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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 52. Ziegenhain

Spieskappel

Ortsteil · 250 m über NN
Gemeinde Frielendorf, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gewerbesiedlung; Kloster

Lagebezug:

8,5 km nordöstlich von Ziegenhain.

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit komplexem Grundriss am linken Ufer des Ohebachs. Ehemaliger Klosterbezirk, integriert in eine moderne Industrieanlage, auf nach Nordosten auslaufendem Hang. Westlich davon moderne Wohnsiedlung. 200 m südlich abgesetzt, jenseits der Bahnlinie, die alte dörfliche Siedlung (Oberkappel) in annähernd linearer Ausrichtung auf die Hauptstraße und den zum Spieß(-Turm) führenden Fahrweg.

Straße Frielendorf - Ebersdorf bzw. Gebersdorf (mit Anschluss an die Bundesstraße 254).

Haltepunkt der 1878 erbauten Eisenbahnlinie Treysa - Malsfeld - Eschwege.

Ersterwähnung:

1197

Historische Namensformen:

  • Cappel (1197) [Staatsarchiv Marburg Urkunden 18 Kloster Spieskappel]
  • Spiscappell
  • Spißcappel
  • Spiescappel
  • Spieskappel
  • Spies-Kappel
  • Kappel, Spies-

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Ortsteil Ebersdorf,
  • Ortsteil Schachtenbach,
  • Oberkappel,
  • Wüstung Albrechterode,
  • Wüstung Heuern,
  • Wüstung Holebach,
  • Wüstung Spieß;
  • Wüstung Ulndorf

Umlegung der Flur:

1892/1898

Älteste Gemarkungskarte:

1741

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3522568, 5647771
UTM: 32 U 522485 5645952
WGS84: 50.96473088° N, 9.32019342° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634004130

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 407 stellbares Land, 448 Wiesen, 15 Gärten, 6 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 593, davon 300 Acker (= 50.59 %), 139 Wiesen (= 23.44 %), 97 Holzungen (= 16.36 %)
  • 1961 (Hektar): 845, davon 367 Wald (= 43.43 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1537: 21, 1585: 19 Hausgesesse.
  • 1639: 9 hausgesessene Männer, 2 Witwen. 1681: 22 Hausgesesse, 5 Ausschuss.
  • 1749: 26 Haushaltungen, 131 Einwohner.
  • 1749: 3 Schneider, 2 Schreiner, 5 Leineweber, 1 Schmied, 2 Wagner, 1 Maurer, 2 Müller.
  • 1834: 413, 1885: 411 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 28 Ackerbau, 26 Gewerbe, 27 Tagelöhner.
  • 1861: 415 evangelisch-reformierte Einwohner.
  • 1885: 411, davon 410 evangelisch (= 99.76 %), 1 katholisch (= 0.24 %)
  • 1925: 594, 1939: 626, 1950: 936, 1961: 697 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 102 Land - und Forstwirtschaft, 151 produzierendes Gewerbe, 27 Handel und Verkehr, 26 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 697, davon 643 evangelisch (= 92.25 %), 44 katholisch (= 6.31 %)

Diagramme:

Spieskappel: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Seit 1527: Gericht am Spieß
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Frielendorf
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

Herrschaft:

1233 befreit Landgraf Konrad von Thüringen die Güter des Klosters Spieskappel von der Jurisdiktion des Gerichts auf dem Sendberg (Frielendorf) (Posse, Codex dipl. Sax. I, 3 Nr. 484), wobei sich jedoch, wie anlässlich der Bestätigung von 1235 ausgeführt, diese Befreiung nur auf die niedere, nicht auf die hohe Gerichtsbarkeit bezog. Auch weiterhin sollten die Kolonen bei den 3 ungebotenen Dingen auf dem Sendberg erscheinen und im Falle allgemeiner Not in der provincia zur Landfolge verpflichtet sein (Kuchenbecker, Anal. Hass. IX, 3; dazu List, Spieskappel, S. 65 ff.).

1. Hälfte 15. Jahrhundert finden die Gerichtssitzungen des Klostergerichts unter Vorsitz des Abtes im Turm der Stiftskirche (List, Spieskappel, S. 69),

1476 unter Anwesenheit des Hornberger Schultheißen im aestuarium des Abtes statt (Helbig, Amt Homberg, S. 86).

Gemeindeentwicklung:

1928/29: Eingemeindung eines Teils des aufgelösten Gutsbezirks Forst Frielendorf.

Am 1.1.1974 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform der Zusammenschluss mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Frielendorf, deren Ortsteil Spieskappel wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Oberkappel:
  • Möglicherweise war Kloster Spieskappel einziger Grundherr am Ort (List, Spieskappel, S. 239).
  • 1197 bestätigt Papst Coelestin III. den Besitz des Klosters am Ort (locum ipsum, in quo prefata ecclesia sita est cum omnibus pertinentiis suis).
  • Der Klosterbesitz umfasste 1522: 2 Vollgüter (Allode), 4 Kodensitze und eine Vielzahl weiterer, von insgesamt 14 Pächtern bewirtschaftete Gesesse; die zugehörigen Ländereien umfassten zum großen Teil die Wüstungen Albrechterode, Hermannsdorf und Schachtebach.

Zehntverhältnisse:

Bis 1527 besaß das Kloster den großen und kleinen Zehnten am Ort.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Der Name des Ortes leitet sich möglicherweise von einer schon vor der Klostergründung vorhandenen Kapelle ab.

Pfarrzugehörigkeit:

1383: Pfarrei Oberkappel, die damals vom Küster des Prämonstratenserstifts Spieskappel versehen wird. Eingepfarrt waren Frielendorf und Todenhausen, deren Einwohner dann 1383 die Erlaubnis zum Bau eigener Kapellen in ihren Orten erlangten (List, Spieskappel, S. 131 f.).

Bestätigung der Pfarrechte von Oberkappel 1495.

Seit der Aufhebung des Prämonstratenserklosters (1527) diente die Klosterkirche als Pfarrkirche von Oberkappel.

Vor der Reformation war Leimsfeld nach Oberkappel eingepfarrt.

1569 und später: Linsingen, Todenhausen, Frielendorf, Ebersdorf und Gebersdorf eingepfarrt.

1585 ferner Lanertshausen.

Patronat:

1383 und später Kloster Spieskappel,

seit 1527 den Landgrafen zustehend.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Stephan Stoehr 1528-1530

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Die mit der Bildung des Klostergerichts verbundene Befreiung der Höfe des Klosters Spieskappel von der landgräflichen (niederen) Gerichtsbarkeit erfasste 1235: (Wüstung) Albrechterode, (Wüstung) Heuern, Ebersdorf, (Wüstung) Eigendorf, (Wüstung) Hof Buchholz, Lanertshausen, Leuderode, (Wüstung) Gleimsdorf, Verna, Englis, (Wüstung) Alboldesberg, Unshausen, Wichte.

Im 15. Jahrhundert umfasste das Klostergericht neben Spieskappel und Oberkappel (einschließlich Ebersdorf) Leimsfeld, Todenhausen und den Klosterhof zu Verna.

1522: Spieskappel, Oberkappel, Ebersdorf, Todenhausen, Weidenmühle bei Frielendorf, Klosterhof Verna, Lanertshausen, (Wüstung) Alboldsberg, Leimsfeld, Leuderode.

Wirtschaft:

Mit dem Farbkohleabbau bei Frielendorf entstanden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Farbwerke Urban, deren Betriebsgebäude in Spieskappel auf dem ehemaligen Klostergelände errichtet wurden. Das im Tagebau geförderte Rohbraun diente zur Gewinnung von Malerfarben und zur Herstellung von brauner Beize.

Produktion Mitte der 1960er Jahre eingestellt.

Seitdem Bakelite-Werk mit industrieller Produktion von Dämmstoffen.

Mühlen:

1749 befinden sich 2 Mühlen mit Mahl- und Schlaggang am Ort (Oberste, Unterste Mühle), beide vom Ohewasser getrieben.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Spieskappel, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4755> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde