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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 22. Besse

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Hertingshausen

Stadtteil · 217 m über NN
Gemeinde Baunatal, Landkreis Kassel 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

12 km südwestlich von Kassel

Lage und Verkehrslage:

Urpsrüngliches Haufendorf mit lockerer Hofbebauung an der alten Landstraße von Frankfurt nach Kassel. Kirche am südöstlichen Ausgang des Ortes. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte der Bau eines VW-Zweigwerks zu nachhaltigen Veränderungen im gesamten Raum. Die Stadtgründung von Baunatal sollte der Zuwanderung Rechnung tragen. Moderne regelmäßige Siedlungsausdehnung in der Altgemarkung vor allem nach Norden.

Die Bundesautobahn 49 trennt den Ort vom Gewerbegebiet.

Ersterwähnung:

1081

Siedlungsentwicklung:

Im Bereich der Flur "In der Lache" Menhir. Südlich des Ortes Überreste einer Siedlung aus der Jüngeren Eisenzeit.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1123)

Umlegung der Flur:

1884

Älteste Gemarkungskarte:

1680

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3529485, 5677314
UTM: 32 U 529399 5675483
WGS84: 51.22996737° N, 9.421060763° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

633003050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 346, davon 231 Acker (= 66.76 %), 40 Wiesen (= 11.56 %), 29 Holzungen (= 8.38 %)
  • 1961 (Hektar): 346, davon 11 Wald (= 3.18 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Hertingshausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • undatiert: Kasseler Amt Baune (Landau, Beschreibung des Hessengaues, S. 95)
  • 1458/59: Landgrafschaft Kassel, Amt Kassel
  • 1483: Landgrafschaft Kassel, Gericht des Zwehrentores (später Gericht bzw. Amt Bauna)
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Bauna
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Bauna (seit 1804 Wilhelmshöhe)
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Zwehren
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Wilhelmshöhe
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Kassel
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Kassel
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Kassel
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kassel
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kassel
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kassel
  • 1971: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kassel, Stadt Baunatal (s. Gemeindeentwicklung)

Altkreis:

Kassel

Gericht:

Herrschaft:

Um 1350 ist der Zehnte in Hertingshausen von den Landgrafen an Johann von Schwarzenberg als Lehen ausgetan (Landgrafen-Regesten online Nr. 1118). 1363 hält Landgraf Hermann II. Gericht in Hertingshausen, in dem er über einen zwischen denen von Hertinghausen und von Elben strittigen Zehnten zu Hangenbauna und zwei Hufen in Hertingshausen entscheidet (HStAM Bestand Urk. 110 Nr. 29). In der Folge ist der Meierhof an die Familie von Hertingshausen als Lehen ausgetan. 1689 fällt das Lehnsgut Hertinghausen nach dem Aussterben der gleichnamigen Adligen an die Landgrafen heim. Es gelangt über die von Meysenbug durch Verkauf an Heinrich Wilhelm Julius von Lindau, dessen Familie in der Folge von den Landgrafen belehnt wird (Wunder, Adel im Hessen des 18. Jahrhunderts, S. 117, 690)

Gemeindeentwicklung:

Am 1.10.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil in die Stadtgemeinde Baunatal eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 1081 kommen insgesamt drei Hufen in Hertingshausen von unterschiedlichen Gebern an das Kloster Hasungen. 1123 besitzt das Kloster insgesamt vier Hufen in Hertingshausen, von denen zwei von den Möchen gekauft worden waren.
  • 1291 ist durch eine Streitbeilegung zwischen Herbord von Hertingshausen Besitz des Klosters Breitenau belegt, das in der Folge wichtigster Grundherr vorort ist (HStAM Bestand Urk. 16 Nr. 47). 1299 und 1329 ist Kloster Ahnaberg als Grundherr in Hertingshausen nachgewiesen, 1377 auch das Kasseler Martinsstift.
  • Geringere Besitzansprüchen hatten die Klöster Nordshausen, Heydau, Bredelar und Kaufungen.
  • Zum Lehnsgut des Meierhofes den die Familie von Hertingshausen bis zu ihrem Aussterben 1689 innehatten gehörten neben dem freien Hof vier Hufen.

Ortsadel:

Adlige von Hertingshausen 1257-1689 (Landau, Ritterburgen 2, S. 218-250)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1347 Kapelle
  • Saalkirche in romantisierendem Stil 1857 errichtet.

Pfarrzugehörigkeit:

1347 vereint und inkorporiert Erzbischof Gerlach von Mainu die Pfarrkirche in Grifte und die Kapelle in Hertingshausen auf Bitten des Abtes des Klosters Breitenau, dem das Patronatsrecht der berührten Kirche und Kapelle gehört (HStAM Bestand Urk. 16 Nr. 163.

Nach der Reformation wurde Hertingshausen von der Pfarrei Grifte getrennt und 1570 zur Pfarrei Kirchbauna gegeben. 1585 und 1747 gehörte es als Filial nach Kirchbauna. Seit 1872 eingepfarrt nach Kirchbauna, 1994 Filialgemeinde.

Patronat:

1347 Kloster Breitenau, 1539 bei den Landgrafen von Hessen

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Grifte, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Grifter Pfarrer Heinrich Ratz um 1527.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hertingshausen, Landkreis Kassel“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/2270> (Stand: 14.7.2021)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde