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5119 Kirchhain
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 61. Kirchhain

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Kirchhain

Stadtteil · 219 m über NN
Gemeinde Kirchhain, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

11 km nordöstlich von Marburg

Lage und Verkehrslage:

Kleinstadt am Nord-Rand der Ohmniederung am Zusammenfluss von Wohra, Ohm und Klein. Altstadt mit ovalem Umriss und regelhaftern Grundriss auf und zu Füßen einer Basaltkuppe, die sich 20 m über der Niederung erhebt. Auf höchstem Punkt die Kirche mit ummauertem ehemaligem Kirchhof. Um die unteren Hänge der Kuppe schließt sich ringförmig mit Hauptausdehnung nach Nordosten und Südosten die altstädtische Siedlung mit regelmäßigem Straßennetz. Dreiecksmarkt in zentraler Lage. Jüngere Bebauung im Nordosten und Nordwesten Richtung Bahnhof. Moderne Wohnsiedlung Im Norden und Osten (Industriegebiet).

Von der durch Kirchhain in Richtung Alsfeld führenden B 62 zweigt im nordöstlich Ortsbereich die B 454 in Richtung Treysa ab Straßen von Marburg, Roßdorf, Amöneburg und Schweinsberg vereinigen sich südlich Kirchhain zu einem Strang in Richtung Stadtallendorf. Im Norden Straßen-Verbindungen nach Niederwald, Stausebach, Emsdorf und Langenstein. Die alte Messestraße Köln-Leipzig und die alte Landstraße durch die nördlich Langen Hessen, ursprünglich über die Brücker Mühle (Amöneburg) und Niederklein in Richtung Alsfeld bzw. Treysa führend, dürften im Zusammenhang mit der Stadtgründung von Kirfchhain, spätestens aber 1431 (Errichtung der Wittelsberger Warte) über Kirchhain verlegt worden sein (Straßen-Zwang). Die Messestraße wurde dann weiter von Kirchhain in Richtung Speckswinkel nach Treysa bzw. Neustadt geführt; auf dieser Strecke zugleich alte Landstraße durch die nördlichen Langen Hessen.

Anschluss an den ursprünglichen Verlauf der alten Messestraße in Richtung Alsfeld über die Verbindungsstraße von Kirchhain-Niederklein wiederhergestellt. Die in ihrem älteren Verlauf nördlich Kirchhain bei Stausebach vorbeiführende Niederrheinische Landstraße (teilweise im Zuge der heutigen B 62 verlaufend) wurde etwa gleichzeitig in die Stadt „gezwungen“. Es bestanden weiterhin alte Amtsverbindungen nach Frankenberg, Rauschenberg und Gemünden/Wohra.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Kassel – Frankfurt am Main („Main-Weser-Bahn“) (Inbetriebnahme der Strecke 4.3.1850, 3.4.1850) seit 1849 (Inbetriebnahme 1850).

Endbahnhof der Eisenbahnlinien Kirchhain – Gemünden (Felda)/Nieder-Gemünden („Ohmtalbahn“) (Inbetriebnahme der Strecke 1.4.1900) bis zur Stilllegung der Strecke am 31.5.1980 und Neuental/Zimmersrode – Kirchhain („Wohratalbahn“) (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1914) bis zur Stilllegung der Teilstrecke am 31.12.1981.

Ersterwähnung:

1146

Siedlungsentwicklung:

Königliche Rodungssiedlung

1344 lässt Landgraf Heinrich II. auf dem Kirchberg des Ortes eine Burg als Stützpunkt gegen die mainzische Amöneburg errichten. Sie war nordöstlich an die ehemalige umwehrte Kirchhofsmauer angelehnt und bestand nach sehr formelhafter und unglaubwürdiger zeitgenössischer Überlieferung aus gemauerten Kemnaten, Bergfried, Erker, Planken, Graben und Zugbrücke. Grundmauer der fast quadratischen Burganlage (ca. 18,5 m x 20 m) erhalten. Unterhalb von Burg und Kirchbezirk planmäßige Stadtgründung vor 1352. Der älteste, durch Wall und Graben befestigte Stadtkern dürfte in einem Dreieck um den Kirchberg angelegt worden sein. Der südwestlich unterhalb des Berges bis an die Wohra reichende Deutsche Orden-Bezirk wurde erst durch die jüngere, wohl um 1370 vollendete Stadtummauerung des allseits, besonders nach Nordosten erweiterten Siedlungskomplexes einbezogen. Die noch in Resten erhaltene, mehrfach zerstörte Mauer verfügte über 26, später 22 Türme und 4 Stadttore; im Süden Steigertor (auch Amöneburger bzw. Marburger Tor genannt), im Osten die Mühlpforte, nördlich davon Borntor (auch Leitterstätter Pforte genannt) sowie im Westen das Brießelstor. Toranlagen Anfang 19. Jahrhundert abgebrochen und durch Pforten ersetzt. Steigerstor, Borntor und Brießelstor verbanden die drei großen durch Kirchhain führenden Fernstraßen, die auf dem Dreiecksmarkt zusammentrafen. Marktbereich durch Bebauung vermutlich nach 1412 im Osten um etwa die Hälfte seines ursprunglichen Ausmaßes verkleinert. Seine ursprüngliche Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt verlor Kirchhain durch den Ausbau der Chaussee Frankfurt-Kassel über das Cölber Eck um 1780. Seine Verkehrsbedeutung stieg erst wieder Mitte 19. Jahrhundert durch den Anschluß an die Main-Weser-Bahn sowie den Bau zweier Eisenbahanebenlinien.

Mit der Durchführung der kurhessischen Gerichts- und Verwaltungsreform des Jahres 1821 erhielt Kirchhain als Kreisstadt (bis 1932) und Sitz eines Amtsgericht zentralörtliche Funktion. Wirtschaftliche Blüte, insbesondere durch seine noch bestehenden Viehmärkte, brachte Kirchhain die Jahrhundertwende. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Ansiedlung von Industriebetrieben stark gefördert. Dadurch erhebliche Ausweitung des Stadtgebiets durch Gewerbe- und Wohnsiedlungen.

Historische Namensformen:

  • Werplohen (1146) [MGH Diplomata Könige 9, Konrad III. : Hausmann, Nr. 156]
  • Werflohe (1150/60)
  • Werflo (1234)
  • Kirchan (1238)
  • Chirkhain quondam Werflo (1244)
  • Kyrichhagen (1261)
  • Kirchagin (1270)
  • Kyrcheyn (1295)
  • Kirchhain (1345/46)
  • Kirchen (1388)
  • Kirchhain (1577)

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1913/1919

Älteste Gemarkungskarte:

1752

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3495036, 5632333
UTM: 32 U 494964 5630520
WGS84: 50.82637608° N, 8.928493106° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534011070

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 2700 stellbares Land, 1540 Wiesen, 780 Gärten, 532 Triesche, 722 Wald
  • 1885 (Hektar): 1726, davon 692 Acker (= 40.09 %), 634 Wiesen (= 36.73 %), 175 Holzungen (= 10.14 %)
  • 1961 (Hektar): 1667, davon 168 Wald (= 10.08 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 251 hausgesessene, darunter 6 Burggeseß
  • 1592: 240 hausgesessene
  • 1612: 258 Pesttote
  • 1629: 249 Haushalte
  • 1681: 190 hausgesessene Mannschaften
  • 1747: 286 Haushalte
  • 1786: 1528 Einwohner
  • 1786: 60 Bäcker, 18 Schneider, 58 Schuhmacher, 17 Leineweber, 10 Metzger, 16 Lohgerber, 5 Schmiede, 6 Schlosser, 1 Wagner, 2 Bender, 6 Krämer, 3 Sattler, 1 Eulner oder Ziegelbrenner, 3 Hutmacher, 4 Schreiner, 1 Drechsler, 3 Fenstermacher, 2 Strumpfweber, 4 Wollstrumpfstricker, 4 Zimmerleute, 4 Maurer und Weißbinder, 6 Wirte, 3 Weinschenker, 27 Branntweinbrenner und -schenker, 3 Seifensieder, 1 Kürschner, 24 Bierbrauer, 1 Braumeister, 2 Brauknechte, 4 Lederhändler, 4 Chirurgen, 1 Apotheker, 5 Lohnschäfer, 39 Tagelöhner und -innen; 6 Juden, die mit Vieh, Geldwechseln und sonstige Sachen Gewerbe treiben
  • 1838 (Familien): 63 Ackerbau, 200 Gewerbe, 48 Tagelöhner 337 nutzungsberechtigte, 21 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 19 Beisitzer
  • 1861: 440 evangelisch-reformierte, 1198 evangelisch-lutherisch, 1 unierter, 59 römisch-katholisch, 49 jüdische Einwohner
  • 1885: 1796, davon 1554 evangelisch (= 86.53 %), 101 katholisch (= 5.62 %), 141 Juden (= 7.85 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 158 Land- und Forstwirtschaft, 1138 Produzierendes Gewerbe, 536 Handel und Verkehr, 578 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 5524, davon 4065 evangelisch (= 73.59 %), 1336 katholisch (= 24.19 %)

Diagramme:

Kirchhain: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1400 und später: Gericht im Amt Marburg.
  • 1244: Vogtei Kirchhain
  • 1356: Gericht Kirchhain
  • 1592: Landgrafschaft Hessen, Amt Kichhain
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Oberhessen, Amt Kirchhain
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kirchhain
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Kirchhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Kirchhain
  • 1867: Amtsgericht Kirchhain
  • Vogtei, Gericht, Amt
  • Die 1244 erstmals erwähnte Vogtei Kirchhain (advocatia ville) lässt sich auf die 1146 dem Reich verbliebene Hälfte der Neurodung Werplohen zurückführen; um 1150/60 ist Graf Wilhelm (v. Gleiberg) als Reichsvogt zu erschließen. Nach seinem Tod waren die von Merlau Lehnsträger des Reiches, bis sie 1244 die Vogtei an den Deutsche Orden Marburg verkauften. In den Besitz der anderen, 1146 von Konrad III. an Kloster Hersfeld verschenkten Hälfte der Neurodung dürften vor 1234 die Landgrafen als hersfeld. Stiftsvögte gelangt sein. Verkauf an den Deutsche Orden Marburg 1234; Deutsche Orden-Vögte seit 1324 nachweisbar. Seit 1234 bzw. 1244 bis ca. 1344 besaß der Deutsche Orden alle Hoheitsrechte in den beiden ehem. Teilvogteien. Seit ca. 1344 - Erbauung der Burg Kirchhain, später Stadtgründung - ziehen die Landgrafen allmählich die Landesherrschaft an sich. Wohl bis 1356 Deutsche Orden-Gericht mit hoher und niederer Gerichtbarkeit. 1370, vermutlich aber schon vor 1359 landgräflich Gericht, das zwischenzeitlich dem Deutsche Orden verpfändet war. Stadt- und Landgericht wohl seit der Stadtgründung zusammengefasst. 1571: Landgraf, Rentmeister oder Schultheiß zu Kichhain haben Gebot, hohe und niedere Obrigkeit. Seit 1571 wird die peinliche Gerichtbarkeit vom Halsgericht in Marburg wahrgenommen. Der Amtsbezirk des Kichhain Schultheißen umfaßt 1605 auch das Gericht Wittelsberg, 1767 das Gericht (Großseelheim, 1786 und noch 1793 das Gericht Schönstadt. - Gerichtstätte war 1483 das Kirchhain Rathaus. Als Gefängnis diente der Hexenturm bei der Neuen Burg. - villicus 1262, scultetus 1275, Amtmann 1348, Burgmann, Schöffen 1353, Rentmeister 1571.

Herrschaft:

Landgräfliche Stadtgründung vor 1352. 1354 trägt der Landgraf dem Mainzer Erzbischof Burg und Stadt formell zu Lehen auf; mainzische Lehnshoheit bis 1803. Um 1350-1370 war Kirchhain vom Landgraf an den Deutsche Orden Marburg verpfändet; seitdem war der Landgraf faktisch der Stadtherr. burgmann, bürgermeister, scheffen, rad und burgere 1396. Bürgermeister jährlich durch die wahlberechtigten Bürger vor Schultheiß und Stadtschreiber gewählt; gleichzeitig Wahl der unteren Ämter; für jedes Stadtviertel 1 Vierer (Ratsmitglied). Seit 1611: in geraden Jahren amtieren die vom Rat, in ungeraden die von der Geimeinde Gewählten. 1786 ist von den 3 Ratsvierern einer Unterbürgermeister, Stadtschreiberamt meist lebenslänglich. Schöffenkollegium durch Kooptation ergänzt (1592). 1786: 1 Bürgermeister, 4 Ratsschöffen, 1 Schreiber, 1 Kämmerer, 3 Ratsvierer

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Kirchhain, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Kirchhain.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1146 schenkt König Konrad III. Kloster Hersfeld die Hälfte der Neurodung Werploh
  • 1234 schenken die Landgrafen dem Deutsche Orden Marburg ihren Güterbesitz in Werploh
  • 1244 verkaufen die von Merlau dem Deutsche Orden ihre vom Reich lehnbare Vogtei
  • 1270 verkaufen die von Echzell dem Deutsche Orden einen Zins aus Güterbesitz
  • 1294 verkaufen die Frankenberger Bürger Heinrich und Ospert von Münchhausen dem Deutsche Orden 5 Malter Vogthafer in Kirchhain
  • 1297 verkauft Ritter Volpert Hobeherr 1 Morgen Ackerland an den Deutsche Orden; im gleichen Jahr erwirbt der Deutsche Orden Einkünfte aus Güterbesitz von den von Wehrda und von Buseck
  • 1307 verzichten die Gebrüder von Radenhausen zugunsten des Deutsche Orden auf eine strittige Wiese und Äcker in Kirchhain
  • 1353 verkaufen die von Seelheim dem Deutsche Orden 1 Hofstatt und den Garten unter dem Kirchhof zu Kirchhain
  • 1358 verfügt der Deutsche Orden als der wohl bedeutendste Grundbesitzer in Kirchhain über 11 Höfe (davon 3 Höfe der Pietanz) mit annähernd 500 Morgen Ackerland und 300 Morgen Wiesen in der Gemarkung Amtssitz der Deutsche Orden-Vögte war der Gillhof
  • 1405 und später: Sitz eines Deutsche Orden-Komturs
  • 1543 war der Gillhof vorübergehend von landgräflichen Beamten besetzt; zum Gillhof gehörten neben der Großen Mühle (s.u.)
  • 1786 an Grundbesitz (Kass. Acker): ca. 62 Ackerland, ca. 50 Wiesen, ca. 2 Gartenl. und ca. 17 Fischwasser
  • Mit der Auflösung des Deutsche Orden (1809) fiel der Besitz an den Staat; seit 1821 Gillhof Sitz der beiden ersten Landräte; um die Mitte des 19. Jahrhundert im Besitz der Familien Römer

Zehntverhältnisse:

Zehntherr in Kirchhain war der Landgraf

Als Lehnsträger begegnen 1374/76 die Hofherren und die Scheuernschloss

1433 die Schenken zu Schweinsberg

1786 war der Große Zehnte zu 1/3 landgräflich, zu 2/3 schenkisch

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkriche

1577: Niederwald eingepfarrt

1612 und 1747: Niederwald Pfarrei, die zumeist aber von Kirchhain aus versehen wurde

Nach 1780: Niederwald Vikariat von Kirchhain

Seit 1789 ist Langenstein Vikariat von Kirchhain

Patronat:

ursprünglich wohl von Merlau, seit 1244 vermutlich Deutscher Orden Marburg, dem die Kirche 1486 inkorporiert war

Klöster:

  • Kirchhain, Deutschordenshaus
  • Kirchhain, Haus Jerusalem
  • 1364 erlangt Landgraf Heinrich II. von Papst Urban V. die Genehmigung zur Errichtung eines Karmeliter-Klosters mit Kirche, Turm, Glocken und einem Friedhof; Plan jedoch nicht zur Ausführung gekommen
  • 1948 Errichtung eines Franziskaner-Klosters in Kirchhain
  • Begine 1282

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Wilhelm Schaffradt 1527-1560, ehemaliger Priester des Deutschen Ordens

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch

Seit 1682 bestand neben der lutherischen Gemeinde eine reformierte, sie hatte 1702-1717 einen gemeinsamen Prediger mit Rauschenberg; um 1835: Schweinsberg eingepfarrt

1934: Zusammenschluß der evangelischen Gemeinden in Kirchhain

Katholische Gemeinde seit 1907, Kapelle seit 1910, Pfarrkuratie seit 1954

Kirchliche Mittelbehörden:

Sedes im Dekanat Amöneburg

1369 gestattet die Stadt Kirchhain dem Mainzer Erzbischof in den Schaltjahren das Sendgericht zu Kirchhain zu halten

Juden:

Provinzial-Rabbinat Marburg, Amöneburg angeschlossen

möglicherweise bereits im 14. Jahrhundert Schutzjuden im Ort; belegbar aber erst im 17. Jahrhundert, ein Jude wird um 1635 genannt.

1643: 3 jüdische Familien, die mit Munition handeln

Während der Blüte des Kirchhainer Viehhandels Zuzug vieler jüdischer Großhändler (19/20. Jahrhundert)

1827: 42; 1835: 46; 1895: 134; 1905: 144 1910: 219 jüdische Einwohner; 1925: 189; 1932/33: 250 Juden. Bis 1938 wanderten die meisten Juden aus, bzw. waren verzogen.

Berufe: Vieh- und Getreidehandel

Betraum und Frauenbad 1811 (1800) in Privathaus am Marktplatz; 1904: Einrichtung einer Synagoge Niederrheinische Straße/Römerstraße; vor der Synagoge auch das Gemeindehaus mit Schulraum, Lehrerwohnung, Mikwah und Wohnung des Gemeindedieners. 1938 brennt die Synagoge aus, das Haus selbst blieb erhalten.

1835: eigene jüdische Elementarschule eingerichtet; 1924 wird die Schule endgültig aufgelöst

Friedhof seit ca. 1700, am Rötheweg; Juden aus Amöneburg benutzten diesen auch. (alemannia-judaica)

1754-1772 war Kirchhain Sitz des Landrabbiners

Als nutzungsberechtigte Bürger konnten sich jüdische Bewohner erst nach 1918 einkaufen

Kultur

Historische Ereignisse:

Überfall durch den Amöneburger Amtmann Graf Heinrich von Waldeck und Zerstörung der Stadt 1412; damals vollständig abgebrannt

Im dreißigjähirgen Krieg Einquartierung kaiserlicher Truppen (1623/25); Durchzug Wallensteins Anfang 1626; 1643 durch hessische Truppen erobert

Im Verlaufe der 1640er Jahre wechselten die Besatzer mehrmals; zuletzt von hessischen Truppen besetzt und 1647 teilweise zerstört

Im siebenjährigen Krieg wechselnd von Franzosen und hessischen Regimentern besetzt 1762 endet das Gefecht an der Brücker Mühle um den Ohmübergang mit einem Waffenstillstand

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum Gericht (Amt) Kirchhain gehörten außer Kirchhain:

1370: Niederwald, 1498: Burgholz, 1502: Langenstein

1571 und später gehen Burgholz, Niederwald, Langenstein ans Stadtgericht Kichhain

1577 gehören auch die Höfe Radenhausen und Netz zum Gericht Strittig war seit dem 14. Jahrhundert die Zugehörigkeit von (Wüstung) Giffendorf bzw. Hof Plausdorf, der erst 1756 endgültig dem Amt Amönebung zufiel

1807-1813 war Kirchhain Kantonsort im Distrikt Marburg

1821 wird aus den bisherigen Ämtern Amöneburg (ohne Bauerbach und Ginseldorf), Kirchhain, Neustadt, Rauschenberg sowie Sehweinsberg und Rauischholzhausen der Kreis Kirchhain gebildet; Ohmes, Ruhlkirchen, Seibelsdorf und Vockenrode werden 1866 dem Kreis Kirchhain aus- und Kreis Alsfeld eingegliedert

1932 wird das gesamte Kreisgebiet dem Kreis Marburg eingegliedert

Seit 1821 Sitz eines Justizamtes

Seit 1867 eines Amtsgericht, dem die Orte des bisherigen Amts Kirchhain ohne Burgholz, Groß- und Kleinseelheim zugehörten. Dem Justizamt K. unterstellt war bis 1831 das Assistenzamt Amöneburg

1932 werden die Amtsgericht Amöneburg und Rauschenberg dem Amtsgericht Kirchhain zugeteilt; Langendorf, Hertingshausen, Schiffelbach und Wohra gehören seit 1933 zum Amtsgericht Gemünden/Wohra, das seit 1943 Zweigstelle des Amtsgericht Kirchhain ist

Wirtschaft:

Wichtigstes Gewerbe im Mittelalter waren die Woll- und Leinenweberei sowie die Lohgerberei (spätestens 15. Jahrhundert)

Verkaufshalle der Tuchmacher 1559 im Weinhaus

Tuchmacher seit 1786 nicht mehr genannt.

Bäckerzunft 1575 gegründet, Zünfte für Schuhmacher und Metzger Ende 17. Jahrhundert genannt

Zwei Gesamtzünfte für Lederhandwerker, Bauleute, Tischler, Schmiede und andere

1620 bestehen in Kirchhain 2 städtische Brauhäuser

1786: 24 Brauer

Handwerk und Gewerbe seit dem Anfang 19. Jahrhundert in starkem Rückgang begriffen

Nach dem 2. Weltkrieg Industrieansiedlung: Marburger Tapetenfabrik seit 1948; Ventilatorenfabrik seit 1947; Kartoffelflockenwerk seit 1951

Mühlen:

1150/60 erstmals Mühle genannt

1281 einigt sich der Deutsche Orden Marburg mit der Müllerin Gertrud, dass diese die Mühle über der Klein beim Dorf Kirchhain in Erbpacht erhält

Mühlstatt 1354/55 genannt

Die 1751 genannte Ordensmühle 1770 und später Große Mühle genannt

Zubehör des Deutsche Orden-Hofes Gillhof

Sie verfügte 1751 über 5 unterschlächtige Mahlgänge und 1 Schlaggang und war vom Deutsche Orden bis 1809 in Erbleihe verpachtet

1834 vom Staat an den Müller verkauft

1887: Einbau einer Turbine, die auch Strom an die Stadt Kirchhain lieferte

Die sogenannte Kleinmühle bei der Mühlpforte der Stadt verfügte 1786 über 2 Mahlgänge und 1 Schlaggang (unterschlächtig), sie war vom Landgraf in Erbleihe verpachtet

Mahlmühle bis Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts; dann Schneidemühle für Lang- und Brennholz, später Tischlerei

Mühlengebäude 1945 abgebrannt

Unterhalb des Gillhofs befand sich eine kleine Lohmühle, die bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts in Betrieb war

Markt:

Zwei Jahrmärkte seit 1360 genannt, zwei weitere seit 1549 und seit 1680; daneben 2 Wochenmärkte (Fruchtmärkte)

1866: 9 Jahrmärkte; erhalten blieben nur die Viehmärkte (14-tägig), die um 1900 große Bedeutung erlangten

Zoll:

Zollstätte (Straßenzoll) seit 1570 erwähnt

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kirchhain, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9194> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde