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5426 Hilders
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Wüstensachsen

Ortsteil · 575 m über NN
Gemeinde Ehrenberg (Rhön), Landkreis Fulda 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Dorf

Lagebezug:

24 km südöstlich von Fulda

Lage und Verkehrslage:

Auf der Hohen Rhön am Oberlauf der Ulster an einer alten Straße nach Thüringen. An der Westseite des Ortes lag eine Wasserburg (wohl Grenz- und Straßensicherung), deren Ringgraben ursprünglich mit der Ulster verbunden war. Heute sind nur noch Burghügel und verlandeter Ringgraben schwach in einer Wiese zu erkennen.

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Fulda/Götzenhof – Ehrenberg/Wüstensachsen ("Rhönexpress") (Inbetriebnahme der Strecke 1.2.1916) bis zur Stilllegung der Strecke ab Seiferts im Jahr 1970.

Ersterwähnung:

1141

Siedlungsentwicklung:

Um 1500 vorübergehend wüst

Historische Namensformen:

  • Sachsen
  • Wüsten-Sachsen
  • Sachsen, Wüsten-

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3571298, 5596516
UTM: 32 U 571195 5594717
WGS84: 50.50008894° N, 10.00387577° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

631005050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1890, davon 258 Acker (= 13.65 %), 747 Wiesen (= 39.52 %), 354 Holzungen (= 18.73 %)
  • 1961 (Hektar): 1865, davon 621 Wald (= 33.30 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1809: 233 Familien mit 1060 Seelen
  • 1885: 985, davon 27 evangelisch (= 2.74 %), 822 katholisch (= 83.45 %), 136 Juden (= 13.81 %)
  • 1961: 1183, davon 68 evangelisch (= 5.75 %), 1115 katholisch (= 94.25 %)
  • 1970: 1203

Diagramme:

Wüstensachsen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1789: Fürstbistum Würzburg, Amt Hilders, aber zur Universität Würzburg gehörig
  • 1802-1806: Kurfürstentum bzw. Königreich Bayern, Landgericht Hilders
  • 1806-1813: Großherzogtum Würzburg, Landgericht Hilders
  • 1817-1837: Königreich Bayern, Untermainkreis, Landgerichtsbezirk Hilders
  • 1838-1861: Königreich Bayern, Kreis Unterfranken und Aschaffenburg, Landgerichtsbezirk Hilders
  • 1862-1866: Königreich Bayern, Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Gersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Gersfeld
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda

Altkreis:

Fulda

Gericht:

  • (1804) 1814: Landgericht Hilders (Patrimonialgericht Wüstensachsen)
  • 1867: Amtsgericht Hilders
  • 1945: Amtsgericht Fulda (Zweigstelle Hilders)

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Ehrenberg (Rhön) zusammengeschlossen, deren Gemeindeverwaltungssitz Wüstensachsen ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1546-1612: Kloster Fulda Lehensherr der von Thüngen im Besitz von Dorf, Gütern und Untertanen
Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

Um 1500 wurde die Pfarrei Wüstensachsen von Hilders abgetrennt und erscheint erstmals 1520. 1683 gehört Brand zur Pfarrei.

Patronat:

1520 präsentierte Balthasar von Steinau, genannt Steinrück einen Geistlichen auf die Pfarrkirche.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation: vermutlich um 1540 durch Marcus Sebander

Katholischer Bekenntniswechsel: nach 1555, 1632 wieder evangelisch

1675 Errichtung einer katholischen Pfarrei, der sich die meisten Bewohner Wüstensachsens anschlossen.

Juden:

Provinzial Rabbinat Fulda, angeschlossen Melperts

1892: 36 Familien; 1905: 118 Juden; 1932/33: 90 Juden. Seit 1935 verstärkte Abwanderung, 1938 verlassen letzte jüdische Einwohner den Ort.

seit dem 17. Jahrhundert besteht im Ort eine jüdische Gemeinde.

1660 werden drei Juden urkundlich erwähnt.

Ende des 18. Jahrhunderts zählt die Gemeinde 26 jüdische Familien; im 19. Jahrhundert sind viele nach Amerika ausgewandert. In den 1920er Jahren noch 126 Personen. Seit 1892 unterstand der Ort dem Provinzialrabbinat Fulda.

Es gab wohl eine Synagoge in der Hauptstraße. Sie wird 1938 zerstört und abgerissen.

Die Elementarschule bestand schon vor 1866. 1936 wird die Schule aufgelöst, was 1938 offiziell bestätigt wird. Die Kinder müssen nun die Schule in Fulda besuchen.

Haupterwerbszweig war Handel, meist Viehhandel, aber auch Landwirtschaft.

Der zuständige Friedhof war der Sammelfriedhof in Weyhers.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Wüstensachsen, Landkreis Fulda“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/7320> (Stand: 16.10.2018)
 
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