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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 22. Besse

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Besse (Oberbesse)

Ortsteil · 205 m über NN
Gemarkung Besse, Gemeinde Edermünde, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5 km nordöstlich von Gudensberg.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen im Talkessel des Pilgerbaches östlich unterhalb des Langenberges. Auf einer Kuppe in zentraler Lage Kirche mit kreisförmig ummauertem, wehrhaften Kirchhof. Annähernd dreieckiger Grundriss des Ortskerns durch 2 dicht bebaute Straßen und Quergassen gebildet. Ferner Bebauung an den nach Nordwesten, Südwesten und Süden führenden Straßen. Großer Hof an der nach Nordwesten führenden Straße. Moderne Wohnsiedlung im Norden.

Ersterwähnung:

802-817

Siedlungsentwicklung:

Im Forstort Mörchen Steinkistengrab.

Historische Namensformen:

  • Passahe (802-817) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 1, Bl. 146rb, S. 241, (112)]
  • Bessehe, in (1122)
  • Bessen, in (1123)
  • Bessahe, ad (12. Jahrhundert)
  • Bessee, in (1209)
  • Besse, de (1261)
  • superiori Besse, in (1291)
  • Overen Besse (1292)
  • Ober Besse (1307)
  • Obernbesse, in (1326)
  • Beisse, von (1369)
  • Beß, zco (1512)
  • Besße (1538)
  • Bessa, zu (1546)
  • Beeß (1579)
  • Besse, Ober
  • Ober-Besse
  • Oberbesse

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1885/1886

Älteste Gemarkungskarte:

1685

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3527145, 5676419
UTM: 32 U 527060 5674588
WGS84: 51.22203865° N, 9.387493516° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634002010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1575: 21 Hufen des Kloster Breitenau genannt
  • 1579: 85 landgräfliche Hufen
  • 1742 (Kasseler Acker): 2812 Land, 1460 Wiesen und Weinberge
  • 1885 (Hektar): 1391, davon 710 Acker (= 51.04 %), 197 Wiesen (= 14.16 %), 404 Holzungen (= 29.04 %)
  • 1961 (Hektar): 1390, davon 377 Wald (= 27.12 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 77 Hausgesesse
  • 1639: 56 verheiratete, 3 verwitwete Hausgesesse. 1650: 410 Einwohner
  • 1735: 103 Mannschaften. 1748: 551 Einwohner.
  • 1834: 375, 1885: 1166 Einwohner.
  • 1861: alle Einwohner evangelisch-reformiert.
  • 1885: 1166, davon 1156 evangelisch (= 99.14 %), 10 katholisch (= 0.86 %)
  • 1925: 1600, 1939: 1658, 1950: 2280, 1961: 2195 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 324 Land- und Forstwirtschaft, 524 Produzierendes Gewerbe, 123 Handel und Verkehr, 94 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 2195, davon 1871 evangelisch (= 85.24 %), 305 katholisch (= 13.90 %)

Diagramme:

Besse (Oberbesse): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 9. Jahrhundert: in pago Hassorum
  • 1497: Landgrafschaft Hessen, Amt Gudensberg
  • 1742: Amt Gudensberg
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton und Friedensgericht Gudensberg
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Gudensberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1822: Justizamt Gudensberg
  • 1867: Amtsgericht Gudensberg
  • 1879: Amtsgericht Gudensberg
  • 1943: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Gudensberg)
  • 1971: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1387: unsers junchern von Hessin gerichte.

1428: Gericht Besse. Amt Gudensberg

1469: landgräfliches Gericht

1497: Amt Gudensberg

1575/85: Amt Gudensberg, niederes und peinliches Gericht Hessen

centurio 1285, comes 1292, Grebe 1387

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1974 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Edermünde beigetreten..

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 9. Jahrhundert: Engelher und Rudunc übertragen dem Kloster Fulda ihre Güter zu Besse.
  • 1122: Erzbischof Adalbert I. von Mainz bestätigt dem Kloster Hasungen die Schenkung des Allods des Adalbert und seiner Frau Hacecha in Besse. 1123: desgleichen betreffend 1 1/2 Hufen.
  • 1209: Stift Fritzlar hat Einkünfte in Besse; folgend um 1310, um 1340, um 1360, um 1390, und um 1450.
  • 1227: Adelheid, Äbtissin zu Worms, verzichtet auf 2 Hufen zu Besse, die ihre Eltern an Kloster Weißenstein übertrugen.
  • 1286: Ritter Werner von Besse übernimmt Güter des Kloster Weißenstein zu Besse in Bewirtschaftung.
  • 1291: Hermann von Felsberg verkauft dem Deutschen Orden Marburg Güter zu Ober-Besse.
  • 1292: Ermengard, Witwe des Werner von Besse, verkauft dem Deutschen Orden Marburg Grundstücke zu Besse, Konrad von Besse verkauft demselben 2 Hufen zu Besse.
  • 1293: Ludwolf Groppe verzichtet gegen den Deutschen Orden Marburg auf alle Güter zu Besse, Ulrich von Escheberg trägt dem Landgrafen Einkünfte in Besse auf.
  • 1294: Elisabeth, Witwe des Hermann Molner, Bürger zu Fritzlar, verkauft dem Deutschen Orden Marburg einen Malter Getreide jährlich zu Besse.
  • 1312: Eckehard von Venne verkauft dem Kloster Breitenau eine Hufe zu Besse.
  • 1313: Kloster Breitenau erwirbt Güter und Zinsen zu Besse.
  • 1320 : Landgraf Otto hat den von Züschen Einkünfte zu Besse angewiesen.
  • 1326: Heinrich von Holzhausen hat Güter des Kloster Hasungen zu Besse inne.
  • 1363: Johann von Kassel zu Frankenberg verkauft Christine Doeseler zu Fritzlar sein Gut zu Besse.
  • 1366: Kloster Hasungen verleiht seinen Meierhof zu Besse, Landgraf Heinrich räumt den Einwohner zu Ober-Besse das Forstrecht am Langenberg ein.
  • 1371: Heinrich von Kassel, Schöffe zu Frankenberg, verkauft seinen Hof zu Besse an Kasseler Bürgericht
  • 1575: Landgraf Heinrich verleiht Hermann Hermcurdis eine Gült zu Ober-Besse.
  • 1376: Die Landgrafen Heinrich und Hermann verschreiben eine Gült aus dem Geschoß zu Besse.
  • Kurz nach 1376: Die von Besse haben 9 Pfund hessischen Burglehens zu Besse.
  • 1377/83: Kloster Hasungen verschreibt Zinsen aus seinen Gütern zu Besse.
  • 1408: Kloster Hasungen hat eine Gülte zu Besse von den Wolf von Gudensberg inne.
  • 1418: Kloster Ahnaberg verkauft eine Wiese zu Besse an Hans Grebe zu Besse.
  • 1453: Landgraf Ludwig verschreibt den von Hune einen Zins aus Dorf und Gericht Besse.
  • 1461: Sittich von Berlepsch kauft Getreidezins aus freiem Hof zu Besse; Graf Otto zu Solms belehnt Werner von Elben mit Oberzehnt zu Besse.
  • 1467: Kurt Grebe überträgt eine Wiese zu Besse an Kloster Ahnaberg; Landgraf Ludwig belehnt die Gebrüder von Besse mit Mannlehen zu Besse.
  • 1481 und 1491: Die von Berlepsch verschreiben dem Kloster Ahnaberg einen Getreidezins aus Besse.
  • 1503: Die von Linne verkaufen dem Kloster Ahnaberg einen jährlichen Zins zu Besse.
  • 1520: Thilo von Falkenberg belehnt Thilo Klöppel mit Ackerland zu Besse als Mannlehen; desgleichen 1528 den Henne Keippel; desgleichen 1533 den Hermann Happel mit einer halben Hufe.
  • 1530: Die von Baumbach durch Landgraf Philipp mit einer Gülte aus Dorf und Gericht Besse belehnt; folgend Belehnungen bis 1823.
  • 1545: Landgraf Philipp belehnt die von Buttlar mit einer Hufe zu Besse; folgend Belehnungen bis 1822.
  • 1546: Landgraf Philipp verschreibt seinem Kammersekretär S. Bing einen Getreidezins aus Besse.
  • 1586: Landgraf Wilhelm gestattet wegen Wege- und Brückenunterhalt den von Besse ein Wegegeld.

Zehntverhältnisse:

1368: Die Wolf von Gudenberg kaufen von Tile von Elben seinen Zehntanteil zu Ober-Besse.

1379: Stift Fritzlar erhält ein Viertel des Zehnten zu Besse vom Stiftsscholaster Theodor von Hardenberg.

1461: Graf Otto zu Solms belehnt Werner von Elben mit Oberzehnt zu Besse.

1575/85: Zehnter zu Besse landgräfliches Lehen der von Elben.

1550 und 1551: Grafen Philipp und Reinhard zu Solms belehnen Johann Wais von Fauerbach sowie Konrad und Johann von Solms mit Oberzehnten zu Besse.

1557 und noch 1639 streiten die von Elbischen Erben mit Hermann von der Malsburg wegen des Zehnten zu Besse; Vergleich erfolgt 1695.

1836: Ablösung des Zehnten.

Ortsadel:

1181-1487

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1266: plebanus
  • 1310: rector ecclesiae
  • 1342: Kirche der Kantorei Fritzlar inkorporiert

Patronat:

1527: Stift Fritzlar

1569 und später: Landgraf

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Jakob Becker (Pistorius) ca. 1527-1530(?)

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Fritzlar

Kultur

Historische Ereignisse:

1635: 167 Pesttote (2/5 der Gemeinde)

1638: Plünderung durch kaiserliche Truppen

1639: ein Viertel des Dorfes verbrannt und wüst

Umbach'sche Armenstiftung

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Besse (Oberbesse), Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3983> (Stand: 12.11.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde