Gärten, 30 Triesche, 85 Wald.
  • 1885 (Hektar): 550, davon 356 Acker (= 64.73 %), 91 Wiesen (= 16.55 %), 100 Holzungen (= 18.18 %)
  • 1961 (Hektar): 863, davon 274 Wald (= 31.75 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 55 Hausgesesse.
  • 1639: keine Angaben. 1681: 43 Hausgesesse, 3 Ausschuss, 1 Junggeselle.
  • 1743: 58 Wohnhäuser einschließlich 2 Mühlen.
  • 1743: 7 Leineweber, 3 Zimmerleute, 1 Krämer, 3 Schneider (einschließlich des Schulmeisters), 1 Korbmacher, 2 Müller, 3 Schmiede, 1 Maurer, 1 Wagner, 1 Branntweinbrenner, 4 Schäfer, 7 Tagelöhner, 7 Beisassen. 10 Juden und ihre Familien, haben ihre Nahrung teils in loco, teils in angrenzenden Adelshöfen und Dorfschaften.
  • 1747: 67 Haush. (Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen).
  • 1834: 679, 1885: 674, 1895: 700 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 15 Ackerbau, 40 Gewerbe, 54 Tagelöhner.
  • 1861: 630 evangelisch-reformierte, 4 evangelisch-lutherische, 1 römisch-katholischer Einwohner, 75 Juden.
  • 1885: 674, davon 638 evangelisch (= 94.66 %), 0 katholisch, 36 Juden (= 5.34 %)
  • 1925: 754, 1939: 853, 1950: 1093, 1961: 1005 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 209 Land- und Forstwirtschaft, 249 produzierendes Gewerbe, 34 Handel und Verkehr, 21 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 1005, davon 966 evangelisch (= 96.12 %), 25 katholisch (= 2.49 %)

Diagramme:

Merzhausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1360/67: Gericht auf den Wasen (Amt Ziegenhain)
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Neustadt
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • Noch 1569 haben die von Rückershausen die hohe und niedere Gerichtsbarkeit.
  • Mit dem Wechsel des Jahres 1576 zieht Hessen das Blutgericht an sich.
  • Um 1585 steht die Peinlichkeit den Landgrafen, das Dorf mit dem Erb- bzw. Untergericht zu 2 Dritteln den Schwertzell, zu 1 Drittel den von Weitershausen zu.
  • 1822: Justizamt Ziegenhain.
  • Seit 1867: Amtsgericht Ziegenhain.
  • Seit 1945: Amtsgericht Treysa.

Herrschaft:

1360/67: Gericht auf den Wasen (Amt Ziegenhain).

1367 verkaufen die Grafen von Ziegenhain die Dörfer und Gerichte Merzhausen, Heckershausen und Nieder-Fischbach an die Kuppel.

1419 werden die von Rückershausen mit dem ganzen Schloss (Burg und Dorf Merzhausen), wie es bisher die Kuppel innehatten, belehnt.

1471 treten die von Rückershausen 1 Drittel an die von Weitershausen ab, die einen Hof neben der Kirche erbauen, sowie ein eigenes Burghaus im Schloss.

Nach dem Aussterben der von Rückershausen (1576) sind mit 2 Dritteln die Schetzel belehnt.

Den Schetzelschen Anteil erhalten 1667 die von Hattenbach.

1707 fällt dieser Anteil an die Landgrafen heim.

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung des aufgelösten Gutsbezirks Forst Merzhausen. Vom 31.12.1971 bis 31.12.1973 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil zunächst der Gemeinde Antrefftal angeschlossen. Nach deren Auflösung seit dem 1.1.1974 Ortsteil der Gemeinde Willingshausen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1257 überlassen die von Merzhausen dem Deutschen Orden Marburg Güter zu Merzhausen gegen andere zu Schröck.
  • 1258 haben Gerlach von Biedenfeld bzw. seine Frau ein Schloss bzw. Kemenate in Merzhausen.
  • 1259 vertauschen die von Leimsfeld Kloster Haina ihre Güter zu Merzhausen.
  • 1260 sind die Hainaer Klostergüter in Merzhausen auf Lebenszeit an Helwig Zymeleth verpachtet.
  • 1261 verkaufen die von Heckershausen Kloster Haina ihre Güter in Merzhausen zusammen mit Hörigen daselbst.
  • 1367 verkauften die Grafen von Ziegenhain Merzhausen mit dem Recht auf Wiederkauf an die Koppel und trugen es zu Lehen.
  • 1434 geht das Lehen auf die Landgrafen von Hersfeld über.
  • Im 16. Jahrhundert gehört den Schetzel (Rev. 1577-1665), früher die von Rückershausen, 2/3 Drittel und den von Weitershausen (noch 1778) 1/3 von Merzhausen.
  • 1667 und 1695 erhalten die von Hattenbach den Teil der Familie Schetzel zu Lehen

Zehntverhältnisse:

1254 lassen die von Itter die Hälfte des Zehnten, die ihnen von den von Gerwigshain aufgelassen worden ist, ihrerseits den Grafen von Ziegenhain zu Lehen auf unter der Bedingung, dass die Grafen die Zehntrechte Kloster Haina übertragen.

1354 bestätigt das Erzstift Mainz die Zehntrechte des Klosters zu Merzhausen.

1576 ist die ehemals hainische Hälfte des Zehnten zu Merzhausen landgräflich, die andere Hälfte gehört den von Weitershausen.

Ortsadel:

1233-1295 (von Merzhausen);

1367-1407 (Kuppel);

1407-1576 (von Rückershausen);

1471-1734 (von Weitershausen).

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1548 Pfarrei, die bis 1569 von dem Holzburger Pfarrei Johannes Süßmann versehen wurde, der allerdings auch in dieser Zeit in Merzhausen residierte. Als sein Gehilfe wurde 1557 Hermann Schrodt nach Merzhausen ordiniert.

1569-1572 wurde Merzhausen von dem Pfarrei aus Zella mitversehen (Hütteroth S. 522).

1580 und später: Fischbach (Altkreis Alsfeld) und (bis ca. 1640) Niederfischbach eingepfarrt.

Vor 1708 Fischbach nach Holzburg ausgepfarrt.

Seitdem war die Pfarrei Merzhausen ohne Beidörfer.

Patronat:

1548 und noch 1585 präsentierte Stift Hersfeld.

Bekenntniswechsel:

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Georg Becker 1572-1576, bereits vom 24.11.1548 bis ca. 1572 von dem Holzburger Pfarrer Johannes Süßmann versehen.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1607

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Treysa.

Juden:

Provinzial-Rabbinat Marburg, Willinghausen und Schrecksbach angeschlossen.

1743: 10 Juden und ihre Familien, haben ihre Nahrung teils in loco, teils in angrenzenden Adelshöfen und Dorfschaften.

1744: 10 jüdische Familien.

1835: 67; 1837: 72, 1861: 75, 1905: 39; 1932/33: 53 Juden

1933: 7 Familien, zumeist im Textilhandel tätig.

Die Mehrzahl der jüdischen Ortsbewohner wohnte in der sogenannte Judengasse.

1833: Israelitische Elementarschule (Dorfstraße 10), Unterricht 1878-1886 eingestellt, 1933 Schule endgültig geschlossen.

In Merzhausen befand sich die Synagoge für Merzhausen, Willingshausen und Schrecksbach; 1938 teilweise zerstört und geplündert, 1947 abgerissen (Standort hinter der Schule).

Ein Judenbad befand sich ehemals im Haus Nr. 61 (genutzt bis Anfang 20. Jahrhundert).

Im Ort existiert ein jüdischer Friedhof, auf dem 1947 die letzte jüdische Beerdigung stattfand. Während der NS-Zeit wurde dieser geschändet und nach dem Krieg wieder in Stand gesetzt. Der liegt an der Waldstrasse hinter dem Forsthaus. (alemannia-judaica)

Wirtschaft

Mühlen:

Gegenüber der späteren Dorfmühle befand sich eine mittelalterliche Waldschmiede, die um 1530 schon nicht mehr in Betrieb war; Flurname Uff der Schmiede (1548); Waldschmiede (1573).

Ihr gegenüber entstand 1530 eine von Henn Strauch erbauten Mahlmühle, die 1542 von den von Weitershausen gekauft wurde.

Bald darauf wurde an der Stelle der alten Schmiede eine weitere Mühle errichtet, die später so genannte Dorfmühle, die dann vor 1542 die von Rückershausen kauften.

1544 haben die von Rückershausen die Mühle der von Weitershausen gewaltsam entfernt.

Die Dorfmühle der von Rückershausen wurde 1700 von der Familie Itzenhäuser erworben.

Sie verfügte 1740 über Mahl- und Schlaggang (oberschlächtig) und war Bannmühle für die Hintersassen der Gerichtherrn.

Nach 1965 abgebrochen.

Merzhausen 1743: 58 Wohnhäuser einschließlich 2 Mühlen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Merzhausen, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4672> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde