Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Langsdorf

Stadtteil · 167 m über NN
Gemeinde Lich, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

4 km südöstlich Lich

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss und dichter Gehöftanordnung in dem nach Südosten offenem Talschluss eines Seitentals der Horloff. Ansätze eines gitterartigen Gassennetzes. Kirche im südlichen Ortsbereich an der überörtlichen Durchgangsstraße. Moderne Wohnsiedlung im Nordosten jenseits der Eisenbahnlinie.

Durch den Ort führt die B 457 (Lich-Hungen). Straßen nach Bettenhausen und Nonnenroth bzw. Nieder-Bessingen.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Gießen – Gelnhausen ("Lahn-Kinzig-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 29.12.1869).

Ersterwähnung:

771

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 771

Älteste Gemarkungskarte:

1907-1909

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3489779, 5595371
UTM: 32 U 489709 5593573
WGS84: 50.49403968° N, 8.854906529° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531011050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 4719, davon 2408 Acker, 330 Wiesen, 1981 Wald
  • 1961 (Hektar): 1229, davon 532 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1834: 798 Einwohner
  • 1885: 920 Einwohner
  • 1925: 939 Einwohner
  • 1939: 886 Einwohner
  • 1950: 1432 Einwohner
  • 1961: 1270 Einwohner
  • 1830: 775 evangelische, 1 römisch-katholischer Einwohner, 52 Juden. 1961: 960 evangelische, 277 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 270 Land- und Forstwirtsch., 222 Prod. Gewerbe, 71 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 71 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Langsdorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 771: Wetterau
  • 1787: Fürstentum Solms-Braunfels, Herrschaft Münzenberg, Amt Hungen
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Oberhessen, Amt Hungen (zur Standesherrschaft Solms gehörig)
  • 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Hungen
  • 1841: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Hungen
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda
  • 1874: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis

Altkreis:

Gießen

Gericht:

Herrschaft:

Bei der Teilung der Herrschaft Münzenberg unter den Söhnen Philipps I. von Falkenstein 1271 erhält Werner von Falkenstein u.a. das Gericht Langsdorf (Scriba, Bickenbach, S. 240-242 Nr. 14, Gudenus, Codex diplomaticus sive anecdotorum 2Nr. 139). Im Zuge des Teilungsvertrages des Jahres 1432 kommt Langsdorf an Graf Bernhard von Solms (Solmser Urkunden 1 Nr. 996).

Gemeindeentwicklung:

1977: Eingliederung nach Lich

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 771 schenken Heckehilt und ihr Sohn Hertuic dem Kloster Lorsch in Bettenhausen und Langsdorf 20 Morgen Ackerland.
  • 1347 belehnt Ulrich III. von Hanau den Friedberger Bürger Engel zu dem Hune und Angehörige mit 1 Sechstel des Zehnten zu Langsdorf, den bisher Heinrich von Eichen zu Lehen trug (Urkundenbuch der Herren von Hanau 2 Nr. 717).
  • 1347 kauft Markolf von Hattstein von den von Falkenstein einen Teil des Vogtkorns zu Langsdorf (Solmser Urkunden 1 Nr. 276). 1355 bezeugt Philipp d. J. von Falkenstein das Wittum seiner Schwester Agnes mit hersfeldischen Lehnsgütern zu Langsdorf (Löffler, Herren von Falkenstein Bd. 2 Nr. 1125). 1380 bewittumt Philipp von Falkenstein seine Frau Else auf Langsdorf (Löffler, Herren von Falkenstein Bd. 2 1527). 1384 bekundet Abt Berthold von Hersfeld, dass er dem Hersfelder Dekan Albrecht von Landeck alle Stiftsgefälle zu Hungen, Meßfelden, Langsdorf, Feldheim und Zelle für 212 Gulden verkauft habe. 1395 bekundet Albrecht von Landeck, die gen. Gültrechte dem Sintrum Keller zu Lich verkauft zu haben (Solmser Urkunden 1 Nr. 490, 565).
  • 1390 bestätigt und erneuert Hille, Tochter Konrad Schildes, ihre schon früher gemachte Schenkung von Gütern zu Hungen, Langsdorf und Maßfelden an Kloster Arnsburg (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 1095).
  • 1413 verkauft Ritter Helfrich von Trohe Stift Wetzlar eine Gülte von seinem Hof zu Langsdorf (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 3 Nr. 703).

Zehntverhältnisse:

1327 gestattet Kloster Hersfeld, daß Kuno von Falkenstein seine Gattin Anna mit dem halben Zehnten zu Langsdorf bewittumt (Uhlhorn, Archiv Laubach, Löffler, Herren von Falkenstein Bd. 2 Nr. 764).

1420 belehnen die Grafen von Solms die von Sassen mit dem Zehnten zu Langsdorf (Solmser Urkunden 1 Nr. 873.) 1436 streiten sich die Grafen Bernhard von Solms-Braunfels und Johann von Solms-Lich u.a. um die hersfeldischen Zehnten zu Langsdorf (Solmser Urkunden 1 Nr. 1035).

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1465 Filiale von Hungen, dann selbst. Pfarrei (vgl. jedoch Solmser Urkunden 2 Nr. 1820, wonach 1481 die Kirche Filiale von Hungen ist. 2. Hälfte 16. Jahrhundert mit Pfarrei Bettenhausen zusammengelegt.

Patronat:

Marienstift Lich (Nominationsrecht, Solms-Lich (Präsentationsrecht) (Küther, Marienstift Lich, S. 419 f. Nr. 378-380).

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Martin Feldt 1560(?)-1582

Reformierter Bekenntniswechsel: 1582

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Mariengreden, Dekanat Friedberg, Sendbezirk Hungen

Juden:

Juden in Langsdorf seit 1705 nachweisbar. 1830: 52, 1905: 36 Juden.

- Urspr. nach Hungen gehörig, 1769 eigene Synagoge genehmigt. Errichtung einer (neuen?) Synagoge 1866. Der zuständige Friedhof lag in Hungen und Muschenheim.

Kultur

Historische Ereignisse:

Im den vier Verträgen von Langsdorf vom 10./11. September 1263 überließ der Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein Landgräfin Sophie und ihrem Sohn Heinrich I. von Hessen die Verfügungsgewalt über die strittigen mainzischen Lehen in Hessen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Langsdorf, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10369> (Stand: 16.10.2018)
 
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