Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Roth

Ortsteil
Gemeinde Eschenburg, Lahn-Dill-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

13,5 km südwestlich Biedenkopf

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss im Sattel zwischen Heilen- und Stieteberge (Lahn-Dill-Wasserscheide). Straße von Ewersbach über Rossbach zur B 253.

Alte Landstraße von Siegen beziehungsweise Dillenburg über Steinbrücken nach Laasphe und Biedenkopf führte durch Rossbach. Der alte Höhenweg der Eisenstraße führte auf der Wasserscheide westlich an Rossbach vorbei.

Ersterwähnung:

1232

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Unklar ist, ob der Beleg zu 1232 aus den Nachrichten über die Wundertaten der Heiligen Elisabeth, anders als bei Huyskens angegeben, auf dieses Roth südwestlich von Biedenkopf zu beziehen ist, denn immerhin trifft hier die Angabe "Mainzer Diözese" - anders als bei auf Roth südwestlich von Herborn - zu.

Historische Namensformen:

  • Roden de (1232) [Huyskens, Quellenstudien, S. 230-231 Nr. 95]
  • Roden, in [Urkundenbuch Hanau II Nr. 10]
  • Rodgyn, zu dem (1386)
  • Roede, zum (1413)
  • Roda (1577)
  • Roith (1630)
  • Rodt (1677)

Bezeichnung der Siedlung:

  • dorf 1511 und 1627; Stadt 1646

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3455609, 5634648
UTM: 32 U 455552 5632834
WGS84: 50.84550273° N, 8.368660429° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

532009040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 3177, davon 1924 Acker, 556 Wiesen, 631 Wald. 1885 (Hektar): 783, davon 183 Ackerl, 135 Wiesen, 198 Holz. 1961 (Hektar): 783, davon 186 Wald. Umlegung: keine Angaben. Älteste Gemarkungskarte: 1868/70. (= 23.75 %)
  • 1961 (Hektar): 783, davon 186 Wald (= 23.75 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 28,1630: 24 Hausgesesse 1677: 27 Männer, 2 Witwen, l Jungmannsch, 13 ledige Mannschaften 1742: 36 Haushalte 1834: 319, 1885: 336, 1925: 412, 1939: 394, 1950: 524, 1961: 447 Einwohner. 1830: 303 evangelische 2 römisch-katholische Einwohner. 1961: 426 evangelische, 21 römisch-katholische Einwohner. 1630: 22 einspännige Ackerländer, 2 Einläufige. 1867 (Erwerbspersonen): 172 Landwirtschaft, 2 Forstwirtschaft, 3 Bergbau und Hüttenwesen, 14 Gewerbe und Industrie, 3 Verkehr, 1 Gesundheitspflege, 1 Gemeindeverwaltung. 1961 (Erwerbspersonen): 157 Land- und Forstwirtschaft, 116 produzierendes Gewerbe, 17 Handel und Verkehr, 7 Dienstleistungen und sonstiges
  • 1885: 334 evangelisch, 2 katholisch
  • 1961: 300, davon 426 evangelisch (= 142.00 %), 21 katholisch (= 7.00 %)
Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1413: Gericht Wallau
  • 1572: Gericht Rossbach
  • 1577 und später: Gericht Rossbach im Gericht (Amt) Grund Breidenbach
  • 1787: Fürst zu Nassau-Diez, Dillenburg, Hadamar und Siegen (Nassau-Oranien), Fürstentum Dillenburg, Amt Herborn
  • 1806-1813: Großherzogtum Berg, Departement der Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Dillenburg, Amt Herborn
  • 1813-1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Herborn
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Herborn
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gladenbach
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsberzirk I (Kreisamt Herborn)
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Herborn
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (Umbenennung)
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg
  • 1933: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Biedenkopf
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis

Altkreis:

Biedenkopf

Gericht:

  • Das 1572 erstmals genannte Gericht Rossbach dürfte im Zuge eines Teilungsvertrages der Gerichtsrechte der Herren von Breidenbach im Breidenbacher Grund entstanden sein, als der Ort einem Zweig der Familie der von Breidenbach genannt Breidenstein, allein zugesprochen wurde. 1594 erwirbt der Landgraf von den Gerichtherren 1 Viertel am Gericht Rossbach. 1597 erstreckt sich die Kompetenz des Gerichts auf die niedere und hohe Gerichtsbarkeit, doch war sie zum damaligen Zeitpunkt schon lange nicht mehr ausgeübt worden
  • 1821-1823: Patrimonialgericht Grund Breidenbach
  • 1823-1851: Landgericht Gladenbach
  • 1851-1867: Landgericht Biedenkopf
  • 1867: Amtsgericht Biedenkopf

Herrschaft:

Angebliche Stadtrechtsverleihung durch Kömig Wenzel (1378-1400); nach Vorlage von Urkunden und Abschriften räumt Landgräfin Amalie Elisabeth 1646 der Gemeinde die Freiheit von Frondiensten und Einquartierungen gleich anderen Städten ein (Staatsarchiv Marburg 180 Biedenkopf Nr. 3897). Bereits 1605 waren die Einwohner von Rossbach dienstfrei, hatten jedoch das Besthaupt als Zeichen der Leibeigenschaft zu entrichten. 1577 und 1630 galt Rossbach dagegen als Dorf (vgl. Ziffer 2c)

Gemeindeentwicklung:

Am 1.7.1974 im Zuge der hessischen Gebietsreform der neu gebildeten Gemeinde Eschenburg eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1301 tragen die von Hohenfels, die Riedesel und die de Palude den Herren von Hanau Einkünfte in Rossbach zu Lehen auf. 1386 verkaufen Gerhard genannt Wolf von Selbach und seine Frau ihre Einkünfte aus Güterbesitz in Rossbach an ihren Neffen und Schwager Wilhelm von Selbach
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1577 und 1582: Pfarrei

Pfarrzugehörigkeit:

1613: Filiale von Oberhörlen/Lixfeld.

1628: Filiale von Simmersbach (bis 1. Hälfte 18. Jahrhundert), dann wieder Filiale von Oberhörlen.

1954: Filiale von Simmersbach.

Patronat:

1577 sind die von Breidenbach Patrone der damaligen Pfarrei

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Oberhörlen, Einführung der Reformation vermutlich ab 1526.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Breidenbach

Juden:

Bis 1835 beerdigte die israelitische Gemeinde in Breidenbach ihre Toten auf dem in der Gemeinde Rossbach gelegenen Judenfriedhof

Wirtschaft

Wirtschaft:

Silberbergbau seit 1695, zunächst in der Grube Gottesgabe (westlich Rossbach); 1696 waren 5, 1710 7 weitere Gruben in Betrieb. 1699: Errichtung einer eigenen Schmelzhütte. Blütezeit des Silberbergbaus bis etwa 1710, danach nur noch zeitweise von verschiedenen Gewerkschaften betrieben, so 1730/32; 1739- 1752; kurzzeitig 1759, 1767 und um 1784. Im 18. Jahrhundert zeitweilig auch Quecksilbergewinnung aus dem in den Gruben anfallenden Mulm. Im 19. Jahrhundert wechselten die Rossbacher Silbergruben mehrfach ihre Besitzer; die wiederholt aufgenommenen Inbetriebnahmen erbrachten jedoch nicht den erhofften Erfolg. Letztmalig wurden die Rossbacher Gruben 1917-1927 durch die Brüder Sally und Abraham Salm aus Köln betrieben. Neben Silbererzen wurde schon im 18. Jahrhundert in der Grube Gottesgabe auch nach Kupfererzen geschürft. Kupferschmelze um 1850 genannt; später abgebrochen. 1696-1702 wurde in der landgräfliche Münzstätte in Gießen Silber aus den Rossbacher Gruben zu ganzen und halben (Ausbeute-)Talern vermünzt; Bedeutung für den Zahlungsverkehr hatten diese zu repräsentativen Zwecken geprägten Stücke kaum

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Roth, Lahn-Dill-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/7920> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde