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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 63. Schrecksbach

Leimbach (Ober-, Mittel-, Nieder-)

Ortsteil · 225 m über NN
Gemarkung Leimbach, Gemeinde Willingshausen, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gehöftgruppe; Hof; Wüstung

Lagebezug:

4,2 km südlich von Ziegenhain.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss links des Leimbachs unweit von dessen Einmündung in das Antrefftal. Die aus sechs größeren Gehöften bestehende Siedlung liegt am auslaufenden Südhang eines west-östlich-ziehenden flachen Feldrückens.

Straße Gungelshausen - Ransbach.

Ein jüngerer Zweig der alten Landstraße durch die Langen Hessen zwischen Willingshausen und Ziegenhain führte ca. 0,7 km westlich an Leimbach vorbei.

Ersterwähnung:

1197

Siedlungsentwicklung:

Für das ursprüngliche Leimbach begegnen seit Ende 13./Anfang 14. Jahrhundert 3 Siedlungen: Ober-Leimbach, Mittel-Leimbach und Nieder- bzw. Mönch-Leimbach, so noch 1360/67 (Salbuch 635 ZU II).

1502 sind Mittel-Leimbach und Nieder-(Mönch-) Leimbach als Wüstungen zu erschließen, als solche 1569 ausdrücklich genannt.

Ober-Leimbach erscheint 1502 und 1569 als Hofsiedlung, wobei für diese 1569 und später die Unterscheidung eines Ober- und Unterhofes getroffen wird.

Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchsen die Höfe allmählich zu einem Siedlungskomplex zusammen.

Flurname Hofstatt ca. 1,5 km westlich von Leimbach könnte auf die ehemalige Ortslage einer der wüsten Siedlungen Leimbachs hindeuten.

Historische Namensformen:

  • Linpach (1196) (Urkunden A II Kloster Spieskappel)
  • villa Leinbach (1196) (Urkunden A II Kloster Spieskappel)
  • Leigenbach (1197) (Urkunden A II Kloster Spieskappel)
  • Leinbach (1251)
  • Leymbach (1252)
  • superiori Lembach, de (1291)
  • Lembach, de superiori (1291)
  • media villa Lembach (1308)
  • Lembach, media villa (1308)
  • inferiori Lembach, in (1311)
  • Lembach, in inferiori (1311)
  • Moniche Leymbach in der auwe (1341)
  • Moncheleimbach (1426)
  • Unterhof, Oberhof Leimbach (1585)
  • Niederleimbach
  • Nieder-Leimbach
  • Leimbach, Nieder-
  • Mönchleimbach, Mönch-Leimbach
  • Leimbach, Mönch-
  • Mittelleimbach
  • Mittel-Leimbach
  • Leimbach, Mittel-
  • Oberleimbach
  • Ober-Leimbach
  • Leimbach, Ober-
  • Leimbach

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa Leinbach (1196) (Urkunden A II Kloster Spieskappel);
  • media villa 1308 (vgl. Namensformen);
  • hoif 1502 (S 34 Nr. 20);
  • zwo wustenunge (de iure Nieder- und Mittel-Leimbach) 1569 (S 59).

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung Nieder- (Mönch-)Leimbach,
  • Mittel-Leimbach (Lage?)

Umlegung der Flur:

1877/1933

Älteste Gemarkungskarte:

1718

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3516402, 5637624
UTM: 32 U 516321 5635809
WGS84: 50.87372775° N, 9.231967936° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634026020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 700 stellbares Land, 150 Wiesen, 23 Gärten, 50 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 324, davon 234 Acker (= 72.22 %), 66 Wiesen (= 20.37 %), 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 321, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 3 Männer, von denen 2 in Diensten des Klosters Immichenhain stehen.
  • 1585: Ober- und Unter-Hof Leimbach zusammen 6 Hausgesesse.
  • 1639: 6 Hausgesesse mit jeweils 1/2 Bauerngut. 1681: 2 Hausgesesse.
  • 1747: 6 Feuerstellen mit 65 Einwohnern.
  • 1747: alle Bewohner leben vom Ackerbau.
  • 1834: 72, 1885: 64 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 6 Ackerbau, 1 Tagelöhner.
  • 1861: 69 evangelisch-reformierte Einwohner.
  • 1885: 64, davon 64 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 71, 1939: 61, 1950: 96, 1961: 52 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 27 Land- und Forstwirtschaft, 2 produzierendes Gewerbe, 1 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 52, davon 49 evangelisch (= 94.23 %), 3 katholisch (= 5.77 %)

Diagramme:

Leimbach (Ober-, Mittel-, Nieder-): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1360/67 gehören Ober-, Mittel- und Nieder-(Mönch-)Leimbach zum Gericht auf den Wasen (Amt Ziegenhain
  • 1569 und später ist der Hof Leimbach (Ober-Leimbach) Zubehör des Amtes Ziegenhain
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Treysa
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1974 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur Gemeinde Willingshausen zusammengeschlossen, deren Ortsteil Leimbach seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Zusammenfassung aller auf die 3 Siedlungen Leimbachs bezüglichen besitzgeschichtlichen Nachrichten:
  • 1197 besitzt Kloster Spieskappel Einkünfte in Leimbach.
  • 1251 bestätigt Graf Berthold von Ziegenhain, dass das Kloster seine Dörfer Wollertshausen und Leimbach ungestört besitzen kann, da die Klagen der Einwohner dieser Orte in seiner Gegenwart abgestellt worden seien. Das Kloster kann nach Belieben Allode einrichten, jedoch nur unter Vorbehalt des ziegenhainischen Grafschaftsrechtes (ius comecie).
  • 1252 gewährt Ritter Werner von Bischhausen dem Kloster das Recht, frei über Güter zu Leimbach verfügen zu können.
  • 1269 wird der Klosterbesitz von Spieskappel an Kloster Haina veräußert.
  • 1245 übergibt Simon von Schlitz Haina eine Hufe zu Leimbach, die ihm Heinrich Clave, der sie zu Lehen trug, aufgelassen hat.
  • 1251 verkauft die Propstei Johannesberg/Fulda sämtliche Güter zu Leimbach Kloster Haina.
  • Ober-Leimbach:
  • 1291 übereignet Rudolf genannt Floigo Kloster Haina die Hälfte seiner Güter zu Ober-Leimbach, ausgenommen eine Hofstatt.
  • 1291 bekennt der Pfarrer Widicho von Grüsen, dass das Gut im Dorf Ober-Leimbach, welches er von Kloster Immichenhain gekauft hat, nach seinem und seiner Schwester Tod besagtem Kloster wieder heimfallen soll.
  • 1360/67 liegen in Ober-Leimbach 4 Güter, davon gehören 2 zur Hälfte Kloster Haina; den Hochgemut von Treysa und Hennchen Lahmanns Mutter gehören je 1 Viertel (S 635 ZU II).
  • Mittel-Leimbach:
  • 1288 erwirbt Kloster Haina von Heinrich von Frilingen Güter zu Mittel-Leimbach.
  • 1360/67 sind 3 Pflüge in Mittel-Leimbach den Grafen von Ziegenhain dienstpflichtig (S 635 ZU II).
  • Nieder- (Mönch-)Leimbach:
  • 1341 verkaufen die von Ihringshausen dem Alsfelder Schöffen Heinrich von Fischborn die Wiese zu Mönch-Leimbach;
  • 1343 Bestätigung der Schenkung durch den Lehnsherrn, Kloster Hersfeld.
  • 1353 bekennen die von Ihringshausen, dass sie auf die Wiese in der Aue bei Mönch-Leimbach, die Konrad Sasse an Kloster Immichenhain verkauft hat, verzichtet hätten.
  • 1528 wird die Nonne Margarethe von Urff aus dem Kloster Immichenhain aus den Hainaer Gefällen zu Leimbach, die der dortige Hofmann zu liefern hat, auf Lebenszeit abgefunden.
  • 1544 belehnt Landgraf Philipp der Großmütige seinen Kammerdiener Konrad Diede zu rechtem Mannlehen mit Einkünften zu Leimbach.

Zehntverhältnisse:

1290 ist 1 Viertel des Zehnten Werners von Westerburg an seinen Schwager von Buchenau verpfändet; von Westerburg stellt in Aussicht, dieses Viertel, sobald es wieder eingelöst ist, gegen andere Zehntrechte, die er Kloster Haina zu Herbelhausen gewährt hat, einzutauschen.

1308 genehmigt Werner von Westerburg den von dem Treysaer Bürger Ditmar Rode vorgenommenen Verkauf eines Viertels des Zehnten zu Mittel-Leimbach an Kloster Haina.

1309 übereignet Heinrich von Löwenstein genannt von Schweinsberg, Kloster Haina den ihm lehnsrührigen Teil des Zehnten zu Mittel-Leimbach, den das Kloster von Ditmar Rode gekauft hat.

1309 verkaufen die von Marburg Kloster Haina 1 Viertel des Zehnten zu Ober-Leimbach, das von Kloster Hersfeld zu Lehen geht.

1311 erwirbt Haina ein weiteres Viertel der von Marburg.

Im gleichen Jahr 1311 lässt Werner von Westerburg den Grafen von Ziegenhain den von ihm lehnsrührigen Zehnten zu Nieder-Leimbach zugunsten Hainas auf, wie von seinem Vater, Werner von Bischhausen, verfügt.

1312 verkauft Kloster Hersfeld als Oberlehnsherr Kloster Haina den Zehnten zu Ober- und Nieder-Leimbach.

1319 verzichten die von Marburg gegenüber Haina auf alle Forderungen wegen eines Viertels des Zehnten zu Mittel- und Ober-Leimbach.

1343 Nochmalige Bestätigung der hainischen Rechte durch Kloster Hersfeld,

1354 Bestätigung der Zehntrechte Hainas in allen 3 Dörfern Leimbachs durch das Mainzer Erzstift.

1360/67 gehört der Zehnte zu Mittel-Leimbach zu 3 Vierteln Kloster Haina, zu 1 Viertel den Hochgemut zu Treysa (S 635 ZU II).

1426 bekennt der Alsfelder Bürger Henne Rotzmul, von Werner von Westerburg mit dem halben Zehnten zu Mönch-Leimbach belehnt worden zu sein.

Vor 1503 verschreibt Kloster Haina dem Fritzlarer Bürger Klaus Ronen die Hälfte des Zehnten zu Leimbach und Mittel-Leimbach sowie 1 Sechstel der zweiten Hälfte des Zehnten zu Mittel-Leimbach;

1503 gibt Ronen unter anderem diese Zehntrechte gegen Verschreibung einer Leibrente zurück.

1530 verschreibt Landgraf Philipp an Mengoß Hessen und Aldehen Hose die Hälfte des Zehnten zu Nieder-Leimbach, der zum Hainaer Hof in Treysa gehörte.

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1580 und 1585: nach Loshausen,

1747 und später: nach Zella eingepfarrt.

Bekenntniswechsel:

Da zu Loshausen gehörig, das von Zella versehen wurde, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Zellaer Pfarrer Johannes Fritsch um 1527.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mittel-Leimbach, Ober-Leimbach im Sendbezirk Treysa.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Leimbach (Ober-, Mittel-, Nieder-), Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4657> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde