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4926 Herleshausen
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 46. Netra

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Herleshausen

Ortsteil · 210 m über NN
Gemeinde Herleshausen, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

21,5 km südöstlich von Eschwege gelegen

Lage und Verkehrslage:

Die Gemeinde liegt im südlichen Ringgau, am Rande eines Waldgebietes, das sich bis zum Werratal erstreckt.

Ersterwähnung:

1019

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3581683, 5652989
UTM: 32 U 581576 5651167
WGS84: 51.00628304° N, 10.16273394° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636005050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 864, davon 402 Acker (= 46.53 %), 199 Wiesen (= 23.03 %), 188 Holzungen (= 21.76 %)
  • 1961 (Hektar): 1360, davon 422 Wald (= 31.03 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 100 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
  • 1640: Gemeinde konstituiert sich
  • 1747: 122 Haushaltungen (Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen)
  • 1885: 1025, davon 891 evangelisch (= 86.93 %), 2 katholisch (= 0.20 %), 41 andere Christen (= 4.00 %), 91 Juden (= 8.88 %)
  • 1895: 17 Bewohner
  • 1961: 1591, davon 1336 evangelisch (= 83.97 %), 230 katholisch (= 14.46 %)
  • 1970: 1462
  • 1986: 3016 Einwohner (mit Ortsteilen), allein: etwa 1200
  • Herleshausen insgesamt:
  • Juden:
  • Schloss Augustenau:
  • vor 1933: 102 Juden in 24 Familien

Diagramme:

Herleshausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1019: Ringgau in der Grafschaft des Grafen Siegfried (in pago Reinicgowe in comitatu Sigifridi comitis)
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Sontra
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Sontra
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Netra
  • 1814-1818: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Sontra
  • 1818-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Netra
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Eschwege

Gericht:

  • Das Gericht zu Herleshausen gehörte 1322 zu 1/3 dem Kloster Kaufungen, zu 2/3 den Grafen von Brandenburg, die die Vogtei schon 1268 besaßen.
  • 1451 hatte Kaufungen 5/6 des Gerichts, die Treusche aber 1/6 als kaufungisches Lehen.
  • vor 1822: Amt Netra
  • 1822: Justizamt Netra
  • 1867: Amtsgericht Netra
  • 1879: Amtsgericht Netra
  • 1932: Amtsgericht Sontra

Herrschaft:

Der Anspruch Thüringens auf Landeshoheit wurde 1514 zurückgewiesen.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1969 erfolge im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung von Frauenborn in die somit vergrößerte Gemeinde Herleshausen. Zu deren weiterer Entwicklung s. Herleshausen, Gemeinde. Gemeindeverwaltungssitz ist Herleshausen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1019: Kaiser Heinrich II. schenkte den ihm von seiner Gemahlin Kunigunde überlassenen Hof 'Herleicheshuson in pago Reinicgowe' 1019 dem Kloster Kaufungen, das Adlige damit belehnte.
  • 1539 bis 1560 war Herleshausen hessisches Lehen der von Reckrod (GR Herleshausen), dann der von Wersabe.
  • Seit 1678 besaßen die Landgrafen von Hessen-Philippsthal das Dorf.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Plebanus 13. Jahrhundert (UA Kreuzberg)
  • Kirche des Hl. Bartholomäus

Pfarrzugehörigkeit:

Zur protestantischen Pfarrei der Klasse Sontra gehört Wommen als Filial.

Patronat:

Kirchenpatron war bis zur Reformation das Kloster Kaufungen, dann die Besitzer des Dorfes.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Lorenz Usingen (Usener?) vor 1544

Reformierter Bekenntniswechsel, unter hessen-darmstädtischer Herrschaft 1627-1667 lutherisch, nach 1667 wieder reformiert.

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel; 1835: 62; 1861: 118; 1905: 94; 1932/33: 60 Juden

Die jüdische Gemeinde von Herleshausen spielte eine nicht unwesentliche Rolle in der Geschichte des Dorfes. Sie hatte sich dort bereits 1640 konstituiert. Im 19 Jahrhundert zogen viele Juden aus Breitzbach, Unhausen und Wommen in den Ort, bis zu 200 Juden nun in Herleshausen. Ende des 19. zogen viele Juden nach Eisenach. Vor 1933 lebten in Herleshausen 102 Juden in 24 Familien.

1846 Synagoge im Ort geweiht, 1896 Festgottesdienst (50 Jahre), an dem auch Landgraf Alexis teilnahm. 1922 Umbau der Synagoge, Betsaal in Sackgasse 2 untergebracht. Die 1928 erbaute Synagoge (Lauchriederstraße) wurde in der Reichspogromnacht 1938 völlig zerstört.

1867 Neubau für die israelitische Volksschule, die 1923 aufgrund stark rückläufiger Schülerzahlen aufgelöst wurde.

Berufe: Getreidehändler, Viehhändler; Manufakturwarenhandel, Sattler, Bäcker

Friedhof: am Nordausgang an einer Waldecke, eingezäuntes Gelände, Flurname im Ölgrund; Teile des Friedhofs 1944 eingeebnet um Platz für Beerdigungen russischer Kriegsgefangener zu schaffen. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Conrad Kangießer 1565

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Herleshausen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/5978> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde