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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 53. Schwarzenborn

Seigertshausen

Stadtteil · 360 m über NN
Gemeinde Neukirchen, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Dorf

Lagebezug:

5 km nördlich von Neukirchen.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss beiderseits einer Talverengung des Grenzebachs.

Straße Obergrenzebach - Schwarzenborn, in Ortsmitte gekreuzt von Straße Großropperhausen - Neukirchen.

Ersterwähnung:

1197

Historische Namensformen:

  • Sigozeshusen (1197) (Urkunden A II Kloster Spieskappel)
  • Sigeharthusen (um 1223)
  • Segehardshusen (1264) (UA Haina)
  • Segartzhusin (1354)
  • Segertzhusen (1356) (UA Ziegenhain)
  • Sigershusen (1537) (Homb. Salb.)
  • Seigertshausen (1585)

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 1309 (Becker, Riedesel II, S. 20).

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Forsthaus Seigertshausen,
  • Happelsmühle,
  • Hergertsmühle,
  • Talhof
  • Wüstung Lipperode.
  • Auf eine wüste Siedlung deutet der Flurname Elgenrod:
  • 1 km westlich von Seigertshausen;
  • 1495: Elgenrods wiese unter Großropperhausen geführt.

Burgen und Befestigungen:

  • Burgsitz (vgl. Besitz):
  • 1522 besitzt Spieskappel in Seigertshausen neben dem Zehnten 3 Güter und 2 Mühlen. Dazu zählt neben dem sogenannten Küstereigut und dem sogenannten Heiligen Gütchen auch das sogenannte Muher-Gut, zu dem auch ein Lindenplatz gehörte, auf dem sich vor Zeiten ein Burgsitz (borgkseß) befand.

Umlegung der Flur:

1885/1921

Älteste Gemarkungskarte:

1736/1737

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3525404, 5641876
UTM: 32 U 525320 5640059
WGS84: 50.91162384° N, 9.360152133° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634017080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 953 stellbares Land, 506 Wiesen, 40 Gärten.
  • 1885 (Hektar): 493, davon 250 Acker (= 50.71 %), 166 Wiesen (= 33.67 %), 4 Holzungen (= 0.81 %)
  • 1961 (Hektar): 786, davon 256 Wald (= 32.57 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 50 Hausgesesse.
  • 1639: 38 hausgesessene Männer, 8 Witwen.
  • 1681: 31 Hausgesesse, 6 Ausschuss, 1 Junggeselle.
  • 1749: 2 Leineweber, 2 Schneider, 4 Maurer, 2 Wagner, 1 Zimmermann, 3 Schmiede, 1 Ziegel- und Kalkbrenner, 1 Wirt, 1 Branntweinschenker, 3 Müller, 1 Arzt.
  • 1749: 242 Einwohner.
  • 1834: 534, 1885: 545 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 32 Ackerbau, 19 Gewerbe, 61 Tagelöhner.
  • 1861: 601 evangelisch-reformierte, 1 evangelisch-lutherischer, 1 römisch-katholischer Einwohner.
  • 1885: 545, davon 545 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 617, 1939: 638, 1950: 882, 1961: 741 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 189 Land- und Forstwirtschaft, 135 produzierendes Gewerbe, 19 Handel und Verkehr, 28 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 741, davon 666 evangelisch (= 89.88 %), 68 katholisch (= 9.18 %)

Diagramme:

Seigertshausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1431: Gericht Frielendorf
  • 1537 und später: Gericht am Spieß (Frielendorf)
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Frielendorf
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Neukirchen.

Am 1.1.1974 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung in die Stadtgemeinde Neukirchen, deren Stadtteil Seigertshausen wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1197 besitzt Kloster Spieskappel Einkünfte in Seigertshausen.
  • Um 1233 tauschen die von Marburg zu Treysa mit Kloster Haina eine Hufe gegen eine 5 Schillinge ertragende Hufe in Seigertshausen.
  • 1264 erwirbt Haina Güter in Seigertshausen von den Graf Widukind von Battenberg zustehenden Leuten am Ort, Hermann und Giso, wobei der Graf selbst auf seine Rechte an diesen Gütern verzichtet.
  • 1306 verkaufen die von Marburg zu Treysa Haina ihre Güter in Dorf und Gemarkung Seigertshausen.
  • 1335 bekundet Ludwig von Heimbach, Kloster Haina für den von ihm diesem zugefügten Schaden eine Summe Geldes zu schulden und weist diese auf sein bestes Gut zu Seigertshausen an. Das Kloster soll davon 10 Jahre jeweils zu Martini 6 Mark erheben. Trägt das Gut die 6 Mark nicht, so fällt es dem Kloster zu. Nach dem Tod Ludwigs von Heimbach und seiner Frau geht das Gut in den Besitz Hainas über.
  • 1354 bekunden die Miterben von Dernbach, dass die Schenkung des von Heimbach`schen Gutes an das Kloster mit ihrer Kenntnis und Einwilligung erfolgt ist.
  • 1306 verkauft Ritter Johann Riedesel 3 Höfe zu Seigertshausen an Heinrich von Frielingen.
  • 1309 erwirbt Kloster Spieskappel den verbliebenen Grundbesitz der Riedesel am Ort für 40 Kölner Mark.
  • 1366 erwirbt der Spieskappeler Küster Johann von Leimsfeld das Eigengut Heinrich Rüdes zu Seigertshausen (1522 Küstereigut genannt).
  • 1372 verpfänden die von Romrod und von Linden Spieskappel das ehemalige Eigengut Konrads von Linden;
  • 1387: Anfechtung der Verpfändung (von 1372) durch die Erben, die Biszigel.
  • 1438 erwirbt Spieskappel von den von Gilsa und Biszigel ein Gütchen am Ort.
  • 1511 verschreiben die Eheleute Wigand zu Seigertshausen für 10 rheinische Gulden Frankfurter Währung eine Jahresrente aus ihrer Besserung an der Mühle und aus 2 Rödern, von denen der eine oberhalb des Dorfes am Berg, der andere über dem Grubenhain gelegen ist.
  • 1520 ist dieser Zins aber zur Hälfte abgelöst.
  • 1522 besitzt Spieskappel in Seigertshausen neben dem Zehnten 3 Güter und 2 Mühlen. Dazu zählt neben dem sogenannten Küstereigut und dem sogenannten Heiligen Gütchen auch das sogenannte Muher-Gut, zu dem auch ein Lindenplatz gehörte, auf dem sich vor Zeiten ein Burgsitz (borgkseß) befand.

Zehntverhältnisse:

Seit 1361 erwirbt Spieskappel schrittweise die Zehntrechte am Ort, die Hälfte des großen und kleinen Zehnten 1361.

1365 versetzen die Grafen von Ziegenhain zusammen mit dem Gericht Falkenhain ihren halben (großen und kleinen) Zehnten.

1372 versetzen die von Romrod und von Linden ihren von Ziegenhain lehnsrührigen halben Zehnten zu Seigertshausen Kloster Spieskappel.

1522 besitzt das Kloster den gesamten Zehnten in Seigertshausen.

Ortsadel:

1254-1364 (Helbig, Amt Homberg, S. 114).

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1569 und später: Nach Obergrenzebach eingepfarrt.

1747 und später: Filiale von Obergrenzebach.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Wirtschaft

Wirtschaft:

Töpferei- und Ziegelproduktion seit dem 17. Jahrhundert belegt;

1749 wird das Gewerbe nur noch von 1 Ziegel- und Kalkbrenner betrieben (vgl. Einwohnerstatistik).

Mühlen:

1511 verschreiben die Eheleute Wigand zu Seigertshausen für 10 rheinische Gulden Frankfurter Währung eine Jahresrente aus ihrer Besserung an der Mühle und aus 2 Rödern, von denen der eine oberhalb des Dorfes am Berg, der andere über dem Grubenhain gelegen ist.

1520 ist dieser Zins aber zur Hälfte abgelöst.

1522 verfügt Kloster Spieskappel über 2 Mühlen in Seigertshausen, von denen möglicherweise die eine identisch ist mit der 1749 genannten Dorfmühle, die andere mit der bei der Wüstung Falkenhain gelegenen Happelsmühle.

1749: 3 Müller (vgl. Einwohnerstatistik).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Seigertshausen, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4748> (Stand: 16.10.2018)
 
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