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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 51. Gilserberg

Lischeid

Ortsteil · 305 m über NN
Gemeinde Gilserberg, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

15 km westlich von Ziegenhain.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss, das sich vom West-Ausläufer eines Nord-Süd gerichteten Feldrückens bis in die Talmulde eines von mehreren Quellzuflüssen gespeisten Bachlaufs erstreckt. Die durch den Ort führende Bundesstraße 3 trennt das sogenannte Oberdorf vom Unterdorf. Im Oberdorf Kirche in erhöhter, zentraler Lage. Davor geleitete Linde. Moderne Wohnsiedlung im Südosten des Unterdorfs.

Auf die Bundesstraße 3 (alte Landstraße Frankfurt (Main) - Kassel) trifft vom Südosten Straße von Mengsberg.

Ersterwähnung:

1251

Siedlungsentwicklung:

Offenbar im Zuge einer Ortsverlegung der Siedlung Klein-Rode (s. d.) vor 1251 entstanden (Klosterarchiv V Nr. 843; vgl. Besitz zu 1294).

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1922/1926

Älteste Gemarkungskarte:

1754

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3501597, 5642735
UTM: 32 U 501522 5640918
WGS84: 50.91990045° N, 9.021655193° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634006050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 636 stellbares Land, 203 Wiesen, 22 Gärten, 96 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 263, davon 140 Acker (= 53.23 %), 54 Wiesen (= 20.53 %), 63 Holzungen (= 23.95 %)
  • 1961 (Hektar): 409, davon 63 Wald (= 15.40 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1576: 14, 1585: 15 Hausgesesse.
  • 1639: 5 Familien (zuvor habe Lischeid 7 Jahre ganz in Ruinen gelegen). 1681: 12 Hausgesesse, 1 Ausschuss.
  • 1776: 2 Müller, 2 Leineweber, 4 Schneider, 1 Schmied, 2 Wagner, 1 Kalk- und Ziegelbrenner, 2 Pottaschensieder, 2 Wirte, 10 Tagelöhner(-innen), 1 Schäfer.
  • 1776: 30 Haushalte, 200 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 30 Ackerbau, 11 Gewerbe, 10 Tagelöhner.
  • 1838: 295, 1885: 325 Einwohner.
  • 1861: 329 evangelisch-reformierte Einwohner.
  • 1885: 325, davon 325 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 309, 1939: 329, 1950: 445, 1961: 392 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 119 Land- und Forstwirtschaft, 77 produzierendes Gewerbe, 20 Handel und Verkehr, 10 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 392, davon 372 evangelisch (= 94.90 %), 19 katholisch (= 4.85 %)

Diagramme:

Lischeid: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1368 und später: Amt Schönstein
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Jesberg
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Treysa
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • 1265 bekunden die Grafen Siegfried von Wittgenstein und Widukind von Battenberg, dass Ritter Bruno von Gerwigshain das von ihnen zu Lehen gehende Gericht über die Dörfer Winterscheid und Lischeid aufgelassen und um Übertragung an Kloster Haina gebeten hat. Nach ersatzweiser Auftragung von Einkünften in Momberg durch Bruno haben die Grafen das Gericht an Haina verliehen und ihrerseits ihre Lehnsherren, die Grafen von Nassau, um Bestätigung dieser Neubelehnung gebeten.
  • 1266 suchen die Grafen von Nassau beim Erzstift Mainz, dem Oberlehnsherrn, um Bestätigung der Belehnung nach.
  • 1267 übernehmen die Grafen von Ziegenhain als Vögte den Schutz der Dörfer Winterscheid und Lischeid, solange das Kloster dies wüstscht.
  • 1342 lassen sich die Grafen von Haina ein Vorkaufsrecht auf die Gerichte der vier hainischen Dörfer Winterscheid, Lischeid, Gerwigshain und Moischeid verbriefen.
  • 1350 überlässt Haina tauschweise den Grafen von Ziegenhain die Gerichtsbarkeit zu Lischeid.
  • Seitdem Dorf des damals neugebildeten Amtes Schönstein.
  • Schultheiß 1288 genannt (Klosterarchiv V Nr. 761).
  • 1822: Justizamt Treysa.
  • Seit 1867: Amtsgericht Treysa.

Herrschaft:

1294: universitas villanorum in Lischeid.

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Mengsberg.

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neuen Gemeinde Gilserberg zusammengeschlossen, deren Ortsteil Lischeid wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1251 übertragen die von Itzenhain Kloster Haina ein Drittel der Erträge des Zehnten in Lischeid und bestimmen für den Fall der Anfechtung oder Aufhebung dieser Schenkung 4 Malter Getreide von ihrem Gut in Lischeid zum Ersatz.
  • 1264 verkauft Werner von Bottenhorn mit Zustimmung seiner Erben Kloster Haina die Hälfte des Dorfes Lischeid.
  • 1266 erwirbt Haina von der Propstei Neuenburg bei Fulda die Pfründe des Propstes Ortwin in Lischeid.
  • 1268 übergeben die von Marburg Haina ihr Recht an den Mühlen zu Schiffelbach und Lischeid.
  • 1288 vertauscht Haina 8 Morgen Land in Lischeid dem Rudolf von Mellnau genannt Krug.
  • 1293 verkaufen die von Lischeid ihr gesamtes Recht an ihrer Hufe im Dorf Lischeid mit Genehmigung Graf Gottfrieds von Ziegenhain an Kloster Haina.
  • 1294 wird anlässlich der Beilegung eines Streits der von Obenrode mit Kloster Haina festgelegt, dass die Gesamtheit der Einwohner in Lischeid das Recht an der Mark so behält, wie sie es besaß, als sich ihr Dorf noch in Kleinrode befand; sie hat ferner dort, wo es ihr von alters zustand, das Recht, Rodungen anzulegen, wobei der große sogenannte Fronwald von jeder Rodung ausgeschlossen bleibt, auch falls das Kloster das Dorf erneut verlegen sollte.

Zehntverhältnisse:

1251 übertragen die von Itzenhain Kloster Haina ein Drittel der Erträge des Zehnten in Lischeid und bestimmen für den Fall der Anfechtung oder Aufhebung dieser Schenkung 4 Malter Getreide von ihrem Gut in Lischeid zum Ersatz.

1354 bestätigt das Erzstift Mainz Kloster Haina im Besitz des Zehnten zu Lischeid.

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1569 und später: nach Sachsenhausen eingepfarrt.

1624-1673: nach Josbach, dann wieder bei Sachsenhausen eingepfarrt.

1868-1877 und 1893-1903 mit Winterscheid und Heimbach Vikariat;

seit 1903 mit den genannten Dörfern selbständige Pfarrei.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Grüsen.

Wirtschaft

Zoll:

1776: 2 Zollstätten (Straßenzoll), deren Einnahmen von ziemlichen Belang sind (Kat. I Lischeid, Vorbeschreibung).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Lischeid, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4667> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde