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4522 Hofgeismar
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 9. Hofgeismar

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Hofgeismar

Stadtteil · 156 m über NN
Gemeinde Hofgeismar, Landkreis Kassel 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

21,5 km nordwestlich von Kassel

Lage und Verkehrslage:

Das Stadtgebiet ist im Westen von größeren Waldflächen umgeben und grenzt im Osten an den Reinhardswald. Es erstreckt sich großflächig über die Weite des Essetals und seine Randbereiche. Die Stadtteile Hombressen und Beberbeck buchten als Außenbereiche der Stadt weit in den Reinhardswald hinein.

Chaussee nach Bad Karlshafen und Wilhelmsthal (Höfe). Die Bundesstraße 83 ist wichtigste Verkehrsanbindung der Stadt. Des Weiteren führen die Landesstraßen L3212, L3213 und L3229 durch die Stadt.

Auch die etwa parallel verlaufende Bundesbahnlinie Kassel - Bad Karlshafen (ab 1986 ab Hümme bis Karlshafen stillgelegt) hat mit dem dortigen Bahnhof dieser Eisenbahnlinie Bad Karlshafen – Kassel (ehem. Carlsbahn; Diemeltalbahn II) (Inbetriebnahme der Strecke 30.3.1848) eine entscheidende verkehrstechnische Bedeutung.

Ersterwähnung:

1082

Siedlungsentwicklung:

Alter mainzischer Besitz, vielleicht bis zum 10. Jahrhundert ein Königshof (Pfaff in ZHG 53,157). 1082 kam ein mainzischer Hof an das Kloster Hasungen. 1155 besaß der Erzbischof das "Haus" Geismar (in domo nostra). Vielleicht war Hofgeismar schon 1223 Stadt, jedenfalls 1231 (Falckenheiner 2, 270). Neustadt vor 1234.

Peterstadt vor 1330 (Falckenheiner 2, 407).

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • curtis (1082)
  • in domo nostra (1155)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Alter mainzischer Besitz, vielleicht bis zum 10. Jahrhundert ein Königshof (Pfaff in ZHG 53,157). 1082 kam ein mainzischer Hof an das Kloster Hasungen. 1155 besaß der Erzbischof das „Haus“ Geismar (in domo nostra). Vielleicht war Hofgeismar schon 1223 Stadt, jedenfalls 1231 (Falckenheiner 2, 270). Neustadt vor 1234.
  • Peterstadt vor 1330 (Falckenheiner 2, 407).

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3526595, 5706729
UTM: 32 U 526511 5704886
WGS84: 51.49449615° N, 9.381882722° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

633013040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1961 (Hektar): 3483, davon 1100 Wald (= 31.58 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Hofgeismar: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • undatiert: mainzisches Vizedomamt Rusteberg.
  • Um 1300: Mainzisches Amt Hofgeismar-Schöneberg (zu Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Amt Grebenstein (Der ökonomische Staat)
  • 1614: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Hofgeismar
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Hofgeismar
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Hofgeismar
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Hofgeismar
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Hofgeismar
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Hofgeismar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Kassel
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Hofgeismar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hofgeismar
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kassel

Altkreis:

Hofgeismar

Gericht:

  • 1384 wurde mit dem Gaugericht zu Hofgeismar das von Calden vereinigt (Wenck 3 ÜB 269).
  • 1821: Justizamt Hofgeismar
  • 1822: Justizamt Hofgeismar
  • 1867: Amtsgericht Hofgeismar
  • 1879: Amtsgericht Hofgeismar
  • 1968: Amtsgericht Hofgeismar

Herrschaft:

1223: Schöffen (scabini Geismarienses) [Codex diplomaticus sive anecdotorum 1, Nr. 183, S. 483-484]

1234 ist die Rede von einer nova civitatis und es werden cives geismarienses erwähnt [Falckenheiner, Geschichte hessischer Städte und Stifter, Band 2: Hofgeismar, Urkundenbuch Nr. 2].

1462: Verpfändung an Hessen, 1583 abgetreten.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinden Beberbeck, Carlsdorf, Friedrichsdorf, Hombressen, Hümme und Schöneberg in die Stadt Hofgeismar. Zur deren weiterer Entwicklung s. Hofgeismar, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Hofgeismar.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Alter mainzischer Besitz, vielleicht bis zum 10. Jahrhundert ein Königshof (Pfaff in ZHG 53,157). 1082 kam ein mainzischer Hof an das Kloster Hasungen. 1155 besaß der Erzbischof das "Haus" Geismar (in domo nostra).

Ortsadel:

1146 und 1151 (UA Lippoldsberg)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Drei Pfarrkirchen:
  • a) Liebfrauen in der Altstadt: Gestiftet zwischen 1082 und 1143, falls nicht schon Stiftung der Karolinger (Pfaff a. a. 0.)
  • b) S. Marie in der Neustadt seit dem 13. Jahrhundert
  • c) S. Peter in der Peterstadt 1407 genannt (bis 1530).
  • Daneben eine Martinskapelle 1329-1528.

Patrozinien:

  • Maria und Peter und Martin

Pfarrzugehörigkeit:

1210: Pfarrei (Westfäl. ÜB 4, 38).

1872: Zwei protestantische Pfarreien der Klasse Hofgeismar, Altstadt mit den Filialen Kelze und Schöneberg und Neustadt mit dem Röddenhofe.

Die Prediger wählte die Stadt.

Zur Neustadt gehörte auch die französische Gemeinde, die von 1686-1822 bestand (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 150).

Patronat:

Das Kirchenpatronat war landesherrlich (Falckenheiner 2,490 ff.).

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Als erster evangelischer Pfarrer wirkte um 1527 Johannes Möller an der Altstädter Kirche, an der er zuvor bereits als katholischer Pfarrer tätig war. Der erste evangelische Pfarrer der Neustädter Kirche war Johannes Eckhard von 1529 bis ca. 1562.

1535 wurden in Hofgeismar vier evangelische Pfarrstellen eingerichtet: zwei an der Altstädter Kirche (Liebfrauenkirche), eine an der Neustädter Kirche (Marienkirche) sowie die Stelle eines Schulleiters an der alten Lateinschule.

Die Einführung des reformierten Bekenntnisses erfolgte vermutlich 1607.

1686 trafen die ersten Hugenotten in Hofgeismar ein. Noch im selben Jahr gründeten sie eine französisch-reformierte Gemeinde und wählten David Clément als Pfarrer. Zunächst fanden die Gottesdienste in einer mittelalterlichen Kapelle statt, später in der Neustädter Kirche. 1821 ging die Gemeinde in der deutsch-reformierten auf.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Archidiakonat St. Marien zu Hofgeismar.

a) Propstei Hofgeismar:

Mit der Pfarrkirche der Altstadt war eine Propstei verbunden:

Unter dem Propst standen 1464 die Kirchen und Kapellen zu Grebenstein, Schachten, Gauze, Volkmarsen, Haueda, Stammen, Niedermeiser, Hofgeismar. Wettesingen, Witmar, Haidungen, Ludenhausen, Immenhausen, Zwergen, Hohenkirchen, Oberlistingen, Hailmikhusen (?), Gottsbüren, Landau, Elwingen, Niederelsungen, Wormeln, Calden, Breuna, Ehrsten, Fürstenwald, Liebenau, Oberhaldessen. Holzhausen, Suiten, Obermeiser, Niederlistingen, Wülmersen, Niederuffeln, Ostuffeln, Nordgeismar, Wetter, Meimbressen und Hombressen (Falckenheiner 2 UB Nr. 43).

b) Klasse Hofgeismar:

Die protestantische Klasse wurde 1872 erwähnt (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 150).

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel

1783: 102 Juden; um 1800: 40 jüdische Familien; 1812: 33 Familien; 1827: 189; 1835: 243; 1861: 219; 1895: 137; 1905: 111; 1932/33: 34 Juden

1470-83 lebte ein Jude vermutlich im Ort, der in der Region Handel trieb.

1616 Ersterwähnung zweier Juden

seit 1807 gleichberechtigte Bürger

Beginn des 19. Jahrhundert Niedergang der Gemeinde.

Die Synagoge lag am Petryplatz 5 - ein Fachwerkbau, im ersten Stock war das Schullokal, im Garten die Mikwa untergebracht. Bereits vor 1933 fanden Gottesdienste nur noch an hohen Feiertagen statt.

Die örtliche Elementarschule bestand von 1867-1908.

Zumeist waren die Juden Kaufleute.

Als Friedhof wurde 1695 ein Grundstück an den Schanzen vor dem Sälber Tor erworben. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Schulmeister an der Stiftschule: Conrad Hartmann 1527, zunächst noch katholisch

Sonstiges:

Gesundbrunnen seit 1639

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das mainzische Amt wurde um 1300 nach der Erwerbung eines Teils der Grafschaft Dassel (1272) gebildet. Dazu gehörten außer Hofgeismar Calden, Burg Haldessen und die 12 Dörfer am Reinhardswald, zeitweise enge Verbindung nach Schöneberg. So blieb es zunächst auch nach der hessischen Besitzergreifung.

1764 gehörten zum Amt Hofgeismar die Stadt, die neugegründeten Kolonien Kelze, Schöneberg und Karlsdorf sowie der Hofgeismarer Gesundbrunnen.

Münze:

Mainzische Münzstätte

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hofgeismar, Landkreis Kassel“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/2071> (Stand: 16.10.2018)
 
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