Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Alten-Buseck

Ortsteil · 226 m über NN
Gemeinde Buseck, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

7 km nordöstlich von Gießen

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrißmerkmalen an einem breiten, nach Süden in das Wiesecktal auslaufenden Hang. Der Hauptkomplex der Siedlung mit Kirche in zentraler Lage erstreckt sich in linearer Ausrichtung entlang eines mehrgliedrigen regelhaften Straßen- und Wegenetzes. Neubaugebiete nördlich und südlich des Ortes. Südwesten. Gewerbegebiet Flößerweg.

Straßenverbindung nach Daubringen, Großen-Buseck, Trohe und Wieseck.

Ersterwähnung:

9. Jahrhundert

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • 3 Burganlagen der Herren v Buseck und ihrer Nebenlinien: Zaunburg mit Wassergraben am Nordwesten-Rand Ende des 14. Jahrhundert als Stammsitz err. (um 1950 letzte Reste beseitigt und Gräben verfüllt). Brandsburg als Sitz derer v Buseck, gen. Brand, 1490 erwähnt, quadratische Anlage, die 1736 durch einen Neubau ersetzt, später als Zigarrenfabrik genutzt wird. Hofburg, an der Stelle des späteren Pfarrhofes verm., 1393 erwähnt, von der Busecker Nebenlinie Rüsser bewohnt, 1576 baufällig.

Älteste Gemarkungskarte:

1858

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3482726, 5609611
UTM: 32 U 482658 5607807
WGS84: 50.62188478° N, 8.754849° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531003010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 3569, davon 2327 Acker, 728 Wiesen, 514 Wald
  • 1961 (Hektar): 968, davon 220 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 72 Hausgesäße
  • 1630: 14 zweispänn., 15 einspänn. Ackerl., 4 Witwen, 17 Vormundsch.
  • 1669: 326 Seelen
  • 1742: 1 Geistl./Beamter, 79 Untert., 23 Junge Mannschaften, 14 Beisassen/Juden
  • 1804: 720 Einwohner
  • 1834: 1113 Einwohner
  • 1885: 1225 Einwohner
  • 1925: 1284 Einwohner
  • 1939: 1294 Einwohner
  • 1950: 1773 Einwohner
  • 1961: 1774 Einwohner
  • 1830: 943 evangelisch, 5 römisch-katholisch Einwohner, 66 Juden
  • 1961: 1446 evangelisch, 284 römisch-katholisch Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 203 Land- und Forstwirtsch., 440 Prod. Gewerbe, 119 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 137 Dienstleistung(en) und Sonst

Diagramme:

Alten-Buseck: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 9. Jahrhundert: Lahngau
  • Ursprüngl. Gerichtsort des Busecker Tals (vgl. Großen-Buseck)
  • 1508 und später: Gericht Busecker Tal
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Ganerbschaft des Busecker Tals (Freiherr von Buseck und Freiherr von Buseck, genannt Brand je zur Hälfte)
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gießen
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • 1823: Landgericht der Freiherr von Buseck, seit 1827: Landgericht, seit 1879: Amtsgericht Gießen

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1977 Eingliederung nach Buseck

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Stammsitz der Herren von Buseck, die 1393 die Hofburg von den Landgrafen von Hessen zu Lehen erhalten.
  • Vor 775 erhält Kloster Hersfeld eine Schenkung freier Leute zu Buseck (vgl. Ziff. 2b).
  • Trutwin und Elberich übertragen 802/817 Kloster Fulda Güter zu Buseck und Wüstung Bramaren.
  • Um 1148 bestätigt Papst Eugen III. dem Kloster Schiffenberg seinen Besitz in Buseck (Alten-, Großen- ?) (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1335).
  • 1220/1233 erwirbt Kloster Arnsburg vom Stift St. Alban zu Mainz 25 Morgen Land in Buseck und Dörfeln. 1245 verzichtet Konrad Setzepfand von Trohe gegenüber Arnsburg auf sein Vogteirecht in Buseck und auf die Güter des Konrad Phrime, die das Kloster vor 30 Jahren erworben hat (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 10, 43). 1263 überträgt Pfalzgraf Ulrich von Tübingen dem Kloster Hof zu (Alten-) Buseck das Holzungsrecht im Wiesecker Wald (Kraft, Geschichte von Gießen, Urkundenbuch Nr. 25); 1272 bestätigt Landgraf Heinrich dieses Recht (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 167). 1274 verzichten Ritter Mengoz gen. Knyben und sein Bruder Heinrich im Streit mit Kloster Arnsburg auf ihren Hof zu Buseck. 1320 verkauft Ritter Heidenreich von Dernbach Kloster Arnsburg alle seine Güter in Alten-Buseck und Foxrode. 1331 verzichten beide, nachdem sie vom Kloster Arnsburg 10 Pfd. Heller erhalten haben, an den vormals von ihnen dem Kloster verkauften Gütern zu Alten-Buseck und Foxrode (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 226). 1349 verkauft Gele, Witwe des Ritters Wigand Kesselring, Arnsburg ihre Güter zu Buseck. 1350 verkauft der Marburger Bürger und Schöffe Konrad von Grünberg dem Kloster seine Rechte am Hof zu Buseck (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 143, 524, 756, 767).
  • 1296 verzichtet der Geistliche Widekind von Buseck gegen eine Geldabfindung auf die Güter zu Alten-Buseck, die sein Vater Emicho und seine Schwester Kunigunde den Nonnen zu Schiffenberg gegeben haben (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1385). Stift Zelle (Schiffenberg) verfügt im 14. Jahrhundert über weitere Pachteinnahmen (Römer, Einkünfteverzeichnisse).
  • 1489 gelangt der Besitz an die Antoniter in Grünberg (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 593).
  • 1344 verleihen Markle von Colhusen, Stiftsherr zu Wetzlar, und Ritter Gilbracht von Weitershausen ihre Güter zu Alten-Buseck an Happele von Wigandishusen zu Landsiedelrecht. 1346 verkauft Elisabeth, Witwe Krafts von Weitershausen, mit Einwilligung ihrer Erben ihren Anteil der Höfe zu Alten-Buseck und zu Wigandshausen mit Zubehör sowie ihr ganzes Gut (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 2 Nr. 482).
Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Georg

Pfarrzugehörigkeit:

Im 16. und 17. Jahrhundert Filial von Großen-Buseck. Im 18. Jahrhundert als Pfarrei bezeichnet, wurde es 1838 von Großen-Buseck getrennt.

Patronat:

Die Kollatur stand den Großherzögen von Hessen zu.

Klöster:

  • Begine 1302

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Großen-Buseck, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Großen-Busecker Pfarrer Paulus Hain vor 1549.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Amöneburg, Sendbezirk Buseck

Juden:

Ab 1620 sind Juden in Alten-Buseck nachweisbar. 1830: 61, 1905: 28 Juden.

Ursprünglich fanden die Beerdigungen in Großen-Buseck statt, später wurde ein jüdisches Gräberfeld innerhalb des Gemeindefriedhofes eingerichtet. (alemannia-judaica)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Alten-Buseck, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10244> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde