Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Hessisch Lichtenau

Stadtteil · 380 m über NN
Gemeinde Hessisch Lichtenau, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

18,5 km südsüdwestlich von Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

Zwischen zwei flachen Talgründungen auf schwachem Rücken regelmäßige Stadtanlage mit ovalem Umriß: 3 Parallelstraßen, die vor beiden Toren zusammengefaßt sind, so dass die äußeren Gassen zusammen eine gestreckte Ringstraße bilden

Quergäßchen, meist durchlaufend, in regelmäßigen Abständen; die leicht geschwungene Mittelachse fast nördlich-südlich, zwischen ihr und der östlichen Straße der rechteckige Kirchplatz in der nördlichen Stadthälfte

Ehemalige Burg im Südwesten neben dem Obertor innerhalb der zum großen Teil noch erhaltenen Stadtmauer (Stadtplan bei Siegel, Stadtbefestigung von Lichtenau, S. 443).

Doppelter Knotenpunkt alter Höhenstraßen, die im Spätmittelalter als Sälzerstraße (Fritzlar-Melsungen in Richtung Witzenhausen-Göttingen und Sooden-Allendorf-Eichsfeld) und als Franzosenstraße (Bebra-Hönebach auf Kassel) in die Stadt hineingezogen wurden.

Jetzt an Bundesstraße 7 (Kassel-Eisenach) und Querverbindung Melsungen-Witzenhausen (Bundesstraße 487 und 451), sowie an der Bahn Kassel-Witzenhausen bzw. Eschwege gelegen.

Ersterwähnung:

1289

Historische Namensformen:

  • Lichtenowe (1289) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, Nr. 919]
  • Lybenowe (1297)
  • Lybenowe (1297)
  • Lechtenowe, in (1304)
  • Lecthenowe, in (1322)
  • Lichinowe, in (1322)
  • Lichstenowe, in (1323)
  • Lichtinouwe uns stad (1330)
  • Lichinouwe (1354)
  • Lithinowe (1354)
  • Lichtenaw, von der (1357 [XVI]
  • Lichtenauwe, von der (1362)
  • Lychtenoe, czu der (1370)
  • Liechtenowe, zcu der (1383)
  • Lichtenau (1575/85)
  • Liechtenau (1681)
  • Hessisch Lichtenau (1889)

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1289: nova civitas
  • 1318: opidum
  • 1323: communitas
  • 1330: stat und sloß

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Älteste Gemarkungskarte:

1754

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3550527, 5673875
UTM: 32 U 550433 5672045
WGS84: 51.19758508° N, 9.721803156° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636006040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1779: 3351 Acker
  • 1961 (Hektar): 2614, davon 1369 Wald (= 52.37 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 134 Hausgesesse
  • 1681: 122
  • 1724: 8 Amtspersonen, 12 Handelsleute, 38 Schuster, 65 Leinweber, 11 Löber, 22 Bäcker, 10 Metzger, 2 Apotheker, 4 Hutmacher, 9 Schmiede und Schlosser, 7 Schreiner, 9 Zimmerleute, 2 Wagner, 11 Schneider, 6 Müller, 5 Ackerleute (außer den in Zünften), 1 Färber, 1 Sattler, 2 Seiler, 1 Knopfmacher, 6 Bender, 1 Bader, 2 Ziegler, 12 Tagelöhner, 1 Wasenmeister, 1 Braumeister; zusammen: 254
  • 1731: 854 Einwohner
  • 1747: 122 Mannschaften mit 168 Feuerstellen
  • 1779: 778 Einwohner
  • 1812: 1095
  • 1925: 2387 (2257 evangelisch, 39 römisch-katholisch, 61 Baptisten, 8 Theosophen, 7 Dissidenten, 5 Juden)
  • 1961: 6224, davon 4660 evangelisch (= 74.87 %), 1299 katholisch (= 20.87 %)
  • 1970: 7395
  • Berufsgliederung
  • Um 1450: 123 Häuser

Diagramme:

Hessisch Lichtenau: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Seit Gründung landgräflich
  • 1330 und noch 1354 an den Deutschen Orden verpfändet
  • 1386-1403 an die von Hanstein
  • 1383: Amt Reichenbach
  • 1454: Vorort des Amtes Lichtenau
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Lichtenau
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • Gericht Reichenbach
  • 1383: Vogt
  • 1454: Gericht der Amtsorte in Lichtenau
  • 1491: Galgen (Flurname Am alten Gericht oder Galgenberg 2 km nordöstlich der Stadt) 1553: Oberhof des Gericht bei der Stadt Kassel
  • 1807: Friedensgericht Lichtenau
  • 1814: Amt Lichtenau
  • 1821: Justizamt Lichtenau
  • 1867: Amtsgericht Lichtenau
  • 1879: Amtsgericht Lichtenau
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1961: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen

Herrschaft:

1289: sigillum burgensium der nova civitas Lichtenau (Siegelankündigung), jedoch Siegelabdruck mit Sigilivm Civitatis De Walberc [Demandt -Renkhoff Nr. 53]

1294: burgenses

1294: magister civium

1313: scabini

1318: consules

1320: universitas oppidi

1323: proconsules et consules

1383: burger

1441: Schultheiß

Gemeindeentwicklung:

1.1.1951: Umgemeindung der Siedlung Waldhof (350 Einwohner) nach Eschenstruth, Landkreis Kassel

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung von Retterode und Wickersrode in die somit vergrößerte Stadtgemeinde Hessisch Lichtenau. Zu deren weiterer Entwicklung s. Hessisch Lichtenau, Stadtgemeinde. Sitz der Stadtverwaltung ist Hessisch Lichtenau.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Ende 15. Jahrhundert: Neben den Landgrafen auch Kloster Germerode in Lichtenau begütert
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Sitz der Pfarrei war ursprünglich die dem heiligen Kilian geweihte Kirche in Vortriden
  • Seit Ende des 13. Jahrhunderts in der Stadt neue, der heiligen Katharina geweihte Kriche
  • 1294: plebanus
  • Kirche: Turm 13. Jahrhundert, Schiff und Chor um 1500

Patrozinien:

  • Katharina

Pfarrzugehörigkeit:

1569 und heute: Filial Fürstenhagen

Der Diakon von Lichtenau war 1560-1569 zugleich Pfarrer von Retterode 1571 - 73: Pfarrer von Quentel

1573 - 80 und 1583-87: Pfarrer von Retterode

Heute Retterode Vikariat von Lichtenau

Patronat:

Landgraf als Stadtherr

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Severinus Kanngießer ca. 1537-41

Als Diakon wirkte bereits vorher Johannes Sander 1527 bis vor 29.6.1547, ehemaliger katholischer Priester.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archpresbytariat Gensungen

Archdiakonat St. Peter-Fritzlar

1585: Superintendentur Rotenburg-Allendorf

1780 und 1872: Klasse Lichtenau

1923: Kirchenkreis Kaufungen

1929: Kirchenkreis Witzenhausen

Juden:

Juden: 1342, 1724 genannt

1925: 5 Juden

Kultur

Schulen:

Schulmeister 1442

Schulmeister: Wilhelm Ritter alias Lebemann ca. 1539-1541

Ober- und Unterschulmeister 1641

Mädchenschulmeister 1644

Elementarschule 1826

Hospitäler:

St. Valentin; 1554 gegründet

Historische Ereignisse:

In Hessisch Lichtenau wurde 1482 der hessische Kanzler Johann Feige geboren.

1637: Brand, durch Kaiserliche gelegt, vernichtet Kirche, Rathaus, Schulen, Pfarrhäuser und 84 Wohnhäuser

1646: Noch 85 nicht aufgebaute Brandstätten

1875: Brand vernichtet 18 Wohnhäuser und 34 Nebengebäude

1886: Brand vernichtet Kirche, 20 Wohnhäuser und 34 Nebengebäude

Sonstiges:

Aus Postverbindung des Landgrafen Philipp entsteht allgemeine Posteinrichtung.

Ab 1682: Postanstalt

1877: Telegraph

1880 Fernsprecher

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Amtssitz zuvor (1383/87) in Reichenbach

1454: Amt Lichtenau, Umfang: Weissner, Retterode, Wollstein, Mesche, Hollstein, Ichendorf, Hopfelde, Velmeden, Laudenbach, Fürstenhagen, Vockerode (Kreis Melsungen), Siegershausen, Lichtenau, Steinbach, Hausen, Weidelbach (Kreis Melsungen), Hasselbach, Dinkelberg (Kreis Melsungen) Reichenbach, Rommerode, Eschenstruth (Kreis Kassel), Walburg, Wickersrode, Geisenrod, Lindau, Hinterwolfstein, Welbach, Walbach, Haukerode

Umfang vor 1530: Weidelbach und Vockerode (mit Dinkelberg) an Amt Spangenberg dafür Quentel an Amt Lichtenau

Umfang 1575/85: Stadt Lichtenau, Waldkappel (Kreis Eschwege), Walburg, Velmeden, Hausen, Laudenbach, Hopfelde, Hollstein, Reichenbach, Quentel, Fürstenhagen, Rommerode, Wickersrode, Harmuthsachsen, Hasselbach, Küchen, Wollstein, Retterode, Epterode, Friemen (Kreis Eschwege) mit 870 Hausgesessenen

Umfang 1681: wie 1575/85, dazu Diemenrode (Kreis Rotenburg), Stadthosbach (Kreis Eschwege)

Umfang 1747: wie 1575/85, ohne Waldkappel, Epterode, Friemen, dazu Glimmerode, Hambach, Steinholz

Mitte des 16. Jahrhunderts Sitz einer Oberförsterei im Verband der Forstmeisterei des Ndr. Fürstentums; 1561: Oberförster genannt

Wirtschaft:

1352: Handwerksbann

1376: Bündnis mit den niederhessischen Städten gegen Landgraf Hermann wegen des ihnen auferlegten Ungeldes; 1,5 Klauder Wolle genannt (je Klauder 21 schwere Pfunde)

1384: (im Amt) 1939 Schafe

1454: Leinweber

1460: Kaufhaus

1494: Glasmacher

1553: Schleifkotten

1577: Amtszunft zur Erfassung der ländlichen Leinweber

1621: Zunftmeister und Gildenmeister des Leinweberhandwerks

1862: Braunkohlenberbau

Mühlen:

1383: Walkmühle

1454: 3 Mühlen, darunter Walk- und Lohmühle

Markt:

1544: Genehmigung von zwei Jahrmärkten durch Landgraf Philipp

1393: Lichtenauer Getreidemaß

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hessisch Lichtenau, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/5993> (Stand: 16.10.2018)
 
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