Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
5121 Schrecksbach
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung
Historische Karten
Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 63. Schrecksbach

Loshausen

Ortsteil · 216 m über NN
Gemeinde Willingshausen, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Hof; Sonstiges

Lagebezug:

3 km südlich von Ziegenhain.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss in Talmündungslage an der Einmündung des Wälzebachs in die Alte Schwalm. Älterer Gutshof mit Park am östlichen Ortsausgang. Moderne Wohnsiedlung im Nordwesten.

Durch den Ort führt die Bundesstraße 254;

Straße Ransbach - Steina bzw. Riebelsdorf.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Bad Hersfeld – Schwalmstadt/Treysa (Inbetriebnahme der Strecke 1.8.1907) bis zur Stilllegung der Strecke am 10.9.1984.

Ersterwähnung:

1106

Historische Namensformen:

  • Lazhusun, de (1106) [K 244: Liber de libertatibus locorum Hersfeldensium saec. XII]
  • Låzhusen
  • Laishusen
  • Loshusen
  • Loshausen
  • Losshausen [Niveaukarte Kurfürstentum Hessen 1840-1861]
  • Larhusen [Reimer, S. 295]

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Arnoldsmühle,
  • Klinkenmühle,
  • Wüstung Trunderode (?),
  • Wüstung Flondern (?),
  • Wüstung Geroldsrode (?),
  • Wüste Kapelle Sankt Wendelsberg.

Umlegung der Flur:

1868

Älteste Gemarkungskarte:

1716

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3517740, 5639026
UTM: 32 U 517659 5637210
WGS84: 50.88629095° N, 9.251044565° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634026030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 903 stellbares Land, 354 Wiesen, 47 Gärten, 134 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 700, davon 415 Acker (= 59.29 %), 183 Wiesen (= 26.14 %), 47 Holzungen (= 6.71 %)
  • 1961 (Hektar): 691, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 40 Männer. 1585: 40 Hausgesesse.
  • 1639: 23 Männer, 5 Witwen. 1681: 31 Hausgesesse, 2 Ausschuss, 1 Junggeselle.
  • 1746: 2 Schmiede, 1 Bender, 1 Wirt, 7 Leineweber, 1 Maurer, 1 Krämer, 4 Schneider, 1 Wagner, 2 Müller, 1 Branntweinschenker, 10 Tagelöhner.
  • 1746: 39 Wohnhäuser, 197 Einwohner.
  • 1834: 443, 1885: 546 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 39 Ackerbau, 33 Gewerbe, 27 Tagelöhner.
  • 1861: 478 evangelisch-reformierte, 1 evangelisch-lutherischer Einwohner.
  • 1885: 546, davon 539 evangelisch (= 98.72 %), 0 katholisch, 7 andere Christen (= 1.28 %)
  • 1925: 707, 1939: 751, 1950: 1119, 1961: 1022 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 179 Land- und Forstwirtschaft, 188 produzierendes Gewerbe, 53 Handel und Verkehr, 49 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 1022, davon 905 evangelisch (= 88.55 %), 117 katholisch (= 11.45 %)

Diagramme:

Loshausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1318: Dorf und Gericht angeblich hersfeldisches Lehen der Waltvogel (Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 310)
  • 1360/67: Gericht auf den Wasen (Amt Ziegenhain)
  • 1569, 1585 und später: Amt Ziegenhain
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Treysa
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

Herrschaft:

1318: Dorf und Gericht angeblich hersfeldisches Lehen der Waltvogel (Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 310).

1360/67: Gericht auf den Wasen (Amt Ziegenhain).

1367 verpfänden die Grafen von Ziegenhain Loshausen (vorübergehend ?) an die Waltvogel.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1974 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur Gemeinde Willingshausen zusammengeschlossen, deren Ortsteil Loshausen seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Der bedeutendste Grundherr am Ort dürfte ursprünglich Kloster Hersfeld gewesen sein, dessen Besitz seit 1240 durch dessen Lehnsträger an Kloster Haina veräußert wird:
  • 1240 vertauschen die Grafen von Ziegenhain Kloster Haina und den Insassen des Hofes Ransbach die zwischen den gemeinen Weiden zu Loshausen gelegene sogenannte Abtswiese, die die Grafen von Hersfeld zu Lehen trugen.
  • 1256 verkaufen die Grafen Kloster Haina ein Vorwerk (allodium) in Loshausen mit allem Zubehör vorbehaltlich der lehnsherrlichen Einwilligung Hersfelds.
  • 1257 übereignet Hersfeld Haina Güter an ungenanntem Ort, die bislang die von Rückershausen zu Lehen hatten; ersatzweise erhalten die von Rückershausen 2 Höfe in Loshausen nebst Zubehör.
  • 1260 erwirbt Haina von den von Loshausen 4 Höfe ebenda.
  • 1267 überlässt Arnold von Rückershausen Haina seinen Besitz.
  • 1271 übertragen die Grafen von Ziegenhain die Güter zu Loshausen, die sie Dietrich von Linsingen zu Eigen gegeben hatten, auf dessen Bitte Kloster Haina.
  • 1290 verzichten die von Schwertzell im Zuge eines Vergleichs mit Haina unter Vorbehalt des hersfeldischen Eigentumsrechts auf ihre Güter in Loshausen.
  • 1296 vertauscht Ritter Ludwig genannt Waltvogel Haina Einkünfte aus seinem Vorwerk im Dorf Willingshausen gegen solche aus Klostergütern in Loshausen.
  • 1298 kommt es erstmals zum Streit zwischen Hersfeld und Haina über die von Haina erworbenen oder entfremdeten hersfeldischen Lehen. Gegen Überlassung jährlicher Einkünfte aus Loshausen (1301 und später: 20 Malter Korn hersfeldischen Maßes) bestätigt Hersfeld dem Kloster seinen Besitz, wobei jedoch festgelegt wird, dass Haina künftig hersfeldisches Eigentum nur nach vorheriger Einwilligung des Kloster erwerben soll; erneuter Vergleich nach vorangegangenem Streit beider Parteien 1301.
  • 1312 verkauft Hersfeld dem Kloster die bisherigen jährlichen Abgaben vorbehaltlich späteren Wiederkaufs; erneuter Vergleich beider Parteien 1343.
  • Mit dem Erwerb der hersfeldischen Grundherrschaft Zella (1312) gelangt Haina in den Besitz von drei zugehörigen Hufen, von denen 1343 der sogenannte Rückershäuser Hof und die sogenannte Schmalzes Hufe an das Kloster zinsen.
  • 1330 verzichten die Grafen von Ziegenhain auf alle gegenüber Haina erhobenen Forderungen wegen der von ihren Vorfahren an das Kloster verkauften Güter in Loshausen. Im gleichen Jahr leisten der Pleban von Gemünden, Tilemann, und sein Bruder, der Wäppner Ludwig von Linsingen, gegenüber Haina Verzicht wegen einiger Güter.
  • 1342 verzichten Ritter Konrad Lupelin und seine Söhne auf alle Ansprüche gegenüber Haina wegen ihres vermeintlichen Rechts auf das Gut zu Loshausen, das Konrads Schwager Dietrich von Linsingen dem Kloster 1271 gestiftet hatte.
  • 1347/57 leisten nach und nach die weiteren Erben an dem Gut (von Liederbach, von Ehringshausen, von Linsingen, Schleier, von Völkershausen, von Rotenburg, Nodung, von Dorfeid, von Besse) Verzicht.
  • Vor 1367 erwirbt Graf Gottfried VII. von Ziegenhain 3 Häuser mit Gärten, Wiesen und Ackerbesitz in Loshausen.
  • 1486 stiften die von Rollshausen und von Storndorf den Augustinern in Alsfeld ihr halbes Gut zu Loshausen mit allem Zubehör, dessen Gegenwechsel und andere Hälfte Henne von der Nuhn aus Mardorf innehat.
  • 1524 beziehen die Augustiner zu Alsfeld Einkünfte von 3 Erbgütern in Loshausen.
  • Seit 1449 begegnen die Lutter als Erben der Waltvogel in Loshausen.
  • 1569 haben die Lutter von Loshausen im Dorf zwei Adelssitze, von denen einer ehemals in hainischem Besitz war (S 59).
  • 1746 besitzen die von Lutter als freiadlige Güter in Loshausen den ehemals Waltvogel'schen Hof "über der Brücke", den ehemals Hainer Hof "unter der Brücke", den sogenannten Krengels- und den sogenannten Numischen Hof sowie 3 freie (Wohn-)Plätze und die Arnoldsmühle (Kat. I Loshausen, Vorbeschreibung). Der Lutter'sche Besitz bestand teils aus hersfeldischen, teils aus landgräflichen Lehen.
  • Mit dem Aussterben der Familie fielen die landgräflichen Lehen heim; die hersfeldischen wurden, insoweit Erbmannlehen, 1762 den Gebrüdern Schenk zu Rülferod, insoweit Erblehen, 1767 der Generalin von Baumbach (nebst den genannten Lehen der Schenk) übertragen (Ledderhose S. 107).
  • 1891 ist der Gutskomplex im Besitz des Generals von Normann; er umfasste damals 119 Hektar Äcker und Gärten, 45 Hektar Wiesen und 151 Hektar Wald.

Zehntverhältnisse:

1255 überlässt Kloster Hersfeld den Zehnten zu Loshausen, den bislang Rupert von Zella genannt Streleboc zu Lehen hatte, auf dessen Bitte hin Kloster Haina.

1322 und 1354 bestätigen die Erzischöfe von Mainz Haina den Besitz des Zehnten.

1405 verzichten Henne Waltvogel und dessen Frau auf das mit Haina strittige Rudeger-Gut zu Loshausen hinter der Kirche sowie auf ein anderes Gut nebst Garten und Wiese bei der Mühle. Das Kloster lässt den Ausstellern ihre Äcker in zwei Feldern, nach Ransbach und nach Leimbach zu, zehntfrei. Dafür sollen sie Haina von ihren Äckern im dritten Feld, nach Ziegenhain zu, abgesehen von einigen Einzelstücken, ohne Widerrede zehnten.

1530 verkaufen die Landgrafen den Zehnten zu Loshausen für 300 Goldgulden Henne Denseners zu Loshausen.

1537 verschreibt der Landgraf an die Witwe H. Denseners für 230 Goldgulden unter anderem den sogenannte Habichtsscheit-Zehnten vor Loshausen, der zum Schloss Ziegenhain gehört.

Ortsadel:

von Loshausen 1106-1265.

Lutter (Lütter) von Loshausen 1449-1760.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche 1405 genannt (Klosterarchiv VI Nr. 883).
  • Wüste Kapelle auf dem Sankt Wendelsberg (s. d.), die noch in der Reformationszeit zum Gottesdienst benutzt wurde, ca. 1,5 km nordwestlich von Loshausen, westlich von der Straße nach Ziegenhain.

Pfarrzugehörigkeit:

1527: Filiale von Zella,

1569 und 1580 Pfarrei, die vom Pfarrer in Zella versehen wird; so noch 1746.

Eingepfarrt 1580: Oberleimbach, Unterleimbach, Hof Ransbach.

1747 und später ist Loshausen Filiale von Zella.

Patronat:

Das Patronat besaßen 1580 Kloster Hersfeld und die Nodung von Wehrda.

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Zella, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Zellaer Pfarrer Pfarrer Johannes Fritsch um 1527.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Treysa.

Wirtschaft

Mühlen:

1292 erwirbt Kloster Haina von den von Rückershausen einen Zins aus der Mühle zu Loshausen (Klosterarchiv V Nr. 807). Vielleicht identisch mit der späteren Arnoldsmühle (s. d.).

1405 verzichten Henne Waltvogel und dessen Frau auf das mit Haina strittige Rudeger-Gut zu Loshausen hinter der Kirche sowie auf ein anderes Gut nebst Garten und Wiese bei der Mühle (Näheres unter Zehntverhältnisse).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Loshausen, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4669> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde