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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 51. Gilserberg

Sebbeterode

Ortsteil · 310 m über NN
Gemeinde Gilserberg, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

Ca. 11 km nordwestlich von Ziegenhain.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf einem von Südwesten nach Nordosten laufenden breiten Rücken, dessen nördlicher Steilhang in das Tal des Treisbachs abfällt. Kirche mit ummauerten Kirchhof in erhöhter, zentraler Lage; davor geleitete Linde.

Mehrere Straßenverbindungen zur Bundesstraße 3 (alte Landstraße Frankfurt (Main) - Kassel) und nach Sachsenhausen.

Ersterwähnung:

1201

Historische Namensformen:

  • Sigewarterode (1201) (Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1 Nr. 6)
  • Sewarterode (1274) (UA Haina)
  • Sewerderode (1355)
  • Severterode (1453) (UA Haina)
  • Siebbertterode (1494)
  • Sebertrode (1510)
  • Sybeterodt (1521) (UA v. Linsingen)
  • Sebberterode (1747) (DB)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Hohenbühl;
  • Büchelmühle,
  • Wüstung Nebelingshausen,
  • Wüstung und Forsthaus Treisbach,
  • Wüstung Frankenhain.
  • Auf eine wüste Siedlung deutet der Flurname Rengelstal:
  • 1614: Rengelsbach, Dilich Tafel XVI (1 km südlich von Sebbeterode);
  • 1451 wird eine Wüstung Reingelßdail genannt (Landau, Beschreibung der wüsten Ortschaften. Ausg. 1858, S. 243), bei der es sich aber auch nur um eine Flurwüstung handeln könnte.

Umlegung der Flur:

1889/1923

Älteste Gemarkungskarte:

1755

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3507250, 5647291
UTM: 32 U 507173 5645472
WGS84: 50.9608114° N, 9.102136842° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634006100

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1137 stellbares Land, 365 Wiesen, 53 Gärten, 147 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 565, davon 302 Acker (= 53.45 %), 110 Wiesen (= 19.47 %), 92 Holzungen (= 16.28 %)
  • 1961 (Hektar): 1479, davon 1001 Wald (= 67.68 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 30 Hausgesesse.
  • 1639: 23 Männer, 2 Witwen. 1681: 20 Hausgesesse, 1 Ausschuss.
  • 1776: 2 Wagner, 3 Schmiede, 1 Maurer, 1 Schuhmacher, 2 Schneider, 1 Leineweber, 3 Wirte, 3 Pottaschensieder, 20 Tagelöhner, 3 Schäfer, 1 Müller.
  • 1776: 44 Wohnhäuser, 271 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 32 Ackerbau, 16 Gewerbe, 28 Tagelöhner.
  • 1838: 394, 1885: 390 Einwohner.
  • 1861: 387 evangelisch-reformierte Einwohner.
  • 1885: 390, davon 389 evangelisch (= 99.74 %), 1 katholisch (= 0.26 %)
  • 1925: 389, 1939: 403, 1950: 554, 1961: 438 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 166 Land- und Forstwirtschaft, 63 produzierendes Gewerbe, 11 Handel und Verkehr, 13 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 438, davon 395 evangelisch (= 90.18 %), 41 katholisch (= 9.36 %)

Diagramme:

Sebbeterode: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • wohl seit 1426: Amt Schönstein
  • 1346: Gericht Bulenstrut, Amt Rosenthal [Altkreis Frankenberg] (Otto, Reg. Mainz Nr. 5423, Vigener, Reg. Mainz Nr. 1502)
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Jesberg
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Treysa
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

Herrschaft:

1346 seitens des Erzstifts Mainz an die Milchling von Schönstadt verpfändet (vgl. Verwaltungsbezirk),

1355 an den Ritter Johann Gruszing verpfändet,

im gleichen Jahr an die von Schweinsberg und von Falkenberg verpfändet.

Seit 1362 falkenbergische Pfandschaft.

1426 belehnt das Erzstift die Grafen von Ziegenhain zur Besserung von deren Amöneburger Burglehen unter anderem mit dem Dorf Sebbeterode und allem Zubehör mit der Auflage, die falkenbergische Pfandschaft zu lösen (Wenck II, Urkundenbuch Nr. 280).

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Jesberg.

Am 1.1.1974 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neuen Gemeinde Gilserberg zusammengeschlossen, deren Ortsteil Sebbeterode wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Vor 1201 vertauscht Kloster Haina das sogenannte Klostergut in Sebbeterode gegen ein Gut in Haina.
  • 1269 verkaufen Lutgard, Witwe Ritter Alberts von Rieden, und ihr Sohn Kloster Haina ihre sämtlichen Güter zu Sebbeterode. Zusammen mit der Ausstellerin leisten deren Onkel Konrad genannt Krug, dessen Frau und Kinder Verzicht. Im gleichen Jahr erwirbt Bruno von Willingshausen im Tausch von Ritter Volpert genannt Schwertzell dessen Güter in Sebbeterode, die ziegenhainisches Lehen sind, und überlässt sie dem Kloster Haina.
  • 1270 erwirbt Haina von den Holzsadel deren sämtliche Güter zu Sebbeterode,
  • 1274 ferner den Güterbesitz Ludwigs genannt von Marburg und seiner Familien, der von den Grafen von Wittgenstein zu Lehen geht.
  • 1443 vermacht Otto von Trugelrode dem Kloster seine Wiese unter dem Bubenhain.
  • 1503 erwirbt das Kloster von dem Fritzlarer Bürger Klaus Rone ein Gut zu Sebbeterode.
  • 1429 beurkundet Metze von Borken, dass der Streit zwischen Werner und Schweder von Löwenstein einerseits und Johann von Schleier und ihr andererseits um die Güter zu Sebbeterode, welche die von Löwenstein-Westerburg als Lehnsherren beanspruchen, in der Weise beigelegt worden ist, dass die eine Hälfte der Güter Metze lebenslang zusteht und dann an Johann fällt, den die von Löwenstein damit belehnt haben und der jetzt die andere Hälfte innehat. Seit dem Aussterben der Westerburger Linie der von Löwenstein war das Lehnsgut im Samtbesitz der verbliebenen Linien des Hauses, ist offenbar aber später veräußert worden; es fehlt im Lehnsverzeichnis der von Löwenstein von 1686 (Schunder, Die von Loewenstein 2, Band 1, S. 136).
  • 1576 sind 20 Hufen und 4 halbe Hufen, die insgesamt von 6 Beständern bewirtschaftet werden, dem Landgraf dienstbar.

Zehntverhältnisse:

Der Zehnte zu Sebbeterode ist 1576 einschliesslich des Zehnten der Wüstung Treisbach landgräflich.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Diakon 1317/19 genannt (Klosterarchiv VI Nr. 281, 315), der vermutlich eine am Ort befindliche Filial- oder Pfarrkirche versah.

Pfarrzugehörigkeit:

1506 ist Sebbeterode Pfarrort; damals versah der Pfarrer auch die Kapelle des 1557 schon wüsten Treisbach.

1569 und 1585 sind Gilserberg und Schönau als Filiale eingepfarrt.

Patronat:

1364 ziegenhainisch,

seit 1450 landgräflich.

Bekenntniswechsel:

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Henrich N. 1546

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Grüßen

Wirtschaft

Mühlen:

1556 befindet sich unterhalb von Sebbeterode eine Mühle (Büchelmühle).

1776: 1 Müller (vgl. Einwohnerstatistik).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Sebbeterode, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4747> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde