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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 64. Neukirchen

Immichenhain

Ortsteil · 340 m über NN
Gemeinde Ottrau, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Kloster

Lagebezug:

6,5 km südlich von Neukirchen.

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit komplexem Grundriss. Am Rande eines plateauartig ausgebildeten breiten Rückens der ehemalige Klosterbezirk. Angehängt auf der Niederterrasse und in der Talmulde die dörfliche Siedlung mit regelhaften Grundrissmerkmalen entlang der Hauptstraße und eines dazu parallel angelegten Straßenzuges (Oberdorf). Moderne Bebauung vornehmlich im Osten.

Straße Schrecksbach - Ottrau gekreuzt von Straße Hattendorf - Wincherode.

Ersterwähnung:

1231

Historische Namensformen:

  • Ymmichenhagen (1231) [Ledderhose, Kleine Schriften 3, S. 195]
  • Emmechenhan
  • Indagine, in
  • Imechehayn
  • Ymchenhain und Hain
  • Heyne, zu deme
  • Enchenhayne, zum
  • Immichenhain

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung Sachsenhausen,
  • Wüstung Volkershof (Volkersdorf),
  • Wüstung Waldenbach.
  • Auf wüste Siedlungen deuten vielleicht noch folgende Flurnamen:
  • Die Burg (0,6 km nördlich von Immichenhain),
  • Mutterhof (0,5 km nordwestlich von Immichenhain),
  • zu Wangerode (2,8 km nordwestlich von Immichenhain).

Umlegung der Flur:

1929/1930, 1933-1939, 1942

Älteste Gemarkungskarte:

1747

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3525243, 5630690
UTM: 32 U 525159 5628877
WGS84: 50.81108029° N, 9.357093118° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634020020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1391 stellbares Land, 471 Wiesen, 8 Gärten, 39 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 568, davon 342 Acker (= 60.21 %), 92 Wiesen (= 16.20 %), 84 Holzungen (= 14.79 %)
  • 1961 (Hektar): 1477, davon 731 Wald (= 49.49 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 47 Hausgesesse.
  • 1639: keine Angaben. 1681: 27 Hausgesesse, 2 Ausschuss, 1 Junggeselle.
  • 1749: 4 Schneider, 5 Leineweber, 2 Maurer, 2 Schmiede, 17 Branntweinbrenner, 1 Wirt, 3 Schreiner, 5 Tagelöhner.
  • 1749: 51 Wohnhäuser, 182 Einwohner.
  • 1834: 436, 1885: 475 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 39 Ackerbau, 8 Gewerbe, 35 Tagelöhner.
  • 1861: 434 evangelisch-reformierte, 1 römisch-katholische Einwohner.
  • 1885: 443, davon 439 evangelisch (= 99.10 %), 4 katholisch (= 0.90 %)
  • 1925: 479, 1939: 536, 1950: 795, 1961: 613 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 168 Land- und Forstwirtschaft, 11 produzierendes Gewerbe, 26 Handel und Verkehr, 16 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 613, davon 584 evangelisch (= 95.27 %), 28 katholisch (= 4.57 %)

Diagramme:

Immichenhain: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Bis zur Bildung des Gerichts Neukirchen (vor 1360/67) Zubehör des Gerichts auf den Wasen (Amt Ziegenhain).
  • Seit 1538/44 ist Immichenhain mit den Höfen Volkershof und Niederberf (Berfhof) landgräfliches Lehen der Diede zum Fürstenstein (Lehnsreverse bis 1787);
  • 1360/67 und später: Gericht (Amt) Neukirchen
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Neukirchen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Neukirchen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • 1807: Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit.
  • 1822: Justizamt Neukirchen.
  • Seit 1867: Amtsgericht Neukirchen.

Herrschaft:

Seit 1538/44 ist Immichenhain mit den Höfen Volkershof und Niederberf (Berfhof) landgräfliches Lehen der Diede zum Fürstenstein (Lehnsreverse bis 1787);

Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit 1807.

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung des größten Teils des aufgelösten Gutsbezirks Domäne Immichenhain sowie eines Teils des bisherigen Forsts Immichenhain.

Am 1.4.1972 mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Ottrau zusammengeschlossen, deren Ortsteil Immichenhain seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1355 übertragen die Grafen von Ziegenhain Kloster Immichenhain ihr Dorf, am selbigen Kloster gelegen, der Hain genannt, mit allen Rechten und Zubehör, doch bleiben die hohe und niedere Gerichtsbarkeit den Grafen vorbehalten.
  • Bis zur Säkularisierung 1527 war Kloster Immichenhain wichtigster Grundherr am Ort.
  • 1538 belehnt Landgraf Philipp seinen Kammerdiener Konrad Diede mit dem Kloster Immichenhain samt Zubehör.
  • 1544 Neubelehnung der Diede mit Kloster samt Bauhof, dem Dorf Immichenhain, Weinzapf ebenda, dem Hof Volkersdorf sowie zusätzlich mit Einkünften zu Leimbach, Neukirchen, Riebelsdorf, Holzburg sowie Einkünften aus dem Zehnten zu Niederberf; Lehnsreverse bis 1787.
Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1498 und 1569 war Alt-Hattendorf nach Immichenhain eingepfarrt; 1585 und später auch Niederberf und Völkershof.

Hattendorf seit 1708 Filiale von Immichenhain.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: möglicherweise Johannes Taubenschlächter ca. 1535, sicher Johann Schlitz bis ca. 1547

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605.

Wirtschaft

Wirtschaft:

Auf eine ehemalige Waldschmiede in der Gemarkung deutet der Flurname Waldschmittswiese (1749).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Immichenhain, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4637> (Stand: 16.10.2018)
 
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