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5119 Kirchhain
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 61. Kirchhain

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Anzefahr

Stadtteil · 208 m über NN
Gemeinde Kirchhain, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

7,5 km nordöstlich Marburg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf der Mittelterrasse sowie dem oberen Teil der Niederterrasse am Rande der Ohmniederung. Kirche mit Kirchhof, flankiert von zwei großen Gehöften auf Mittelterrassenvorsprung. Lockere Bebauung auf dem oberen Teil des Niederterrassenhangs beiderseits der B 62 (alte Niederrheinische Landstraße). Abzweigend am Nordwest-Rand des Ortes Straße nach Sindersfeld. Am Südost-Rand nach Schönbach bzw. Niederwald.

Haltepunkt der Eisenbahnlinie Kassel - Frankfurt am Main ("Main-Weser-Bahn", erbaut 1850).

Ortsform:

Geschlossenes Dorf; Kirchhof

Ersterwähnung:

1226

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüste Siedlung 2 km nordöstlich Anzefahr (vgl. Rudingenbach)

Umlegung der Flur:

1922/1923, 1932/1935

Älteste Gemarkungskarte:

1807

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3490550, 5634410
UTM: 32 U 490479 5632596
WGS84: 50.84499047° N, 8.86477143° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534011010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1216 stellbares Land, 287 Wiesen, 30 Gärten, 70 Triesche
  • 1885 (Hektar): 657, davon 239 Acker (= 36.38 %), 86 Wiesen (= 13.09 %), 299 Holzungen (= 45.51 %)
  • 1961 (Hektar): 666, davon 276 Wald (= 41.44 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 27 Haushalte
  • 1664: 30 Haushalte
  • 1747: 169 Einwohner
  • 1838 (Familien): 30 Ackerbau, 18 Gewerbe, 7 Tagelöhner, 40 nutzungsberechtigte, 5 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 10 Beisitzer
  • 1861: 314 römisch-katholische, 26 evangelische -lutherische Einwohner
  • 1885: 283, davon 11 evangelisch (= 3.89 %), 272 katholisch (= 96.11 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 93 Land- und Forstwirtschaft,100 Produzierendes Gewerbe, 45 Handel und Verkehr, 38 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 531, davon 45 evangelisch (= 8.47 %), 481 katholisch (= 90.58 %)

Diagramme:

Anzefahr: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1400 ist Anzefahr an die Riedesel, 1422 an den Deutsche Orden Marburg verpfändet. Die Gülten verbleiben jedoch beim Amt Amöneburg, zu dem Anzefahr auch später wieder gehört.
  • 1270: Gericht am Bilstein. 1277 und 1395: Gericht bzw. Amt Amöneburg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kirchhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Kirchhain
  • 1867: Amtsgericht Kirchhain

Gemeindeentwicklung:

Am 1.2.1971 wurde Anzefahr im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Kirchhain eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 1248 ist das Erzstift Mainz in Anzefahr begütert. 1341 sind die mainzischen Einkünfte an die von der Nuhn verlehnt.
  • 1257/60 erwirbt Kloster Haina Güterbesitz von den von Anzefahr. Weitere Gütererwerbungen des Kloster: 1310, 1315 und 1430.
  • 1270-1333 erwirbt der Deutsche Orden Marburg Höfe und Güterbesitz in Anzefahr 1358 umfaßt der Besitz 3 Höfe mit zusammen 181 ½ Morgen Ackerland und 11½ Morgen Wiesen; 1818: 2 ganze und 4 halbe ehemalige Deutsch-Ordens-Höfe.
  • 1291 schenkt Jakob von Seelheim dem Kloster Arnsburg Güterbesitz in Anzefahr.
  • 1567/82 hat das Erzstift Mainz einen kleinen Hof in Anzefahr; 4 Höfe hat der Deutsche Orden Marburg verpachtet. 1 Hof des Kloster Haina ist im Besitz der von Schwalbach.
  • Die Mühle in Anzefahr ist vor 1362 im Besitz der von Weitershausen, von denen die von Anzefahr 1362 ein Achtel, die von Falkenhain 1364 sieben Achtel erwerben. Beider Anteile sind 1362 und 1364 an die Riedesel verpachtet. Später gelangt die Mühle in den Besitz der von Rodenhausen, die sie 1491 dem Deutsche Orden Marburg vertauschen.

Zehntverhältnisse:

1354 haben die von Marburg und die Kirchhainer Familie Scheuernschloß Zehntrechte in Anzefahr. 1444 ist der halbe Zehnte im Besitz der Scheuernschloß, die ihn bis 1473 ganz erwerben.

Ortsadel:

1236-(um 1380).

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Michael (1631)

Pfarrzugehörigkeit:

Vor 1275 Pfarrkirche

1567/1582 und später: Sindersfeld eingepfarrt. Seit 1608 gehören die Filiale Sindersfeld, Stausebach und Himmelsberg zur Pfarrei Anzefahr Himmelsberg nach 1667 Filiale von Stausebach, später wieder Filiale von Anzefahr.

1967: Betziesdorf, Himmelsberg, Niederwald, Schönbach, Sindersfeld und Stausebach nach Anzefahr eingepfarrt.

Patronat:

1275 vergleichen sich der Deutsche Orden Marburg und Ditmar von Anzefahr über den Patronat der Kirche, wonach künftig abwechselnd präsentiert werden soll.

1531 ist der Kirchsatz solmsisches Lehen der von Biedenfeld.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Der Ort war im 16. Jahrhundert zeitweise evangelisch.

Katholischer Bekenntniswechsel: 1604, nachdem der evangelische Pfarrer von Kurmainz vertrieben und ein katholischer eingesetzt wird.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Amöneburg. Dekanat Amöneburg

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Anzefahr, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/8294> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde