Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Erfurtshausen

Stadtteil · 233 m über NN
Gemeinde Amöneburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8 km südlich Kirchhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss am hohen West-Hang eines von Süden nach Nordosten ziehenden Feldrückens oberhalb eines Bachlaufs

Kirche in zentraler Lage; umlaufende Gassen

Im Norden fogt die Bebauung der kreisförmigen Wegeführung

Straße Mardorf-Haarhausen

Die alte Amtsstraße Marburg-Homberg/Ohm führte östlich am Ort vorbei

Ersterwähnung:

844

Siedlungsentwicklung:

Eine wüste Hofstätte ca. 0,7 km östlich Efurtshausen vermutet; karolingerzeitliche Keramikfunde einsetzend um 700

Historische Namensformen:

  • Erfrathusen (844, nach Abschrift der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts) [Codex Laureshamensis III, Nr. 3633]
  • Erfrateshusen (917/18, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts)
  • Erfirshusin, de (1151)
  • Erverhusen, de (1232) [Huyskens, Quellenstudien, S. 189-190 Nr. 36]
  • Ervershusen (1233)
  • Herfrideshusen (um 1248)
  • Erenfrideshusen, de (1276)
  • Erfurtshusen (1395)
  • Erffortzhausen (1405, Abschrift)
  • Erffurdishusen (1416)

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (844)

Umlegung der Flur:

1912/1913

Älteste Gemarkungskarte:

1807

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3495846, 5623562
UTM: 32 U 495773 5621752
WGS84: 50.74753778° N, 8.940089134° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534001020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 384 stellbares Land, 77 Wiesen, 24 Gärten, 85 Wald
  • 1885 (Hektar): 251, davon 131 Acker (= 52.19 %), 21 Wiesen (= 8.37 %), 87 Holzungen (= 34.66 %)
  • 1961 (Hektar): 251, davon 79 Wald (= 31.47 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 20 (?) Hausgesessene
  • 1664: 15 hausgesessene
  • 1747: 97 Einwohner
  • 1838 (Familien): 19 Ackerbau, 34 Gewerbe, 22 nutzungsberechtigte, 27 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger
  • 1861: 332 römisch-katholische, 1 evangelisch-lutherischer, 1 evangelisch-reformierter Einwohner
  • 1885: 297, davon 2 evangelisch (= 0.67 %), 295 katholisch (= 99.33 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 82 Land- und Forstwirtschaft, 93 Produzierendes Gewerbe, 11 Handel und Verkehr, 9 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 430, davon 12 evangelisch (= 2.79 %), 416 katholisch (= 96.74 %)

Diagramme:

Erfurtshausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 843: pagus Lare
  • 1395 und später: Amt Amöneburg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Amöneburg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Landkreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Assistenzamt Amöneburg
  • 1831: Justizamt Amöneburg
  • 1867: Amtsgericht Amöneburg
  • 1932: Amtsgericht Kirchhain

Herrschaft:

1416-1586 Ist Erfurtshausen an die Schenken zu Schweinsberg verpfändet.

Gemeindeentwicklung:

Zum 31.12.1971 wurde Erfurtshausen im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der Stadt Amöneburg eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 844 erwirbt Kloster Lorsch Güterbesitz und einen Wald zu Erfurtshausen.
  • 917/18 erwirbt Kloster Fulda 1 Hufe und 1 Hofstätte in Erfurtshausen.
  • 1288 vermacht der Pleban Volknand von Erfurtshausen Kloster Haina 5 Morgen Land, 1 Hofstatt, 1 Wiese und seine bewegliche Habe. 1312 erwirbt das Kloster weiteren Besitz in Erfurtshausen; der Hainaer Besitz war Zubehör des Kloster-Hofes in Gontershausen, Kreis Alsfeld. 1526/27 vom Landgrafen eingezogen, 1567 bis ins 19. Jahrhundert Besitz der hessisch-darmstädtischen Kellerei Homberg/Ohm.
  • 1392 haben die von Westerburg Güterbesitz der von Nordeck in Erfurtshausen zu Lehen. 1392 und 1405 sind ein Hof und Güterbesitz der von Nordeck Afterlehen der von Erfurtshausen, die den Hof 1405 an ihre Lehnsherren verpfänden; er war wohl schon damals Zubehör der Ortskirche. Im 17. Jahrhundert und später ist der betroffene Hof Pfarrhof.
  • Mit der Verpfändung des Dorfes (1416-1586) gelangen alle bis dahin mainzisch Abgaben an die Schenken zu Schweinsberg, die auch nach Einlösung der Pfandschaft durch das Erzstift ein Drittel des schon um 1248 mainzisch Zehnten und 3 Viertel der Pachtabgaben behielten. Die 4 Höfe waren bis Anfang des 19. Jahrhundert zu 3 Vierteln schenkisch, zu 1 Viertel mainzischer Besitz.

Ortsadel:

1151- um 1455

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Michael (1768)

Pfarrzugehörigkeit:

bis 1802 vom Stift Amöneburg versorgt

1962: Katholische Pfarrkuratie

Patronat:

1405, 1547 und noch 1589 präsentieren die von Nordeck zu Rabenau

Bekenntniswechsel:

Der Ort blieb katholisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Amöneburg - Dekanat Amöneburg

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Erfurtshausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9052> (Stand: 16.10.2018)
 
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