Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Utphe

Stadtteil · 138 m über NN
Gemarkung Uthphe, Gemeinde Hungen, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

10,5 km südöstlich von Lich

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrißmerkmalen im weit ausladenden Tal der Horloff. Straßendorfartiger Besiedlung beiderseits entlang der Straße nach Unter-Widdersheim. Neubausiedlung im Südwesten.

Im Westen führt die B 489 im Zuge der alten Handelsstraße durch die "kurzen Hessen" an Utphe vorbei. Straße nach Unter-Widdersheim

Ersterwähnung:

773

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 1191

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1848

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3491944, 5588966
UTM: 32 U 491873 5587170
WGS84: 50.43649425° N, 8.885555797° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531008110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 1588, davon 1084 Acker, 443 Wiesen, - Wald
  • 1961 (Hektar): 513, davon - Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1631: 48 Untert., 3 Witwen
  • 1834: 551 Einwohner
  • 1885: 510 Einwohner
  • 1925: 556 Einwohner
  • 1939: 542 Einwohner
  • 1950: 777 Einwohner
  • 1961: 683 Einwohner
  • 1830: 542 evangelische, 8 römisch-katholische Einwohner, 9 Juden. 1961: 548 evangelische, 129 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 138 Land- und Forstwirtsch., 137 Prod. Gewerbe, 43 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 21 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Utphe: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 773: Wetterau
  • 1321 und später: Zubehör des Gerichts Trais-Horloff zu erschließen (Franz, Klosterarchive 6 Nr. 333)
  • 1787: Grafschaft zu Solms-Laubach (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Utphe (zum Umfang des Amtes s. Mittelpunktfunktion)
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Oberhessen, Amt Utphe (zur Standesherrschaft Solms gehörig)
  • 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Hungen
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda
  • 1874: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • 1822: Landgericht Laubach, seit 1848 Landgericht, seit 1879: Amtsgericht Hungen, seit 1934: Amtsgericht Nidda

Herrschaft:

1434 befreien die Brüder Graf Bernhard und Graf Johann von Solms sowie Gottfried und Eberhard von Eppstein die Höfe und Landsiedel des Kloster Arnsburg zu Muschenheim, Birklar, Bellersheim, Utphe, Münster, Holzheim, Eberstadt, Kolnhausen, Hof Güll von allen Diensten, Steuern, Beden mit Ausnahme der herkömmlichen Dienste (Solmser Urkunden 1 Nr. 1006)

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 Eingliederung nach Hungen

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 773 schenkt Albuin dem Kloster Lorsch in Utpheer Mark 4 Morgen Ackerland. 1150 schenken Adalbert und seine Söhne Friedrich und Konrad genannte Leibeigene aus Utphe an das Kloster Schiffenberg.
  • 1191 verpachtet Erzbischof Konrad von Mainz auf Lebenszeit die wenig ertragreichen Güter des Benediktinerklosters Breitenau zu Utphe im Austausch mit ungenannten erzstiftischen Besitzungen (Mainzer Urkundenbuch 2, 1, 2).
  • 1256 kauft der Ritter Guntram von Ulfa Güter zu Utphe den bisherigen erblichen Besitzern ab. Die Rechte des Kloster Breitenau an diesen Gütern bleiben allerdings unangetastet. 1261 beendet Kloster Breitenau seinen Streit mit Ritter Guntram durch Verzicht auf die strittigen Güter in Utphe und alle sonstigen Forderungen. Das Kloster verpflichtet sich zu einer jährl. Zahlung an Gunter zu dessen Lebzeiten, danach fällt die Gülte an das Kloster zurück.
  • 1263 verkauft Guntram seine Güter samt einer Mühle ebd. an der Horloff wegen Verschuldung an Kloster Haina. 1282 übereignet Kloster Breitenau seine Güter zu Utphe an Haina. 1304 verzichtet Kloster Haina auf alle Ansprüche gegen Ritter Guntram von Ulfa wegen der Güter des Kloster in Utphe, die sie Guntram übereignen. 1306 werden die Güter wiederum dem Kloster zugesprochen (Franz, Klosterarchive 6 Nr. 45, 84; Franz, Kloster Haina 1 Nr. 260, 345, 394, 710 f.).
  • 1270 übertragen die Herren von Falkenstein die Güter zu Utphe, welche die ritterbürtigen Brüder Brandan und Wigand von ihnen zu Lehen tragen, auf deren Bitten an Kloster Haina und lassen sich im Tausch dafür von den Rittern Güter in Göns zu Lehen auftragen.
  • 1282 bekunden die Herren von Falkenstein als Lehnsherren, daß Hartmud von Karben eine halbe Hufe bei Utphe Haina übertragen habe. 1293 verkauft Rupert von Karben mit Zustimmung der von Falkenstein sämtliche Güter zu Utphe an Haina. 1297 stimmen die von Falkenstein, von Limburg und von Hanau dem von Rupert und Hartmut von Karben getätigten Verkauf von Gütern zu Utphe zu (Franz, Kloster Haina 1 Nr. 551, 713 f., 821, 823, 825, 865).
  • 1306 verkauft Kloster Marienborn dem Kloster Haina seine Güter. Fortlaufend erwirbt das Kloster in den Jahren 1312-1332 weiteren Güterbesitz zu Utphe (Franz, Klosterarchive 6 Nr. 93, 205-207, 359, 391, 412, 419, 420, 426, 440, 463).
  • 1325 genehmigt Kloster Fulda auf Bitten Hainas, daß die Einwohner des fuldisch Gerichts Berstadt von ihm und seinen Beamten ungehindert in der hainaer Mühle bei Utphe mahlen lassen bzw. der dortige Müller in das Gericht kommt, um das mahlgetreide mit eigenem Fuhrwerk abzuholen (Franz, Klosterarchive 6 Nr. 394).
  • 1383 verkauft Johann von Langenstein dem Ritter Gerhard von Hüftersheim sein Gut zu Utphe.
  • 1405 überläßt Ritter Henne Groppe von Bellersheim Kloster Arnsburg eine Gülte von dieser Hufe (Solmser Urkunden 1 Nr. 480, 677).
  • 1434 befreit Graf Johann V. von Solms gleich den anderen Falkensteiner Erben die Arnsburger Höfe zu Utphe und Münster von allen Abgaben auf 21 Jahre (Uhlhorn, Grafen von Solms, S. 400). 1528 verkauft Kloster Haina Graf Philipp von Solms-Münzenberg für 2000 fl. seinen Hof zu Utphe samt Zinsen zu Ober-Bessingen, Ettingshausen, Gontershausen, Laubach, Trais-Horloff.
  • Bestätigung durch Landgraf Philipp 1529 (Solmser Urkunden 3 Nr. 2654, 2680; Franz Haina II?). 1537 bekundet Graf Philipp von Solms, daß er Kloster Arnsburg 125 Morgen Ackerland u.a. Güter übereignet habe, wofür er Güter zu Utphe erhält (ebd. 2767, Hanina II?).
  • 1587 steht die solmsische Mühle zu Utphe in Erbleihe des Gebhard Streb. 1633 wird Johann Heckmann damit belehnt (Solmser Urkunden 3 Nr. 3521 f., Solmser Urkunden 4 Nr. 3973 f.).

Zehntverhältnisse:

1423 verkauft Hartmann von Hoghenfels Kloster Haina seinen Anteil am kleinen und großen Zehnt von Uthpe; weitere Anteile erwirbt Haina 1464 (Franz, Klosterarchive 6 Nr. 923, 1041).

1461 bekundet Graf Otto von Solms, daß er dem Heilmann von Bellersheim jew. einen Teil des Zehnten zu Bellersheim, Utphe, Graß und Geiß-Nidda zu einem münzenbergischen Mannlehen verliehen habe (Solmser Urkunden 2 Nr. 1439).

1569 bekundet Graf Hans-Georg von Solms, daß ihm das Domkapitel zu Mainz den Präsenz-Zehnten zu Utphe, Trais-Horloff, Inheiden und Feldheim auf 9 Jahre verliehen habe; dto Leihe auf 12 Jahre 1610 (Solmser Urkunden 3 Nr. 3584, Solmser Urkunden 4 Nr. 3720).

Nach 1414 hat Henne von Bellersheim als Mannlehen den Hof zu Obbornhofen mit Zubehör, nämlich 3 Hufen Land, den Schafhof mit Behausungen und Höfen, den Zehnten zu Utphe und eine Hofstatt ebd. (Demandt, Regesten Kopiare 1 Nr. 584).

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

Wohl schon vor der Reformation Filiale von Trais-Horloff

1900: bei Trais/Horloff eingepfarrt

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Solms-Laubach ab 1544.

Juden:

1830: 9, 1905: 7 Juden

Als jüdischer Begräbnisplatz diente der Friedhof von Hungen.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1787 gehörten zum Amt Umfang Inheiden, Münzenberg (Stadt), Trais-Horloff, Trais-Münzenberg, Utphe und Wohnbach sowie Feldmark Feldheim bei Inheiden.

Mühlen:

1587 ist die Mühle von den Grafen von Solms in Erbleihe vergeben.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Utphe, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10504> (Stand: 16.10.2018)
 
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