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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 60. Marburg

Unterrosphe

Stadtteil · 205 m über NN
Gemeinde Wetter (Hessen), Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8,5 km nördlich von Marburg

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit regellosem Grundriss beiderseits des Rosphe-Baches. Geschlossener Ortskern am rechten Bachufer auf nach Osten auslaufendem, leichten Schlepphang. Kirche mit Wehrkirchhof (steinernes Torhaus) in der Bachaue. Nach Norden abgesetzt auf dem linken Bachufer kleine Gehöftgruppe auf der Niederterrasse. Lockere Gehöftanordnung am West-Hang eines nach Nordwesten ziehenden Feldrückens. Moderne Bebauung im Süden.

Straße von Ober-Rosphe stößt südlich des Ortes auf die B 252 (alte Niederrheinische Straße)

Ersterwähnung:

807/814

Siedlungsentwicklung:

1838 (Kasseler Acker): 993 stellbares Land, 147 Wiesen, 59 Gärten, 20 Triesche. 1885 (ha): 348, davon 261 Ackerl., 55 Wiesen, 2 Holz. 1961 (ha): 347, davon 6 Wald. - Umlegung: 1900/1902, 1929/32.

Historische Namensformen:

  • Rosaffa, et Rosaha (807/814, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts) [Dronke, Traditiones c. 6), Nr. 101. Identifizierung unsicher, vgl. Ober-Rosphe]
  • infima Rosfo (1200/1220) [Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 2, S. 376]
  • Inferiori Rosfe, de (1232) [Huyskens, Quellenstudien, S. 190-191 Nr.- 37-38]
  • inferior Rosfe (1272)
  • inferior Roisphe (1317)
  • Niderstin Rosphe (1347)
  • Nydernrosfe (1374)
  • Understerosse (1528)
  • Underst-Roßphe (1577)
  • Nidder-Rosphe (1630)
  • Unterrosphe (1812)
  • Rosphe, Unter-

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 1200/1220

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Etwa 0,5 km sw. Unter-R. karolingerzeitl. und jüngere Keramikfunde

Älteste Gemarkungskarte:

Älteste Gemarkungskarte: 1777

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3484121, 5639245
UTM: 32 U 484053 5637429
WGS84: 50.88831155° N, 8.773281132° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534021080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 348, davon 261 Acker (= 75.00 %), 55 Wiesen (= 15.80 %), 2 Holzungen (= 0.57 %)
  • 1961 (Hektar): 347, davon 6 Wald (= 1.73 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 10 Männer, 1577: 18 hausgesessene 1630: 17, 1681: 14 hausgesessene Mannschaften, 1747: 26 Haushalte 1784: 187 Einwohner 1838: 224, 1885: 271, 1925: 308, 1939: 357, 1950: 504, 1961: 467 Einwohner - 1861: alle Einwohner evangelisch-lutherisch 1961: 404 evangelisch, 50 römisch-katholischEinwohner - 1580: 11 Ackerleute, 6 Einläuftige 1630: 4 vierspänn., 2 dreispann., 3 zweispänn. Ackerleute, 8 Einläuftige 1784: 6 Zimmerleute, 1 Hufschmied, 1 Schneider, 2 Wagner, 1 Pottaschensieder, 5 zünft. Leineweber, 1 Schäfer, 1 Tagelöhner, 5 einzelne Weibspers. genannt 1838 (Familien): 24 Ackerbau, 3 Gewerbe, 19 Tagelöhner 22 nutzungsberechtigte, 20 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 5 Beisitzer. 1961 (Erwerbspersonen): 97 Land- und Forstwirtschaft, 93 Produzierendes Gewerbe, 29 Handel und Verkehr, 24 Dienstleistungen undSonstiges
  • 1885: 271, davon 271 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1961: 467, davon 404 evangelisch (= 86.51 %), 50 katholisch (= 10.71 %)

Diagramme:

Unterrosphe: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1374 und später: Gfsch. (Amt) Wetter
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Wetter
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Wetter
  • 1867: Amtsgericht Wetter
  • 1948: Amtsgericht Marburg

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 wurde Unterrosphe im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Wetter eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 807/814 schenkt Helmbracht dem Kloster Fulda seinen Besitz in (Ober- od. Oberste-)Rosphe und (Unter-)Rosphe mit allem Zubehör.
  • 1200/1220 hat das Stift Wetter 4 Hufen, die als Mannlehen ausgetan sind.
  • 1272 besitzt das Stift 1 Lehnhof und 1 Hufe in Unter-Rosphe;
  • 1366 kauft das Stift einen weiteren Hof.
  • 1446 wird das Gut des officialis des Stifts in Unter-Rosphe erwähnt
  • Um 1248 und um 1400 bezieht das Erzstift Mainz Einkünfte aus Güterbesitz in (Unter-)Rosphe.
  • 1301 und 1317 erwirbt der Deutsche Orden Marburg von dem Magister Ludwig von Battenfeld 2 Güter in Unter-Rosphe;
  • 1358: 1 Hof mit 68 Morgen Ackerland und 7 Morgen Wiesen.
  • 1464 haben die von Hohenfels ein Gut zu Unter-Rosphe.
  • Vor 1482 sind die von Schutzbar genannt Milchling in Unter-Rosphe begütert.
  • 1570 befinden sich in Unter-Rosphe und a. der Volquinshof der Universität Marburg, das Vierherrengut (ehem. Stift Wetter, nach 1527 Pfarrei Wetter), Stiftshof (ehem. Stift Wetter, nach 1527 im Besitz der hess. Ritterschaft), Frühmessgut (ehem. Stift Wetter, nach 1527 Spital zu Wetter), der Deutschherrenhof und das Milchlingsgut.

Zehntverhältnisse:

In dem Zehnten zu Unter-Rosphe teilten sich im 15. Jahrhundert und später die von Hatzfeld und die Milchling von Schönstadt (mainzisches bzw. landgräfliches Lehen).

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche: 1496; 2. H. 16. Jahrhundert Vikariat von Oberrosphe (Pfarrhaus 1628 verkauft).

Eingepfarrt 1577 und später: Göttingen

Patronat:

1496 Stift Wetter, schon seit 1301 enge Verbinungen zum Stift

1527: landgräflich

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606(?), 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Schönstadt

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Unterrosphe, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9292> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde