Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Niederasphe

Ortsteil · 250 m über NN
Gemeinde Münchhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

9,5 km nordöstlich von Biedenkopf

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen beiderseits der Asphe. Hauptkomplex der Siedlung auf einem nach Westen zum Asphe-Grund auslaufenden Hang. Die Mehrzahl der Gehöfte ist linear ausgerichtet auf zwei hangparallel verlaufende Straßen, die sich im nördlichen und südlichen Ortsbereich vereinigen. In dem umschlossenen Areal Kirche mit ummauertem Kirchhof; wuchtiger Chorturm. Kleiner regelloser Siedlungskomplex an einer Wegspinne jenseits des Mühlgrabens im Süden. Im Südwesten auf der Niederterrasse des rechten Asphe-Ufers der Ortsteil Weidenhausen; lineare Gehöftanordnung entlang der Straße nach Treisbach.

Straßen von Obersimtshausen bzw. Treisbach - Oberasphe treffen im Ort zusammen. Die alte Amtsstraße Wetter - Battenberg führte östlich an Niederasphe vorbei, wo zugleich der von der Mellnau heranziehende und ins Lützlergebirge führende alte Sälzerweg (Flurnamen Kölnische Wege) die Straße kreuzte.

Ortsform:

Dorf

Ersterwähnung:

1108

Siedlungsentwicklung:

1577 und später ist Untersimtshausen Ortsteil von Niederasphe.

Historische Namensformen:

  • Vgl. auch Oberasphe
  • Asfo (1108) [Mainzer Urkundenbuch 1, Nr. 436]
  • Asfe (1254)
  • Aspha (1283)
  • Asphe Inferior (1287)
  • Aysphe (1301)
  • Walbergasphe (1358)
  • Niddernaißphe (1514)
  • Niddern-Asphe (1577)
  • Niederasphe [Vgl. auch Oberasphe, jetzt Kreis Marburg-Biedenkopf]

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1912/14

Älteste Gemarkungskarte:

1717

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3476600, 5645200
UTM: 32 U 476535 5643382
WGS84: 50.94158454° N, 8.666016187° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534015020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 2561 stellbares Land, 1213 Wiesen, 20 Gärten, 173 Triesche, 1317 Wald.
  • 1885 (Hektar): 1398, davon 751 Acker (= 53.72 %), 159 Wiesen (= 11.37 %), 299 Holzungen (= 21.39 %)
  • 1961 (Hektar): 1395, davon 314 Wald (= 22.51 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 78 Hausgesessene.
  • 1580: 29 Ackerleute, 34 Einläuftige.
  • 1630: 3 dreispännige, 8 zweispännige, 15 einspännige Ackerleute, 27 Einläuftige.
  • 1630: 53 Hausgesesse. 1681: 44 hausgesessene Mannschaften.
  • 1747: 80 Haushalte.
  • 1789: 2 Grobschmiede, 4 Schreiner, 1 Wirt, 2 auswärtig beschäftigte Müller, 29 Leineweber, 1 Tagelöhner.
  • 1789: 463 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 114 Ackerbau, 3 Gewerbe. 81 nutzungsberechtigte, 33 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisitzer.
  • 1838: 703, 1885: 823 Einwohner.
  • 1861: alle Einwohner evangelisch -lutherisch.
  • 1885: 823, davon 822 evangelisch (= 99.88 %), 1 katholisch (= 0.12 %)
  • 1925: 817, 1939: 836, 1950: 1095, 1961: 965 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 345 Land- und Forstwirtschaft, 133 Produzierendes Gewerbe, 36 Handel und Verkehr, 52 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 965, davon 897 evangelisch (= 92.95 %), 68 katholisch (= 7.05 %)
  • Alle Angaben schließen jeweils Untersimtshausen mit ein.

Diagramme:

Niederasphe: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1502 und später: Amt Wetter
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Wetter
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Wetter
  • 1867: Amtsgericht Wetter
  • 1948: Amtsgericht Marburg

Gemeindeentwicklung:

Am 1.7.1974 wurde Niederasphe im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der neu gebildeten Gemeinde Münchhausen eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 1130 ist Niederasphe einschließlich des Zehnten Zubehör der Villikation Ebsdorf des Mainzer St. Stephansstifts. 1270 erhalten die von Hohenfels die Hälfte des Zehnten in Erbpacht. Die aus dem Stiftsbesitz anfallenden Zinsen sind seit 1249 an die Landgrafen verpachtet.
  • Gütererwerbungen des Kloster Caldern in den Jahren 1254, 1283, 1300 und 1308.
  • 1287 kauft der Deutsche Orden Marburg Güterbesitz in Niederasphe.
  • Kloster Georgenberg erwirbt 1302 einen Hof; weitere Gütererwerbungen 1303 und 1307 (Hof).
  • 1308 verkauft Werner von Hohenfels Güterbesitz an das Kloster Caldern.
  • Vor 1388 belehnen die Grafen von Nassau-Dillenburg Ludwig von Hohenfels und seine Erben mit einem Gut in Niederasphe; noch 1537 als nassau-dillenburgisches Lehen erwähnt 1551 setzt Hartmann von Hohenfels seine Stiefsöhne Curt Daniel und Wilhelm von Hatzfeld zu Erben seines Hofes ein; Burgsitz der von Hatzfeld 1577 genannt.
  • Unter den 1570 genannt 16 Höfen in Niederasphe befinden sich der sog. Äbtissinnenhof (Stift Wetter), 3 ehem. Höfe des Kloster Caldern, das Hohenfelsgut, 2 ehemalige Höfe des Kloster Georgenberg (seit der Reformation im Besitz des Landgrafen).

Ortsadel:

1395-1556; ein Zweig der von Hohenfels nannte sich nach Niederasphe. Die Ortskirche war Grablege des Geschlechts.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

1577 ist Untersimtshausen eingepfarrt; vor 1780 und später: Filiale von Niederasphe.

Nach 1927 wird die neugebildete Gemeinde Simtshausen mit Untersimtshausen zu einer Filial-Gemeinde von Niederasphe vereinigt.

Patronat:

Den Patronat haben 1362 gemeinsam: Kloster Georgenberg, die von Fleckenbühl, die von Erfurtshausen; 1492: Kloster Georgenberg; 1577: Landgraf, von Dersch, von Fleckenbühl; 1629: Landgraf und von Fleckenbühl je ein Viertel, von Dersch die Hälfte.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Wagner ca. 1530-1554

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Christenberg

Juden:

Jude 1744 genannt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Niederasphe, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/8990> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde