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5020 Gilserberg
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 51. Gilserberg

Winterscheid

Ortsteil · 360 m über NN
Gemeinde Gilserberg, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

13,5 km westlich von Ziegenhain.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss am Osthang des gleichnamigen Berges über dem Talgrund eines kleinen Bachlaufs.

Straßen von Itzenhain bzw. Mengsberg führen durch Winterscheid und treffen ca. 1 km nordwestlich des Ortes auf die Bundesstraße 3 (alte Landstraße Frankfurt (Main) - Kassel).

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Kalkwerk,
  • Kellerwald (Burschenhain),
  • Wüstung Almarsdorf (?),
  • Wüstung Groß-, Kleinrode (?)

Umlegung der Flur:

1949/1952

Älteste Gemarkungskarte:

1754

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3502982, 5643586
UTM: 32 U 502907 5641768
WGS84: 50.92754473° N, 9.041358217° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634006110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 367 stellbares Land, 104 Wiesen, 10 Gärten, 137 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 361, davon 94 Acker (= 26.04 %), 28 Wiesen (= 7.76 %), 202 Holzungen (= 55.96 %)
  • 1961 (Hektar): 322, davon 112 Wald (= 34.78 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1557: 3, 1585: 6 Hausgesesse.
  • 1639: keine Angabe. 1681: 6 Hausgesesse.
  • 1776: 16 Wohnhäuser, 79 Einwohner.
  • 1776: 2 Kalk- und Ziegelbrenner, 1 Schneider, 1 Schmied, 2 Tagelöhner, 1 Schäfer.
  • 1838 (Familien): 10 Ackerbau, 7 Gewerbe, 20 Tagelöhner.
  • 1838: 209, 1885: 210 Einwohner.
  • 1861: 208 evangelisch-reformierte, 1 evangelisch-lutherischer Einwohner.
  • 1885: 210, davon 210 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 201, 1939: 175, 1950: 229, 1961: 195 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 73 Land- und Forstwirtschaft, 39 produzierendes Gewerbe, 7 Handel- und Verkehr, 2 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 195, davon 175 evangelisch (= 89.74 %), 20 katholisch (= 10.26 %)

Diagramme:

Winterscheid: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1368 und später: Amt Schönstein
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Jesberg
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Treysa
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • Frühe Gerichtszugehörigkeit vgl. Herrschaft.
  • 1822: Justizamt Treysa.
  • Seit 1867: Amtsgericht Treysa.

Herrschaft:

1265 bekunden die Grafen Siegfried von Wittgenstein und Widukind von Battenberg, dass Ritter Bruno von Gerwigshain das von ihnen zu Lehen gehende Gericht über die Dörfer Winterscheid und Lischeid aufgelassen und um Übertragung an das Kloster Haina gebeten haben. Nach ersatzweiser Auftragung von Einkünften in Momberg durch Bruno haben die Grafen das Gericht an Haina verliehen und ihrerseits ihre Lehnsherren, die Grafen von Nassau, um lehnsherrliche Bestätigung dieser Neubelehnung gebeten.

1266 suchen die Grafen von Nassau beim Erzstift Mainz um Bestätigung der Belehnung nach.

1267 übernehmen die Grafen von Ziegenhain den Schutz der Dörfer Winterscheid und Lischeid und der dort wohnenden Menschen, solange das Kloster dies wünscht.

1342 lassen sich die Grafen von Ziegenhain von Haina ein Vorkaufsrecht auf die Gerichte der vier hainischen Dörfer Winterscheid, Lischeid, Gerwigshain und Moischeid verbriefen.

1350 überlässt Haina tauschweise den Grafen von Ziegenhain die Gerichtsbarkeit zu Winterscheid.

Um 1376 belehnt Landgraf Hermann Johann von Homberg mit Winterscheid.

Später wieder ziegenhainisch (Amt Schönstein).

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neuen Gemeinde Gilserberg zusammengeschlossen, deren Ortsteil Winterscheid wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1216 bestätigt Papst Honorius III. Kloster Haina unter anderem seinen Besitz in Winterscheid [?] (vgl. Klosterarchiv V Nr. 15a, S. 430).
  • 1252 bestätigt Graf Gottfried von Reichenbach Kloster Haina seine Erwerbungen im Dorf Winterscheid.
  • 1260 bekundet Gräfin Eilika von Ziegenhain, dass Heinrich von Obenrode und seine Frau Hedwig den von Hedwig gesamter Hand mit ihrem verstorbenen Ehemann Dietrich Sezepant mit dem Kloster vereinbarten Tausch ihrer sämtlichen Güter in Winterscheid gegen zwei Vorwerke (allodia) des Klosters in Wiera zunächst widerrufen, nach einiger Zeit aber doch bestätigt haben.
  • 1266 erwirbt das Kloster von der Propstei Neuenberg bei Fulda die Pfründe des Propstes Ortwin in Winterscheid zu dauerndem freien Besitz.

Zehntverhältnisse:

1249 war der Zehnte zu Winterscheid zur Hälfte hersfeldisches Lehen Graf Gottfrieds von Reichenbach. Die andere Hälfte war offenbar damals ebenfalls als hersfeldisches Lehen im Besitz der ziegenhainischen Linie des Grafenhauses (Klosterarchiv V Nr. 430 f.).

1249 verkaufen Ritter Heinrich von Anraff und seine Ganerben, die Krug, die reichenbachische Hälfte mit Einwilligung Hersfelds dem Kloster Haina.

1253 behalten sich die Krug gleichwohl Zehntrechte in Winterscheid vor (vgl. Herrschaft).

1260 und 1264 werden neuerliche Ansprüche der von Anraff und Krug, und zwar auf den ganzen Zehnt, abgewiesen; die Ganerben leisten gegenüber dem Kloster Haina vollständigen Verzicht.

1354 bestätigt das Erzstift Mainz Kloster Haina im Besitz des Zehnten zu Winterscheid.

Ortsadel:

um 1230-1260.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Pfarrei zu 1252 zu erschließen (Klosterarchiv V Nr. 196).
  • bis 1363: plebanus

Pfarrzugehörigkeit:

Nach der Reformation bei Sachsenhausen eingepfarrt, so 1585.

1624-1673: nach Josbach, dann wieder bei Sachsenhausen eingepfarrt.

1868-1877 und 1893-1903 mit Heimbach Zubehör des Vikariats, seit 1903 der Pfarrei Lischeid.

Patronat:

1252 und 1350 verfügt Kloster Haina über den Patronat der Kirche.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Grüßen

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Winterscheid, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4807> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde