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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 64. Neukirchen

Oberaula

Ortsteil · 326 m über NN
Gemeinde Oberaula, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

9 km östlich von Neukirchen

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss in Talmündungslage (Einmündung des Ostern-Baches in die Aula). Um den alten Ortsbereich mit teilweise recht dichter Bebauung gruppieren sich jüngere und moderne Siedlungskomplexe vor allem im Südwesten.

Durch den Ort führt die Bundesstraße 454 (annähernd im Zuge der alten Messestraße Köln - Leipzig).

Straße Friedigerode - Hausen

Bahnhof der Eisenbahnlinie Bad Hersfeld – Schwalmstadt/Treysa bis zur Stilllegung der Strecke am 10.9.1984 (Die Teilstrecke Bad Hersfeld - Oberaula wurde am 1.5.1906 eröffnet, die Teilstrecke Oberaula - Treysa am 1.8.1907).

Ersterwähnung:

861

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Die Ersterwähnung lässt sich zwischen 856 und 869 einordnen, Dronke (Codex diplomaticus Fuldensis, S. 270-271, Nr. 603) und ihm folgende Kehr (MGH Diplomata dt. Karolinger 1, Ludwig : Kehr, S. 153-154, Nr. 106) hielten das Jahr 861 für am wahrscheinlichsten.

Historische Namensformen:

  • Ovilah (861) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 2, Bl. 13r, S. 20-21]
  • Owilaha (um 1000)
  • Ouwelaha (1205/16)
  • Oula (1231)
  • Owela, de (1259)
  • Oula, de (1260)
  • Ewla, zu (1325)
  • Obirn Ouwela (1355)
  • Obbern Aula (1524)
  • Oberaula
  • Ober-Aula
  • Aula, Ober-

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 861

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wiesenmühle
  • Wüstung Erlebach
  • Wüstung Kalenberg
  • Wüstung Renterod
  • Wüstung Wüsterod
  • Wüstung Limolderode
  • Wüstung Mönchehof
  • Wüste Siedlung Guderode (Flurname) nordwestlich von Oberaula im Tal des Gatteroder Bachs vermutet.

Umlegung der Flur:

1911/1913

Älteste Gemarkungskarte:

1773

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3533202, 5635809
UTM: 32 U 533115 5633994
WGS84: 50.85669359° N, 9.47047469° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634019040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1245 stellbares Land, 326 Wiesen, 34 Gärten, 41 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 821, davon 357 Acker (= 43.48 %), 118 Wiesen (= 14.37 %), 262 Holzungen (= 31.91 %)
  • 1961 (Hektar): 1264, davon 606 Wald (= 47.94 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 90 Hausgesesse
  • 1639: 37 Männer, 10 Witwen, 22 Unmündige
  • 1639: 5 Bäcker, 2 Schmiede, 1 Müller, 1 Bader, 2 Leineweber, 1 Schreiner
  • 1681: 61 Hausgesesse, 5 Ausschuss, 2 Junggeselle
  • 1776: 1 Schlosser, 1 Maurer, 5 Schneider, 4 Bäcker, 4 Metzger, 2 Drechsler, 1 Bender, 1 Färber, 1 Hutmacher, 4 Leineweber, 2 Mahl- und 1 Papiermüller, 6 Handelsjuden, 22 Tagelöhner und Beisitzer
  • 1776: 112 Wohnhäuser , 499 Einwohner
  • 1838 (Familien): 56 Ackerbau, 64 Gewerbe, 38 Tagelöhner
  • 1861: 822 evangelisch-reformierte, 1 evangelisch-lutherische Einwohner
  • 1885: 823, davon 728 evangelisch (= 88.46 %), 4 katholisch (= 0.49 %), 91 Juden (= 11.06 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 160 Land- und Forstwirtschaft, 344 produzierendes Gewerbe, 139 Handel und Verkehr, 134 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 1670, davon 1452 evangelisch (= 86.95 %), 196 katholisch (= 11.74 %)

Diagramme:

Oberaula: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1300: fuldisches Gericht, seit 1360/66 fuldisch-ziegenhainisch, nach Mitte des 15. Jahrhundert landgräflich-dörnbergisches Gericht, das seit 1571 der landgräflichen Landeshoheit unterstand
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Ober-Aula
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Oberaula
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • 1822: Justizamt Oberaula
  • 1867: Amtsgericht Oberaula
  • 1945: Amtsgericht Neukirchen
  • Gericht (Amt) Ober-Aula
  • 1300 verschreibt Abt Heinrich von Fulda Graf Gottfried VI. von Ziegenhain alle seine Einkünfte in officio nostro (Ober-)Aula.
  • 1366 war die Gerichtsherrschaft zwischen Fulda und Ziegenhain geteilt, wobei die ziegenhainische Hälfte fuldisches Lehen der Grafen war. Es bestand damals eine wirkliche Aufteilung der Gerichtsorte: fuldisch waren 1366 Ober-Aula, Wahlshausen, Ibra und Hauptschwenda, ziegenhainisch (Wüstung) Heuchelheim, (Wüstung) Eckenrode, Friedigerode, (Wüstung) Hornsbach, Christerode, (Wüstung) Taubenscheit, Olberode, Schorbach, Niederschorbach, Weißenborn, (Wüstung) Renterode, (Wüstung) Stanrode halb, (Wüstung) Schlufft, Mühle zu Grebenhain und daselbst ein Gut.
  • 1462/67 (Weistum von Ober-Aula; Grimm III, S. 337) gelten als ausschließlich landgräfliche (vogteiliche) Gerichtsorte (Wüstung) Hornsbach, (Wüstung) Eckenrode, dagegen Hausen, Ibra und Friedigerode als ausschließlich fuldische Gerichtorte bezeichnet. Die übrigen Orte des Gerichts sind zweiherrig.
  • 1419 hatten die Grafen von Ziegenhain als fuldische Vögte das Gericht über Hals und Haupt, seit 1450 die Landgrafen.
  • 1400 tritt Fulda das halbe Gericht Ober-Aula zusammen mit dem Schloss Hausen dem Erzstift Mainz ab, das damit 1463 die von Dörnberg belehnt.
  • Die ungebotenen Dinge werden dem Weistum von 1462/67 zufolge in 2 Gerichtssitzungen abgehalten, von denen die eine unter landgräflichem Vorsitz an der alten Gerichtsstätte auf dem Frauenberg, die andere unter mainzischem Vorsitz im Dorf (uff der fryheit) stattfindet.
  • 1571 wird zwischen den Landgrafen als Rechtsnachfolgern der Grafen von Ziegenhain und den von Dörnberg bestimmt, dass jenen Hoheit, Obrigkeit, Peinlichkeit, Folge, Schätzung, Steuer und Kirchenordnung allein gehören, bürgerliche Sachen und Strafen beiden Gerichtherren gleich zustehen, doch so, dass Gebot und Verbot nur von den Landgrafen als Landesfürsten und Erbvögten im Gericht Ober-Aula ausgeübt werden und auch der Gerichtstab nur von den landgräflichen Beamten gehalten werden soll. Den von Dörnberg bleibt freigestellt, ihren Schultheißen mit im Gericht sitzen zu lassen und die Hälfte der in bürgerlichen Sachen erkannten Bußen zu erheben. Diese niedere Gerichtsbarkeit verblieb den von Dörnberg bis zur Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit 1807.
  • 1419 und 1462/67 tagt das Gericht unter ziegenhainischem bzw. landgräflichem Vorsitz an der Kirchhofsmauer auf dem Frauenberg (Grimm III S. 332), wo sich 1773 auch eine Gerichts-Linde befindet. Diebstock, Halseisen 1419 genannt (am angegebenen Ort, S. 333). Auf eine Urteilsstätte weist der Flurname Am Galgenbaum 0,5 km südöstlich Ober-Aula im Knick der Straße Ober-Aula - Wahlshausen.
  • Schöffe 1309 (Klosterarchiv VII Nr. 2),
  • amptmann 1364/67 (S 635 ZU I),
  • Henker 1419.
  • 1419 wird in Ober-Aula ein Weistum von 12, 1467 von 9 Schöffen gewiesen.
  • 1879: Amtsgericht Oberaula

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Ober-Aula.

Am 1.4.1972 schlossen sich im Zuge der hessischen Gebietsreform die Gemeinden Oberaula und Hausen (Oberaula) zur neuen Gemeinde Oberaula zusammen. Zu deren weiterer Entwicklung s. Oberaula, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Oberaula.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 856/69 schenkt der Edle Ethil Kloster Fulda die villa (Ober)Aula.
  • 1205/16 bekundet der Abt von Fulda, dass die Grafen von Ziegenhain, Vögte seines Klosters, die von Fulda zu Lehen gehenden Einkünfte in (Ober oder Nieder-)Aula für 10 Mark zunächst an Gerlach Westerschele verpfändet hatten; nach dem Tod Graf Gottfrieds hatte sein Bruder Ludwig Gertrud, Witwe Graf Friedrichs von Abenberg, geheiratet, die Pfandschaft mit ihrem Vermögen eingelöst und die Einkünfte mit Zustimmung des Abtes ihr erneut verpfändet.
  • 1300 verkauft Kloster Fulda seine Einkünfte zu Aula, Breitenbach und Wegfurth für 200 Mark kölnische Denare an die Grafen von Ziegenhain.
  • 1355 verkaufen der Burgmann und Bürger zu Hausen, Volpert Fuln, und der Pfarrer Johann von Hasel sowie ihre Erben Kloster Immichenhain ein Haus und mehrere Gärten in Ober-Aula.
  • 1470 bekennen die von Langenstein genannt Gunzelrode, Kloster Immichenhain Einkünfte von einem Hof zu Ober-Aula und einer Hofreite ebenda unter dem Kirchhof vertauscht zu haben.
  • 1524 beziehen die Augustiner zu Alsfeld Grundzins von einem Gut zu Ober-Aula.

Zehntverhältnisse:

1467 ist der Zehnte zu Ober-Aula im Besitz des Erzstifts Mainz.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche um 1000 genannt (Dronke, Trad. Capitulum 43 Nr. 43)
  • Kirchenwüstung auf dem Frauenberg dicht nordöstlich von Oberaula 1708/10 (Schleenstein); vgl. Gericht.
  • Katholische Seelsorgestelle seit 1945; Kirche 1950 erbaut.

Patrozinien:

  • Maria (?) (1419, vgl. Grimm III S. 332)

Pfarrzugehörigkeit:

parochia nostra in Ovilahe 1223 (Kuchenbecker, Anal. Hass. IX Nr. 2); Pfarrkirche, der 1223 Hauptschwenda eingepfarrt war.

1465 und später sind eingepfarrt: Christerode, (Wüstung) Eckenrode, Friedigerode, Hauptschwenda, Niederschorbach, Olberode, Schorbach, Wahlshausen;

bis 1465 ferner: Hausen, Ibra, Schwarzenborn, Weißenborn

Vor 1569: Schorbach ausgepfarrt

Seit 1690 ist Hausen (mit Ibra) Vikariat von Ober-Aula, eingepfarrt ferner: Hof Kämmershagen.

1900 wurde Olberode zur Pfarrei erhoben; damit zugleich von Ober-Aula aus- und bei Olberode eingepfarrt: Filiale Christerode, Hauptschwenda und Weißenborn.

Patronat:

um 1000 und später: Kloster Fulda

Mit dem Verkauf von Schloss und Gericht Hausen als dessen Zubehör 1400 an das Erzstift Mainz verkauft.

Das Erzstift Mainz belehnte 1464 die von Dörnberg; von Dörnberg seitdem Patronatsherr.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes [Nachname unbekannt] ca. 1535, wahrscheinlich identisch mit Johannes Molenheim (1538), Pfarrer zu Oberaula und Hausen.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erdiözese Mainz, Archipresbyterat unbekannt; Archidiakonat St. Johann Mainz

Juden:

Provinzial-Rabbinat Marburg, angeschlossen Hausen, Schwarzenborn, Frielendorf.

1744: 5 jüdische Familien; 1835: 45, 1861: 106, 1905: 90 Juden; 1932/33: 91 Juden. Zwischen 1933 und 1938 verließen 28 Juden den Ort. Die letzten Abmeldungen stammten von Mai und August 1940.

Synagoge 1837 erbaut und geweiht, sie liegt in der Hainthorstraße.

Die jüdische Elementarschule bestand bis zum April 1934.

Berufe: Landwirtschaft; Viehhandel; Gewerbe

Friedhof am Ortsausgang Richtung Wahlshausen. (alemannia-judaica) Er wurde wohl auch vom Ort Ottrau genutzt.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Vorort des gleichnamigen Gerichts Ober-Aula:

Umfang und Aufteilung von 1366 und 1462 siehe unter Gericht

1585 und später umfasste das Gericht Ober-Aula: Ober-Aula, Wahlshausen, Friedigerode, Christerode, Olberode, Schorbach, Weißenborn, Hauptschwenda, Ibra

1807-1813: Kantonsvorort im Distrikt Hersfeld

1822-1945 war Ober-Aula Sitz eines Justizamtes bzw. Amtsgerichts

Wirtschaft:

Anfang des 20. Jahrhunderts befanden sich zu Ober-Aula eine Ziegelei, 3 Kalksteinbrüche, 1 Färberei und 1 Seifensiederei.

Mühlen:

Die sogenannte Lingelmühle am Walmersbach am Westrand von Ober-Aula verfügte 1776 über 1 Mahl- und 1 Schlaggang.

Markt:

Das 1364/67 und später bezeugte Marktrecht stand den Grafen von Ziegenhain, seit 1450 den hessischen Landgrafen zu (S 635 ZU I; Grimm III S. 333, 336).

In der Neuzeit wurden in Ober-Aula jährlich 4 Vieh- und 4 Krammärkte abgehalten.

Zoll:

Der Zoll zu Ober-Aula stand 1462/67 dem Erzstift Mainz zu (Grimm III S. 336). Köhler 1467 genannt (Grimm III S. 338).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Oberaula, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4689> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde