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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 21. Niedenstein

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Balhorn

Ortsteil · 323 m über NN
Gemeinde Bad Emstal, Landkreis Kassel 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

7,5 km südöstlich von Wolfhagen

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf in ebenem Gelände am Spolebach mit einfachem Grundriss und geringer Siedlungsdichte. Kirche in zentraler Lage. Lockere moderne Bebauung um den alten Ortskern. Östlich verläuft die B 450 (Wolfhagen-Fritzlar), ferner Verbindung zur B 520 und nach Altenstädt.

Südlich der Ortslage Kleinbahnhof der Eisenbahnlinie Kassel/Wilhelmshöhe - Naumburg von 1904 bis Stillegung der Strecke am 4. September 1977.

Ersterwähnung:

775-786

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (775-786)
  • Dorf (1396)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1900

Älteste Gemarkungskarte:

1737

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3516611, 5682077
UTM: 32 U 516530 5680244
WGS84: 51.27329826° N, 9.236973762° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

633006010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1069, davon 771 Acker (= 72.12 %), 134 Wiesen (= 12.54 %), 124 Holzungen (= 11.60 %)
  • 1961 (Hektar): 1093, davon 90 Wald (= 8.23 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Balhorn: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 800: Hessengau (in pago Hassorum)
  • 1428: Landgrafschaft Hessen, Amt Gudensberg
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Gudensberg
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Gudensberg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Naumburg
  • 1814-1819: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Gudensberg
  • 1819-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Fritzlar, Amt Naumburg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Wolfhagen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Kassel
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Wolfhagen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Wolfhagen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Wolfhagen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Wolfhagen
  • 1971: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kassel, Gemeinde Emstal (s. Gemeindeentwicklung)

Altkreis:

Wolfhagen

Gericht:

  • a) Gericht Balhorn:
  • Das landgräfliche Gericht Balhorn wurde 1357 und 1386 verpfändet.
  • Gemäß G. Landau gehörten dazu die Dörfer Balhorn, Merxhausen, Riede, Sand und Offenhausen sowie die Wüstungen Almundeshusen, Emseberg, Fischbach, Mutslar, Reinboldeshusen, Hohenfeld, Wagenhusen, Gelnrod, Swallinghusen, Berningshusen und Ramershusen (Landau, Beschreibung des Hessengaues, S. 217 f.). Hinzu kommt Pforte [Flurname].
  • Es war dem Amt Gudensberg einverleibt.
  • b) Moderne Gerichtszugehörigkeit Balhorns:
  • 1822: Justizamt Naumburg
  • 1867: Amtsgericht Naumburg
  • 1879: Amtsgericht Naumburg
  • 1945: Amtsgericht Wolfhagen
  • 1948: Amtsgericht Wolfhagen (Zweigstelle Naumburg)
  • 1970: Amtsgericht Wolfhagen

Herrschaft:

Bis Mitte des 15. Jahrhunderts sind die herrschaftlichen Verhältnisse des Grenzortes Balhorn noch ungeklärt. 1357 wird es als landgräfliches Dorf bezeichnet, 1385 gehört es zu der Verpfändung des Elbegebiets von Balhorn bis Haddamar durch den Landgrafen an Friedrich von Hertinghausen.

1437 empfangen Reinhard der Ältere von Dalwigk und Friedrich IV. von Hertinghausen von Landgraf Ludwig von Hessen außer der aufgetragenen Weidelsburg die Dörfer Balhorn und Istha sowie die Wüstungen Ippinghausen (mit Gericht), Dodenhausen, Zabenhausen und Bründersen als hessische Erblehen. 1448 verzichten Reinhard von Dalwigk und Friedrich von Hertingshausen nach der erneuten Niederlage gegen den Landgrafen von Hessen und den Erzbischof von Mainz auf die Weidelsburg und den Großteil ihrer Güter, u.a. auf das Dorf Balhorn.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil in die Gemeinde Emstal eingegliedert, die seit 1992 Bad Emstal heißt.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 800 wird Besitz der Klöster Hersfeld und Fulda in Balhorn erwähnt. 1123 bestätigt der Mainzer Erzbischof dem Kloster Hasungen u.a. den Besitz von zehn Mansen in Balhorn, 1146 bestätigt Papst Eugen III. dem Kloster Abdinghof u.a. seinen Besitz in Balhorn. 1246 schenkt Kunigunde, Schwester des Heinrich von Mederike, ihre Güter in Balhorn und Vilmar dem Kloster Merxhausen. 1335 bekunden Abt Dietrich und der Konvent des Kloster Hasungen, dass sie ihrem Pfründner Johann von Paderborn ihren Hof zu Balhorn gen. der freie Hof Rungolfs auf Lebenszeit gegen eine Abgabeverpflichtung verkauft haben. 1342 verkauft das Stift Fritzlar dem Ritter Otto Hund und seiner Frau seinen Hof zwischen dem Kirchhof und der Linde in Balhorn. Otto Hund veräußert wiederum 1385 ein aus zwei Huben Ackerland und einem Garten bestehendes Gut in der Gemarkung des Dorfes Balhorn nebst allem Zubehör an Rudolf Hesse.

Zehntverhältnisse:

1209/1310 hat das Petersstift Fritzlar Anteil am Zehnten in Balhorn

1579 ist der Zehnt in den Händen der Landgrafen von Hessen

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1342: Kirche vermutlich schon vorhanden
  • 1367: Pfarrei (HStAM Bestand Urk. 27 Nr. 322)
  • Vom mittelalterlichen Kirchbau Chorturm erhalten. Schiff 1743-48, 1893-95 erweitert und erneuert
  • Kirche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde 1921 errichtet

Pfarrzugehörigkeit:

Bis Mitte des 14. Jahrhunderts wahrscheinlich zu Holzkirchen gehörig.

1872: Pfarrei der Klasse Gudensberg mit Filial Altenstädt seit 1653 (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 112). So auch 1994

Patronat:

Vor der Reformation: Kloster Hasungen, 1569 und 1585 ist der Landgraf von Hessen Patron, der seit 1523 die Pfarrei an Stelle des Abtes von Hasungen besetzt

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Werner Bröske ca. 1526-1574

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar, Erzpriestersprengel Schützeberg

1872: Klasse Gudensberg (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 112)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Balhorn, Landkreis Kassel“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/2345> (Stand: 16.11.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde