Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
4825 Waldkappel
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung
Historische Karten
Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 34. Waldkappel

Weitere Informationen

Bischhausen

Stadtteil · 200 m über NN
Gemeinde Waldkappel, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Sonstiges

Lagebezug:

10 km südwestlich von Eschwege gelegen

Lage und Verkehrslage:

4 km ostsüdöstlich von Waldkappel gelegen.

Chausseen nach Bad Sooden-Allendorf, Eschwege, Netra und Wichmannshausen. Bischhausen ist über die Bundesstraße B7 und die Landesstraße L3459 an das Straßenverkehrsnetz angebunden.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Eschwege/Niederhone - Schwalmstadt/Treysa ("Kanonenbahn (III)") seit 1879 (Stillegung der Strecke bis Spangenberg 1974).

Ersterwähnung:

800

Bezeichnung der Siedlung:

  • Gerichtsplatz
  • Amt
  • Gut
  • Domäne

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • 2 km nordwestlich der Ortsmitte von Bischhausen beim früher dort gelegenen, heute verschwundenen "Pfiffenborn" (3564000/5668490. Name nach Mitt. K. Kollmann, 1992) fand K. Sippel 1992 unmittelbar an der Wehre im Ackergelände auf etwa 120 x 80 m großer, nordöstlich-südwestlich verlaufender Fläche (hier mittig lokalisiert) über 70 Scherben, die etwa ins 11./12. - 13./14. Jahrhundert zu datieren sind. Sie stammen eindeutig von einer Wüstung.
  • Bahnhof

Burgen und Befestigungen:

  • Der Verwaltungshof der boyneburgischen Güter stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und war dann von 1866 bis 1931 preußische Staatsdomäne. Demgegenüber wurde das Schloss um 1690 als Verwaltungssitz des 1654 entstandenen landgräflichen Amtes Bischhausen errichtet, woraus später das ehemalige Amtsgericht wurde. Zunächst war es noch als zweiflügelige Anlage geplant, wie sie die Flurkarte von 1688 zeigt. Man beschränkte sich aber auf einen zweigeschossigen Massivbau, der sich auf einem längsrechteckigen Grundriß erhebt. Im 19. Jahrhundert kam noch ein nordöstlich vorgelagerter Annex hinzu, genauso wie ein Anbau aus unverputztem Sandstein im südlichen Bereich (P. Zietz).

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3565536, 5667542
UTM: 32 U 565436 5665714
WGS84: 51.13914459° N, 9.935348658° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636012010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 950, davon 419 Acker (= 44.11 %), 55 Wiesen (= 5.79 %), 360 Holzungen (= 37.89 %)
  • 1961 (Hektar): 1744, davon 859 Wald (= 49.25 %)

Einwohnerstatistik:

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Bischhausen
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Bischhausen
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Bischhausen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Bischhausen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Eschwege

Gericht:

  • 1821: Kurfürstliches Justizamt Bischhausen
  • 1822: Justizamt Bischhausen
  • 1867: Amtsgericht Bischhausen
  • 1879: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1932: Amtsgericht Eschwege

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil nach Waldkappel eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Bei den Belegen des 9. - 12. Jahrhundert ist nicht zu klären, ob es sich um dieses Bischhausen (Altkreis Witzenhausen) oder Bischhausen (Altkreis Eschwege) handelt.
  • Um 800: Kloster Hersfeld besitzt 30 Hufen von Karl dem Großen zu Bischhausen
  • 1093/1144: Schenkung von Hof und Kirche Bischhausen durch Graf Heinrich von Northeim an das Blasiuskloster Northeim
  • 1140/41: Graf Siegfried von Boyneburg verleiht dem Blasiuskloster Northeim Güter zu Bischhausen
  • Vielleicht einer der festen Plätze, die Herzog Albrecht von Braunschweig 1264 an Meißen abtrat; von dort mit Ende des hessisch-thüringischen Erbfolgekrieges an Hessen
  • 1446 verkaufte das Kloster Bursfelde den Ort an die von Boyneburg, die ihn Hessen zu Lehen auftrugen.
  • 1650 erwarb dann Hessen zwei Drittel und 1805 schließlich den Rest
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Die Kirche S. Ulrici erhielt das Kloster Bursfelde von den Grafen von Northeim. Sie stand unter dem Dekanat Dorla und ging mit dem Dorf an die von Boyneburg über.
  • Von ihnen gelangten dann 1650 zwei Drittel an Hessen, das 1805 auch das letzte Drittel erwarb.
  • Filial Kirchhosbach (1872)

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: wahrscheinlich Melchior Todt ca. 1535, sicher Wilhelm Menges nach 1552-1561

Reformierter Bekenntniswechsel, unter hessen-darmstädtischer Herrschaft 1627-1628(?) lutherisch, danach wieder reformiert.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum 1654 entstandenen landgräflichen Amt Bischhausen gehörten die Mengedörfer (Hessen und Boyneburg) Bischhausen, Grandenborn, Kirchhosbach, Rechtebach, Reichensachsen, Rhörda, Rittmannshausen und Wichmannshausen, dazu die boyneburgischen Dörfer Ober- und Niederdünzebach, Hoheneiche, Jestädt, Langenhain, Motzerode, Netra, Neuenrode, Oettmannshausen und Thurnhosbach sowie schließlich die Höfe Datterpfeife, Harmershausen, Ludenbach, Vogelsburg und das Schloss Boyneburg. 1821 kam das Amt Bischhausen zusammen mit dem Amt Spangenberg unter die Verwaltungshoheit des neuen Kreises Eschwege.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Bischhausen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/5409> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde