Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Eberstadt

Stadtteil · 182 m über NN
Gemeinde Lich, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km südwestlich von Lich

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrißmerkmalen im Talhaupt eines Nebentals der Wetter. Kernbereich der Siedlung straßendorfartig angelegt entlang der in Ortsmitte abknickenden überörtlichen Straße von Ober-Hörgern nach Arnsburg sowie entlang einer parallel geführten Gasse. Kirche am Nord-Rand des Ortes auf Geländevorsprung. Am Südrand des Ortes Hofgut mit Herrenhaus und Resten der ehem. Ummauerung ('Pfaffenhof'). Neubaugebiete im Süden und Osten

Ersterwähnung:

750/802

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 788 (vgl. Ziff. 2 b)

Älteste Gemarkungskarte:

1845-1856

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3482956, 5593862
UTM: 32 U 482888 5592064
WGS84: 50.48031522° N, 8.758820955° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531011040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 2152, davon 1910 Acker, 177 Wiesen, - Wald
  • 1961 (Hektar): 546, davon - Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1834: 457 Einwohner
  • 1885: 516 Einwohner
  • 1925: 515 Einwohner
  • 1939: 505 Einwohner
  • 1950: 979 Einwohner
  • 1961: 863 Einwohner
  • 1830: 437 evangelische Einwohner 1961: 578 evangelische, 278 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 194 Land- und Forstwirtsch., 186 Prod. Gewerbe, 42 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 32 Dienstleistung(en) und Sonst

Diagramme:

Eberstadt: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Amt Niederweisel
  • 788: Wetterau
  • 1548 und später: Amt Butzbach
  • 1787: Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Nieder-Weisel
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Oberhessen, Amt Lich (zur Standesherrschaft Solms gehörig)
  • 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Hungen
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • 1822: Landgericht Lich
  • 1879: Amtsgericht Lich
  • 1934: Amtsgericht Butzbach

Herrschaft:

1434 befreien die Brüder Graf Bernhard und Graf Johann von Solms sowie Gottfried und Eberhard von Eppstein die Höfe und Landsiedel des Kloster Arnsburg zu Muschenheim, Birklar, Bellersheim, Utphe, Münster, Holzheim, Eberstadt, Kolnhausen, Hof Güll von allen Diensten, Steuern, Beden mit Ausnahme der herkömmlichen Dienste (Solmser Urkunden 1 Nr. 1006). 1478 erwirbt Graf Otto von Solms als Vormund der Kinder des verstorbenen Graf Kuno von Solms die königstein. Anteile an Butzbach, Grüningen, Nieder-Weisel mit Hausen, die beiden Dörfer Eberstadt und Hörgern... und am Hain bei Arnsburg (Solmser Urkunden 2 Nr. 1762).

Gemeindeentwicklung:

1971: Eingemeindung in die Stadt Lich

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 750/802 überträgt Boûzerich Kloster Fulda 1 Hufe zu Eberstadt.
  • 788 schenkt Heremann dem Kloster Lorsch in Eberstadt 2 Hufen mit einem Gebäude und Zubehör sowie 25 Manzipien (vgl. Ziff. 2b. 790 schenkt der Kleriker Dorolf dem Kloster Besitz in fünf Orten, darunter E.; 804 schenkt Warburg dem Kloster Besitz in sechs Orten, darunter Eberstadt. (Codex Laureshamensis III Nr. 2934=3758a, 2963=3764d). Lorscher Hubenliste (1. V. XII): 6 Hufen, von denen eine der villicus besitzt (Codex Laureshamensis III Nr. 3678).
  • Um 1255 führt das Lehnsverzeichnis Gerhards III. von Eppstein eine curia in Eberstadt als Besitz des Kloster Lorsch auf (Codex Laureshamensis III 3678 Anm 9). Später ist der Lorscher Besitz bzw. Hof an die Grafen von Nürings und von diesen an Wortwin von Homburg und in dessen Nachfolge an die Herren von Eppstein verlehnt. 1250/60 sind 5 Hufen in Eberstadt eppstein. Lehen des Eberwin Cranich von Cransberg, der den Besitz mit eppsteinischen Einwilligung 1253 an Kloster Arnsburg verkauft (Wagner, Die eppsteinschen Lehensverzeichnisse, S. 61 Nr. 72, S. 66 Nr. 87, S. 85 Nr. 166, Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 62). - 1252 verkauft Ulrich II.von Münzenber 4 Hufen (ausgenommen 4 Morgen) in Eberstadt an Kloster Arnsburg (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 62). Im selben Jahr erhält Arnsburg von bestimmten Personen als Seelgerätstiftung eine Gülte auf Güter zu Eberstadt. Im selben Jahr verkauf Ritter Eberwin Cranech dictus de Cranechesberg Kloster Arnsburg alle seine Güter in Eberstadt. 1259 verkaufen Kuno, Zentgraf in Eberstadt, Arnsburg seinen Hof in E. 1262 erwirbt Arnsburg den Güterbesitz des Gieselbert von Hörgern am Ort.
  • 1266 überträgt Werner von Falkenstein Kloster Arnsburg eine Gülte in Eberstadt. 1268 bekunden Philipp und Werner von Falkenstein, ihren Hof zu Eberstadt Kloster Arnsburg verkauft zu haben. 1270 verkauft Philipp von Falkenstein mit Einwilligung seiner Söhne Philipp und Werner Arnsburg den 3. Teil des Hofes Eberstadt, den er von einem Herrn von Weinsberg ererbt hat, an das Kloster 1270 bewilligt Kloster Fulda den Verkauf des Hofanteils, der von Fulda zu Lehen geht, wofür dieses Güter zu Assenheim zu Lehen aufgetragen erhält. 1282 erhält Arnsburg eine Gülte Heidenreichs von Elkershausen aus dessen Hof zu Eberstadt. 1287 erwirbt Arnsburg von dem Friedberger Bürger Guntram von Holzheim alle seine Güter in Klein- und Groß-Holzheim und Eberstadt mit allem Zubehörechts 1307 verkauft Philipp von Falkenstein Arnsburg eine Gülte, die in Eberstadt fällt. 1319 bestätigt die in Wetzlar ansässige Elisabeth von Göns die vor mehreren Jahren gemachte Schenkung von Gütern in Eberstadt an Arnsburg. 1326 überträgt Richard von Muschenheim, Lehnsmann Philipps von Falkenstein und Kunos von Münzenberg Arnsburg einen jährl. Zins in E. 1347 erhält Sippel Strochin von Eberstadt von Arnsburg den großen Weingarten zu Eberstadt und den dazugehörigen Hof in Erbpacht; den kleinen Weingarten verpachtet Arnsburg 1347 an Johann gen. von Eberstadt. 1352 schenkt Rule gen. Treise Arnsburg 1 Morgen land in Eberstadt, gelegen an dem Klosterweg. 1356 kauft das Kloster die Güter des Byele von Rockenberg zu Eberstadt. 1362 verkauft Ritter Richard von Muschenheim d. Ä. Arnsburg 9 Mo und 7 Ruten Ackerl, die in den Gemarkung Trais [/Münzenberg] und Eberstadt liegen. 1367 erhält Arnold von Rockenberg von Arnsburg zu Erbpacht einen Acker bei dem Kirchhof zu Eberstadt. 1367 verkauft Rulo, Priester zu Friedberg und Dechant zu St. Katharinen zu Oppenheim, Arnsburg Haus, Hof und Hofraite zu Eberstadt. (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 59, 62 f., 81, 94, 108, 116, 125 f., 193, 218, 357, 500, 502, 585, 738 f., 795, 835, 899, 956,960).
  • 1263 bekundet Pfalzgraf Ulrich von Tübingen, daß er Philipp d. Ä. von Falkenstein eine Holzberechtigung für den Hof zu Eberstadt verliehen habe (Solmser Urkunden 1 Nr. 12). 1266 tragen Philipp d. Ä. von Falkenstein und seine Söhne Stift Fulda die Hälfte der Burg Dorfelden und andere Besitzungen zu Lehen auf als Ersatz für das an Kloster Fulda verkaufte Eberstadt mit Zubehörechts Fulda gibt dem Falkensteiner das Eigentumsrecht an 2 Dritteln des dem Kloster Arnsburg verkauften Hofes zu Eberstadt, nachdem die von Falkenstein vorher als Ersatz die Hälfte der Burg Dorfelden zu Lehen aufgetragen hatte (Urkundenbuch der Herren von Hanau 1 Nr. 416 f.).
Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1361 Filiale von Trais-Münzenberg, seitdem eigene Pfarrei (Vignener, Reg. Mainz Nr. 1369). 1462 Kloster Arnsburg inkorporiert, seit der Reformation wieder Pfarrei; 1612-1648 wurde zeitw. Filiale Ober-Hörgern von Eberstadt versorgt. 1803 wird Kloster Arnsburg eingepfarrt.

Patronat:

Ursprünglich wohl der Pfarrer der einstigen Mutterkirche, seit 1323 also Kloster Arnsburg, so auch 1461 und später (bis 1803); seitdem gehörte der Patronat dem Gesamthaus Solms, seit 1811 Solms-Lich.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Hartmann Bruiler 1564

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, ab 1637 lutherisch, nach 1648 wieder reformiert.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Trais-Münzenberg. Dekanat Friedberg im Archidiakonat St. Mariengreden zu Mainz

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Heinrich Garbius 1607-1614

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Eberstadt, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10256> (Stand: 16.10.2018)
 
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