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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 63. Schrecksbach

Riebelsdorf

Stadtteil · 236 m über NN
Gemeinde Neukirchen, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

2,5 km nordwestlich von Neukirchen.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen auf der Niederterrasse eines nach Süden in das Grenfftal auslaufenden Hanges. Kernbereich der Siedlung mit regelloser, dichter Gehöftanordnung. Kirche mit mächtigem Kirchturm und ummauertem Kirchhof in zentraler Lage. Nach Osten anschließend lineare Bebauung entlang der Bundesstraße 454 (alte Köln-Leipziger Messestraße). Moderne Bebauung im Westen und Süden (Richtung Bruchmühle).

Außer der Bundesstraße 454 (alte Köln-Leipziger Messestraße) Straßen nach Loshausen und Salmshausen.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Bad Hersfeld – Schwalmstadt/Treysa (Inbetriebnahme der Strecke 1.8.1907) bis zur Stilllegung der Strecke am 10.9.1984.

Ersterwähnung:

1266

Historische Namensformen:

  • Rivelstorph (1266) (Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, S. 243, Nr. 457)
  • Rivelisdorph (1267)
  • Reybilsdorf (1305) (UA Haina)
  • Rybelsdorf (1331) (UA Ziegenhain)
  • Ribelsdorf (1343)
  • Riboldisdorf (1364/67) (Ziegenhainer Urbar)
  • Riebelsdorff (1585)
  • Ribbelsdorf (1660) (Extrakt aus der Beschreibung der Grafschaft Ziegenhain)

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1921

Älteste Gemarkungskarte:

1711

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3521894, 5638162
UTM: 32 U 521811 5636346
WGS84: 50.87838234° N, 9.310023849° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634017060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1465 stellbares Land, 633 Wiesen, 27 Gärten, 17 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 930, davon 352 Acker (= 37.85 %), 155 Wiesen (= 16.67 %), 375 Holzungen (= 40.32 %)
  • 1961 (Hektar): 865, davon 151 Wald (= 17.46 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 27 Männer. 1585: 61 Hausgesesse.
  • 1639: 34 Hausgesesse, 2 Witwer, 5 Witwen.
  • 1681: 48 Hausgesesse, 6 Ausschuss, 2 Junggeselle.
  • 1745: 59 Wohnhäuser (einschließlich Mühlen) mit 321 Einwohnern.
  • 1745: 8 Leineweber, 5 Schneider, 3 Schmiede, 3 Zimmerleute, 2 Wirte (von denen einer unter den Leinewebern aufgeführt), 2 Müller, 2 Schreiner, wovon einer Müller ist, 1 Wagner, 1 Tagelöhner, 4 Weiber, die sich vom Tagelohnen nähren. 13 vierspännige, 14 dreispännige, 9 zweispännige Ackerländer.
  • 1834: 472, 1885: 505 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 38 Ackerbau, 20 Gewerbe, 27 Tagelohnen.
  • 1861: 514 evangelisch-reformierte Einwohner.
  • 1885: 505, davon 503 evangelisch (= 99.60 %), 2 katholisch (= 0.40 %)
  • 1925: 616, 1939: 693, 1950: 967, 1961: 807 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 216 Land- und Forstwirtschaft, 146 produzierendes Gewerbe, 25 Handel und Verkehr, 28 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 807, davon 719 evangelisch (= 89.10 %), 86 katholisch (= 10.66 %)

Diagramme:

Riebelsdorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Bis zur Bildung des Gerichts Neukirchen (vor 1360/62) Zubehör des Gerichts auf den Wasen (Amt Ziegenhain).
  • 1360/67 und später: Gericht (Amt) Neukirchen
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Neukirchen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Neukirchen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung in die Stadtgemeinde Neukirchen, deren Stadtteil Riebelsdorf wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1267 überlässt Arnold von Rückershausen zur Begleichung seiner Schulden Kloster Haina unter anderem die halbe Mühle (Bruchmühle ?) sowie die ehemals einem gewissen Winold gehörigen Güter in Riebelsdorf.
  • 1305 verkaufen die Waltvogel Kloster Haina ihre Güter im Dorf Riebelsdorf.
  • 1316 verkaufen die Priester Berthold und Heinrich Lendorfer Kloster Haina ihren Hof in Riebelsdorf.
  • 1343 verzichtet Kloster Hersfeld gegenüber Haina auf die von den genannten Priestern erkauften Güter. Haina soll jedoch künftig keine weiteren hersfeldischen Einkünfte und Güter ohne vorherige Zustimmung des Klosters erwerben. Der Besitz der Lendorfer in Riebelsdorf und den zugehörigen Wüstung Hockenhausen und Meishausen war vor 1343 Zubehör der hersfeldischen Villikation Zella.
  • 1364/67 verpfändet Hersfeld Kloster Immichenhain eine Hufe und ein Gut zu Riebelsdorf. Ferner hat Immichenhain Einkünfte aus der Mühle zu Riebelsdorf.
  • Der Immichenhainer Besitz fällt 1538 an die Diede zu Fürstenstein.

Zehntverhältnisse:

1266 verpfänden die von Rückershausen Kloster Haina ihren Zehnten zu Riebelsdorf.

1267 überlässt Arnold von Rückershausen zur Begleichung seiner Schulden Haina den halben Zehnten zu Riebelsdorf.

1413 ist der Zehnte ziegenhainisches Lehen der von Rückershausen, damals versetzt an Heinrich Schlierbach.

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1569 und später: nach Neukirchen eingepfarrt.

1742 und später: Vikariat von Neukirchen.

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Neukirchen, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Neukirchener Pfarrer Albert Dörbecker ab 1527.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605

Kultur

Historische Ereignisse:

Im Gefecht am Riebelsdorfer Berg (15. Nov. 1640) fällt im Kampf mit herzoglich-weimarischen Truppen unter Führung des Obersten Reinhold von Rosen (die verstärkt waren durch ein französisches Bataillon des Herzogs Longueville und durch das Ziegenhainer Bürgerkorps), der kaiserliche Feldmarschall-Leutnant von Breda. Die Legende schreibt den tödlichen Schuss dem Kommandanten des Bürgerkorps, Kapitän Muhly, zu. Mit dem Gefecht bei Riebelsdorf endet einer der schlimmsten Einfälle kaiserlicher Truppen in Hessen während des 30jährigen Krieges.

Wirtschaft

Mühlen:

1267 überlässt Arnold von Rückershausen zur Begleichung seiner Schulden Kloster Haina unter anderem die halbe Mühle (Bruchmühle ?) sowie die ehemals einem gewissen Winold gehörigen Güter in Riebelsdorf.

1364/67 verpfändet Hersfeld Kloster Immichenhain eine Hufe und ein Gut zu Riebelsdorf. Ferner hat Immichenhain Einkünfte aus der Mühle zu Riebelsdorf.

1745: 2 Müller und 2 Schreiner, wovon einer Müller ist (Auszug aus Einwohnerstatistik).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Riebelsdorf, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4705> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde