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5020 Gilserberg
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 51. Gilserberg

Gilserberg

Ortsteil · 338 m über NN
Gemeinde Gilserberg, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gemeinde; Gerichtsplatz

Lagebezug:

13 km nordwestlich von Ziegenhain

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit komplexem Grundriss am Oberlauf der Gilsa. Kernbereich der Siedlung mit dichter, regelloser Gehöftanordnung auf dem auslaufenden Hang eines von Südwesten nach Nordosten ziehenden Feldrückens. Kirche in südwestlicher Randlage. Siedlungserweiterung nach Norden in den Talgrund hinein. Auf der Ostseite des Gilsatales ehemals größere Hofanlage an der alten Frankfurter Landstraße. Lockere Bebauung in der Talmündung beiderseits der Landstraße.

Durch den Ort führt die Bundesstraße 3 (alte Landstraße Frankfurt - Kassel).

Auf sie treffen Straßen von Itzenhain bzw. Sachsenhausen nach Moischeid bzw. Schönau (Landesstraße L3155).

An der nördlichen Gemarkungsgrenze Bahnhof Gilserberg der Eisenbahnlinie Neuental/Zimmersrode - Kirchhain ("Wohratalbahn") von 1911 bis zur Stillegung der Teilstrecke am 31. November 1980.

Ersterwähnung:

1261

Siedlungsentwicklung:

Auf wüste Siedlungen deuten vielleicht folgende Flurnamen:

Breidenrode (1576; S. 558);

Randtshausen,

Romenrode (beide 1557 genannt; S. 591)

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Dorf 1329 (Klosterarchiv VI Nr. 423)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1877/1923

Älteste Gemarkungskarte:

1755

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3504442, 5646363
UTM: 32 U 504366 5644544
WGS84: 50.95249793° N, 9.062157889° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634006020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1603 stellbares Land, 223 Wiesen, 31 Gärten, 17 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 598, davon 365 Acker (= 61.04 %), 107 Wiesen (= 17.89 %), 58 Holzungen (= 9.70 %)
  • 1961 (Hektar): 922, davon 264 Wald (= 28.63 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1576: 30, 1585: 31 Hausgesesse.
  • 1639: 20 Hausgesesse. 1681: 20 Hausgesesse, 1 Ausschuss, 1 Junggeselle.
  • 1776: 332 Einwohner.
  • 1776: 4 Wirte einschließlich 2 Brauer, 2 Wagner, 3 Schmiede, 2 Schneider, 2 Leineweber, 1 Schreiner, 1 Zimmermann, 1 Ziegelbrenner, 3 Handelsjuden, 4 Tagelöhner, 2 Schäfer.
  • 1838 (Familien): 32 Ackerbau, 13 Gewerbe, 55 Tagelöhner.
  • 1838: 510, 1885: 487 Einwohner.
  • 1861: 450 evangelisch-reformierte Einwohner, 1 römisch-katholischer Einwohner, 27 (54?) Juden.
  • 1885: 487, davon 440 evangelisch (= 90.35 %), 0 katholisch, 47 Juden (= 9.65 %)
  • 1925: 572, 1939: 603, 1950: 965, 1961: 734 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 70 Land- und Forstwirtschaft, 126 produzierendes Gewerbe, 44 Handel und Verkehr, 58 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 734, davon 642 evangelisch (= 87.47 %), 88 katholisch (= 11.99 %)

Diagramme:

Gilserberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • wohl seit 1426: Amt Schönstein
  • 1346: Gericht Bulenstrut (Amt Rosenthal) (erschließbar aus: Otto, Reg. Mainz, Nr. 5423; Vigener, Reg. Mainz, Nr. 1502)
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Jesberg
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Treysa
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • Möglicherweise schon seit der Zerstörung des Schönsteins 1469 war Gilserberg die Gerichtstätte des Amtes Schönstein.
  • 1557 und 1590 werden auf dem Gilserberg die 3 ungebotenen Dinge und die übrigen Gerichte des Amtes Schönstein (s. d.) gehegt.
  • Auf eine Richtstätte weist der Flurname Galgenstätte 0,5 km nordöstlich von Gilserberg.
  • 1822: Justizamt Treysa.
  • Seit 1867: Amtsgericht Treysa.

Herrschaft:

1346 als Dorf des Gerichts Bulenstrut (Amt Rosenthal) zu erschließen (Otto, Reg. Mainz, Nr. 5423; Vigener, Reg. Mainz, Nr. 1502); damals an die Milchling von Schönstadt, 1355 an den Ritter Johann Gruszing, im gleichen Jahr an die von Schweinsberg und von Falkenberg verpfändet.

Seit 1362 falkenbergische Pfandschaft.

1426 belehnt das Erzstift Mainz die Grafen von Ziegenhain zur Besserung ihres Amöneburger Burglehens unter anderem mit dem Dorf Willingshausen samt allem Zubehör mit der Auflage, die falkenbergische Pfandschaft zu lösen (Wenck III Urkundenbuch Nr. 280).

Wohl seit 1426 dem Amt Schönstein zugeschlagen.

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung des Gutsbezirks Forst Willingshausen.

Am 31.12.1971 schloss sich die Gemeinde Gilserberg im Zuge der hessischen Gebietsreform mit den umliegenden Gemeinden Heimbach, Lischeid, Sachsenhausen, Schönau und Winterscheid zur neuen (Groß-)Gemeinde Gilserberg zusammen. Zu deren Entwicklung s. Gilserberg, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Gilserberg.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1261 vertauschen Bruno von Gerwigshain und seine Erben dem Kloster Haina ihre Güter in Willingshausen gegen eine Wiese bei Ziegenhain (sofern nicht Groß-Willingshausen).
  • 1262 verkaufen dieselben Haina ihre Güter in Klein-Willingshausen und einige Güter in Hattenrode mit allem Zubehör.
  • 1329 übereignen die Schleier dem Kloster ihre Güter in Dorf und Gemarkung Willingshausen, die damals Siegfried von Willingshausen innehatte; Verzicht der Miterben 1346.
  • 1402 bekundet Johann von Rhena, dass Lotze Boße Kloster Haina die Zinsen und Gefälle zu Willingshausen vor dem Walde, die das Kloster ihm versetzt hatte, für eine Frühmesse in der Martinskapelle des Klosters gestiftet hat.

Zehntverhältnisse:

1364/67 steht ein Viertel des Zehnten in Dorf und Feld von Willingshausen vor dem Walde der Schlossküche in Ziegenhain zu.

1557 ist der Rodezehnt in Gilserberg landgräflich.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Katholische Seelsorgestelle seit 1946; Kirche 1949 erbaut.

Pfarrzugehörigkeit:

1569 und später: nach Sebbeterode eingepfarrt.

1747: Filiale von Sebbeterode, 1776 auch als Vikariat von Sebbeterode bezeichnet (Kat. 1 Gilserberg, Vorbeschreibung).

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Grüsen.

Juden:

Möglicherweise sind Juden seit 1700 ansässig.

1744 werden 3 jüdische Familien genannt; 1776 3 Handelsjuden.

1835: 34, 1861: 54 (27?), 1905: 71 Juden.

Vor 1930 waren es ca. 12 Familien, von denen 6 von Landwirtschaft und Viehhandel, 3 vom Kolonial- und Textilhandel lebten.

Seit 1841 gab es eine jüdische Elementarschule, die bis bis ca. 1918 bestand.

Die Synagoge wurde 1900/1910 umgebaut sie lag in der Bahnhofstraße 13 (vormalig Dorfstraße 40); 1938 wird die Inneneinrichtung zerstört; nach der Pogromnacht wird sie als Spritzenhaus der Feuerwehr genutzt.

Friedhof 1924/25 angelegt (1,5 km südwestlich Gilserberg nahe der Bundesstraße 3), vorher wurden die Toten in Gemünden/Wohra beigesetzt. (alemannia-judaica)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Gilserberg, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4590> (Stand: 16.10.2018)
 
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