Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Staufenberg

Stadtteil · 216 m über NN
Gemeinde Staufenberg, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Stadt

Lagebezug:

9,5 km nordöstlich von Gießen

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit regelhaften Grundrißmerkmalen, am Nordrand des Gießener Beckens, 3 km nordöstlich des Zusammenflusses von Lahn und Lumda. Hauptkomplex der Siedlung südlich unterhalb der auf einem Basaltkegel 267 m hoch gelegenen Burgen. Auf halber Höhe des Berges umschloß eine Stadtmauer die Altstadt in einem Viertelkreis mit einem Stadttor an der tiefsten Stelle im Süden. Ehemalige Kirche südlich der Oberburg. Jüngere Wohnsiedlung südlich entlang der städtischen Ausfallstraßen und östlich in Richtung Mainzlar.

Unmittelbar westlich von Staufenberg führt die B 3 im Zuge der alten Landstraße Frankfurt-Bremen bzw. Kassel. Weitere Anbindung an das Straßenverkehrsnetz besteht über die Landesstraßen L3146 (Richtung Mainzlar und Daubringen), L3356 (Zubringer zur Bundesstraße B3 und Richtung Daubringen) und L3059 (Richtung Lollar).

Ersterwähnung:

1226

Siedlungsentwicklung:

Stadtentstehung im 14. Jahrhundert mit Ummauerung im Anschluß an die (Ober-)Burg als Siedlung für ziegenhainische Burgmannen. Stadtmauer vom quadratischen Torturm (1401 erbaut) im Süden aus nach W. und Nordwesten. um unterhalb der Hintergasse längs den Haingärten den Schutz im Südwesten. zu bilden. 1353 bereits zwei Siedlungsteile vorhanden. Beginn der Bebauung außerhalb der Stadtmauer im 17. Jahrhundert, merkliche Ausweitung aber erst seit dem 20. Jahrhundert, vor allem im flacheren Bereich des Bergkegels.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • (Ober-)Burg auf dem Gipfel der Felskuppe vermutlich Anfang 12. Jahrhundert von den Grafen von Ziegenhain als Vögten der Abtei Fulda erbaut; Dreigeschossiger Palas mit Umfassungsmauern im Nordosten, umgeben von nach Südwesten abgerundetem Rechteck mit Eingang an der O-Seite, dicht an der So-Ecke, wo die Stadtmauer in Richtung Süden ansetzt. 1647 Zerstörung durch hessen-kasselsche Truppen.- (Unter-)Burg südwestlich an die Mauer der Oberburg anschließend gegen Ende des 15. Jahrhundert erbaut; rechteckiges Wohngebäude mit Eckturm umgeben von Mauer mit drei Toren.

Älteste Gemarkungskarte:

1896-1901, 1846-1896 (Gefällkataster), 1954

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3480863, 5614129
UTM: 32 U 480796 5612323
WGS84: 50.66244056° N, 8.728289621° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531017030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 2857, davon 1426 Acker, 241 Wiesen, 1010 Wald
  • 1961 (Hektar): 841, davon 315 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 84 Hausgesesse
  • 1648: 48 Untert., 15 Witwen, 2 Befreite
  • 1669: 382 Seelen
  • 1742: 3 Geistl./Beamte, 92 Untert., 38 Junge Mannschaften
  • 1834: 541 Einwohner
  • 1885: 623 Einwohner
  • 1925: 950 Einwohner
  • 1939: 1010 Einwohner
  • 1950: 1582 Einwohner
  • 1961: 1609 Einwohner
  • 1830: 537 evangelische Einwohner 1961: 1295 evangelische, 302 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 126 Land- und Forstwirtsch., 450 Prod. Gewerbe, 107 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 99 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Staufenberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1300: Amt Staufenberg
  • 1556: Amt Gießen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberamt Gießen
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landamt Gießen
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gießen
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • 1821: Landgericht Gießen
  • 1879: Amtsgericht Gießen

Herrschaft:

Ursprünglich fuldisches Lehen der Grafen von Ziegenhain, die vermutl. von den Vogteirechten Besitzansprüche ableiteten. 1233 verzichtet Landgraf Konrad gegenüber Graf Berthold von Ziegenhain auf alle Rechte an der Burg Staufenberg.

Amt: Amtsbildung in Anlehnung an die Burg Staufenberg 2. Hälfte 13. Jahrhundert Staufenberger Amtmann zu 1296 gen. - Amtsherrschaft. 1300 bis 1450 ziegenhainisches Amt, dann in Besitz der Landgrafen von Hessen; 1305 sind Philipp III. und IV. von Falkenstein durch ihre Gemahlinnen an der Burg beteiligt, 1353 Verpfändung an Heinrich von Rollshausen und Volprecht Schabe. 1409 Verpfändung an den Mainzer Erzbischof Johann, der die Hälfte des Pfandes an Henne Waise von Fauerbach weiterverpfändet. 1426 Wiedereinlösung durch Graf Johann von Ziegenhain. 1440 Verpfändung der Hälfte der Burg an Eberhard von Rollshausen. 1446 entbindet Erzbischof Dietrich von Mainz Burgmannen, Bürgermeister und Bürger von Staufenberg von ihren Eiden, nachdem Graf Johann von Ziegenhain die mainzische Hälfte gelöst hat. Dieser versetzt 1447 die Hälfte an Schloß und Stadt Staufenberg für 4115 Gulden an Landgraf Ludwig unter dem Vorbehalt lebenslanger Verwaltung. 1450 huldigt die Stadt dem Landgrafen. Staufenberg ist unter den fuldisch Lehen, die Landgraf Ludwig in der Nachfolge der Graf von Ziegenhain erhält. 1466 wird die Hälfte an Thammo von Weitershausen versetzt. 1480 versetzt Landgraf Heinrich III. Johann Hucke das Amt Staufenberg, 1490 von Landgraf Wilhelm III. um drei Jahre an die Witwe verlängert. 1497 Verpfändung von Schloß, Stadt, Bürger und Einwohnern zu Staufenberg an Sittich von Berlepsch, 1507 Wiedereinlösung durch den Landgraf und erneute Verpfändung an Friedrich und Hans von Rollshausen. 1586 Einlösung der Pfandschaft durch Landgraf Ludwig IV. - Gerichtl. Kompetenz: Enklave im merenberg. Gericht Kirchberg, für die das Stadtgericht Staufenberg zuständig ist. - Amtmann zu 1296 (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 723); Rentmeister 1450; - Stadtgericht im Zuge der Stadtgründung als Gerichtsstand für die Bürgerschaft gebildet, zuständig für Fälle der niederen Gerichtsbarkeit. Oberhof ist das Marburger Hofgericht

Gemeindeentwicklung:

Stadtgründung in Anlehnung an die nach 1273 wiedererrichtete Burg. Mittelalterliches Stadtrecht nicht überliefert. Bürgermeister und Schöffen 1336 erwähnt (Baur, Hessische Urkunden 1 (Starkenburg und Oberhessen) Nr. 761), Bürgermeister und Schöffen 1367 erwähnt Landgräfliche Bestätigung der fryhiden gebräuch und rechten 1450. 1572 Stadtbrauch, der in zehn Punkten das Erbrecht regelt. 1605 Bestätigung der Rechte und Freiheiten durch Landgraf Ludwig. Nach Verlust der Stadtrechte Anfang 19. Jahrhundert Wiederverleihung 1960. Stadtsiegel: S(Igillvm) Opidanorvm In Sthofhinberg 1367 erwähnt (Ortswappenbuch Nr. 549). - Stadtherren waren zunächst die Grafen von Ziegenhain, seit 1450 die Landgrafen Seit Mitte des 14. Jahrhunderts wiederholte, langandauernde Verpfändungen der Stadt (vgl. Ziff. 3 a). - Bürgermeister und Rat führten die Verwaltung der Stadt. Das Ratskollegium setzte sich aus dem ersten und zweiten Bürgermeister und sechs Ratsherren zusammen. Bürgermeister und Schöffe 1336; Bürgermeister, Schöffen und Rat 1500 (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 111)

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Staufenberg, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Staufenberg.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1233 werden die Ziegenhainer im Besitz des fuldischen Lehnes in Staufenberg genannt.
  • 1283 einigt sich Landgraf Heinrich mit seinem Schwiegersohn Gottfried von Ziegenhain, daß, falls Gottfried kinderlos stirbt, seine Gemahlin Mechthild Ziegenhain, Treisa und Staufenberg als Wittum erhalten soll, das nach ihrem Tod an Gottfrieds Mutter und Schwester zurückfällt mit Ausnahme der vom Landgraf herrührenden Lehen (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 246).
  • Einkünfte des Kloster Hachborn in Staufenberg 1470-1527 Schunder, Die oberhessischen Klöster Nr. 998, 1015, 1023, 1030). 1527 hat Hachborn Einkünfte aus der Holzmühle (Holztzmoln) zu Staufenberg (Schunder, Die oberhessischen Klöster S. 421).
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche um 1500 errichtet

Patrozinien:

  • Petrus; Georg

Pfarrzugehörigkeit:

Mit Friedelhausen 1577 und später bei Kirchberg eingepfarrt.

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Kirchberg, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Kirchberger Pfarrer Johannes Girwig um 1536.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Kirchberg. Als Stadt war Staufenberg vom Sendger. eximiert

Juden:

Ab 17. Jahrhundert sind Juden in Staufenberg nachweisbar.

Bis in die 1840er Jahre gab es im Ort einen jüdischen Friedhof. Er wurde von den Behörden geschlossen. 1940 wurde der Friedhof endgültig zerstört. (alemannia-judaica)

Kultur

Historische Ereignisse:

1296 wird die Teilung des Landes zu Hessen in zwei Teile (Ober- und Niederhessen) vor König Adolf, Erzbischof Gerhard von Mainz, Erzbischof Siegfried von Köln, Herzog Rudolf von Bayer, Abt Heinrich von Fulda und anderen Herren und Rittern vor dem Hause Staufenberg vereinbart (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 365).

1796 Großbrand

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1450 bildet die Stadt Staufenberg ein gleichnamiges Amt, zu dem 1577 der Hof Friedelhausen gehört

Markt:

1680 Privileg der Landgräfin Elisabeth, dreimal im Jahr einen Markt abhalten zu dürfen. Schumacherzunft 1684

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Staufenberg, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10480> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde