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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 52. Ziegenhain

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Frielendorf

Ortsteil · 229 m über NN
Gemeinde Frielendorf, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gemeinde; Gerichtsplatz; Gewerbesiedlung

Lagebezug:

9,5 km nordöstlich von Ziegenhain

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen beiderseits des Ohebachs. Kernbereich der Siedlung in linearer Ausrichtung auf die örtliche Hauptstraße. sowie südlich beiderseits des Ohebachs. Moderne Bebauung vornehmlich im Norden, Südwesten und Süden. Östlich des Ortes Industrieansiedlung (Bergwerk).

Durch den Ort führte bis zum Bau der modernen Umgehung die Bundesstraße 254 im Zuge des nördlichsten Zweiges der alten Straße durch die Langen Hessen.

Chaussee nach Wabern und Ziegenhain. Straßen nach Todenhausen, Großropperhausen (Landesstraße L3152), Welcherod (Landesstraße L3152) und Spieskappel (Kreisstraße K127).

Bahnhof der Eisenbahnlinie Eschwege/Niederhone – Schwalmstadt/Treysa ("Kanonenbahn (III)") (Inbetriebnahme der Strecke 1.8.1879).

Ersterwähnung:

1197

Historische Namensformen:

  • Frilingendorf (1197) [Urkunden A II Kloster Spieskappel]
  • Frilingestorf (um 1220)
  • Vrilingedorph (1247)
  • Frilendorf (1333)
  • Frielndorff (1585)

Bezeichnung der Siedlung:

  • Flecken 1750 (Kat. 1 Frielendorf, Vorbeschreibung)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1888/1936

Älteste Gemarkungskarte:

ca. 1720

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3522939, 5648870
UTM: 32 U 522856 5647050
WGS84: 50.97459498° N, 9.325543575° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634004020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 857 stellbares Land, 281 Wiesen, 47 Gärten.
  • 1885 (Hektar): 458, davon 230 Acker (= 50.22 %), 85 Wiesen (= 18.56 %), 83 Holzungen (= 18.12 %)
  • 1961 (Hektar): 644, davon 243 Wald (= 37.73 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 51 Hausgesesse.
  • 1639: 22 hausgesessene Männer, 15 Witwen
  • 1681: 42 Hausgesesse, 8 Ausschuss, 2 Junggeselle
  • 1750: 2 Müller, 1 Krämer, 1 Schreiner, 11 Leineweber, 3 Schuhmacher, 3 Bäcker, 3 Handelsjuden, 2 Metzger, 3 Schmiede, 1 Schlosser, 1 Wagner, 7 Schneider, 1 Zimmermann, 2 Färber, 10 Branntweinbrenner, 2 Wirte, 1 Essigbrauer, 13 Weibspersonen
  • 1750: 63 Wohnhäuser
  • 1834: 693, 1885: 917 Einwohner
  • 1838 (Familien): 26 Ackerbau, 70 Gewerbe, 45 Tagelöhner
  • 1861: 648 evangelisch-reformierte Einwohner, 128 Juden
  • 1885: 917, davon 776 evangelisch (= 84.62 %), 4 katholisch (= 0.44 %), 137 Juden (= 14.94 %)
  • 1925: 1448, 1939: 1460, 1950: 2210, 1961: 1885 Einwohner
  • 1961 (Erwerbspersonen): 62 Land- und Forstwirtschaft, 434 produzierendes Gewerbe, 160 Handel und Verkehr, 119 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 1885, davon 1637 evangelisch (= 86.84 %), 227 katholisch (= 12.04 %)

Diagramme:

Frielendorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Ende 15. Jahrhundert und später: Gericht am Spieß, das 1542 aus der Verwaltung des Amtes Homberg ausscheidet und dem (Ober-)Amt Ziegenhain zugeschlagen wird.
  • 1270: comitia Semedinberg (Sendberg) sive Frilingendorf,
  • 1376: Gericht Frielendorf und (Ober-)Grenzebach, Amt Homberg (Efze)
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Frielendorf
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • a) Gericht auf dem Sendberg (comecia in Semedinberge 1233, Wenck III Urkundenbuch Nr. 113):
  • Das 1233 genannte und unter diesem Namen nur im 13. Jahrhundert überlieferte landgräfliche Gericht ist als Vorstufe des späteren Amtes Homberg anzusehen (Helbig, Amt Homberg, S. 41 ff., 80 ff.). Seine Kompetenz umfasste die hohe und niedere Gerichtbarkeit.
  • 1233 befreit Landgraf Konrad von Thüringen die Güter des Klosters Spieskappel innerhalb des Jurisdiktionsbezirks von seiner Gerichtbarkeit, wobei ihm jedoch, wie anlässlich der Bestätigung von 1235 ausgeführt, die hohe Gerichtsbarkeit weiterhin zustand. Auch sollten die Kolonen weiterhin bei den 3 ungebotenen Dingen auf dem Sendberg erscheinen und zur Landfolge im Falle allgemeiner Not verpflichtet sein.
  • 1270 verpfändet der Landgraf die comitia Graf Ludwig von Ziegenhain (Dauer?).
  • Die Funktionen des Gerichts dürften Ende 13. Jahrhundert auf das neu gebildete Amt Homberg übergegangen sein (Helbig, Amt Homberg, S. 42).
  • Malstatt: Sendberg (s. d.), Gemarkung Todenhausen, ca. 1,5 km nordwestlich von Frielendorf.
  • centurio, officiales et sculteti 1235 (Kuchenbecker, Anal. Hass. IX Nr. 3).
  • b) Gericht am Spieß:
  • 1376 besteht als landgräfliche Verwaltungseinheit innerhalb des Amtes Homberg (Efze) das Gericht Frielendorf und (Ober-)Grenzebach, möglicherweise als Nachfolgeinstitution des 1302 genannten Gerichts zu (Wüstung) Heuern.
  • Um 1376 ist der Ritter genannt Quantz mit einem landgräflichen Burglehen von 1 Pfund Denare jährlicher Einkünfte ex iurisdictione Frielendorf (de iure der Gerichtbezirk Frielendorf) belehnt (Vogtherr, Lehnbuch, S. 44).
  • Seit dem 15. Jahrhundert ist das Gericht unter dem Namen seiner Malstatt Spieß (s. d.) mit der Kompetenz sowohl für die hohe wie für die niedere Gerichtsbarkeit faßbar. Gerichtsherren blieben stets die Landgrafen.
  • 1513 ist das Gericht am Spieß Appellationsinstanz für das Gericht Jesberg (Helbig S. 89).
  • Henker 1465 genannt; Richtstätte auf dem Spieß (s. d.).
  • c) Spätere Gerichtszugehörigkeit von Frielendorf:
  • 1822: Justizamt Ziegenhain
  • Seit 1867: Amtsgericht Ziegenhain
  • Seit 1945: Amtsgericht Treysa

Gemeindeentwicklung:

1928/29: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Frielendorf.

Am 31.12.1971 schloss sich die Gemeinde Frielendorf im Zuge der hessischen Gebietsreform mit den Gemeinden Gebersdorf, Lenderscheid (seit 15.9.1968 mit der Gemeinde Lanertshausen und seit 1.7.1970 mit der Gemeinde Siebertshausen vereinigt), Linsingen und Todenhausen zur neuen (Groß-)Gemeinde Frielendorf zusammen. Zu deren weiterer Entwicklkung s. Frielendorf, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Frielendorf.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1197 besitzt Kloster Spieskappel Einkünfte in Frielendorf und Gleimsdorf.
  • Um 1220 verkaufen Merbodo und seine Frau sowie ihre Miterben, die von Werleshausen, eine erblich überkommene Hufe zu Frielendorf an Kloster Spieskappel.
  • 1247 erwirbt das Kloster von dem Ritter Gumbert von Kassel Güterbesitz.
  • 1248 verzichtet der gleichnamige Bruder Gumperts auf eine zu den verkauften Gütern gehörende Hufe.
  • 1275 erwirbt das Kloster 2 Hofstätten von Siegfried von Dagobertshausen.
  • 1283 verkauft Spieskappel 2 Hufen, die Hermann, genannt Sleyskor besitzt, mit allen Erträgen außer dem Besthaupt an Heinrich Carpentarius genannt Lupus. Nach seinem und seiner Frau Tod fallen die Hufen an das Kloster zurück.
  • Wohl in der 1. Hälfte des 14. Jahrhundert lassen Hermann Carpentarius und seine Erben Ritter Wortwin Riedesel die Mauern (menia) ihres Hauses zu Frielendorf auf, um sie dem Ziegenhainer Bürger Konrad zu verkaufen.
  • 1384 verkauft Kloster Spieskappel Grundbesitz an die Krengel, darunter eine gadenstat und Scheuer auf dem Kirchhof.
  • 1510 verschreibt Heinrich Schymme aus Frielendorf dem Kloster die Besserung des Pachtkodens, auf dem er sitzt, sowie 2 Äcker.
  • 1517 überträgt die Witwe Kunze Ulners Spieskappel ihren Hof mit Haus und Scheuer sowie eine Wiese zu Schachtenbach.
  • 1522 befinden sich Dorf und Feldmark von Frielendorf vollständig im Besitz des Klosters Spieskappel (12 Hufen Landes, geteilt in 6 Vollgüter, 31 Kodensitze einschliesslich derjenigen Gesesse, die als Koden angesehen werden, und der Mühle zu Frielendorf). Hinzu kommen 6 nicht zu den Koden zählende, auf dem Kirchhof gelegene Beisesse.

Zehntverhältnisse:

Vor 1239 war der Zehnte hersfeldisches Lehen der Grafen von Reichenbach und von diesen an Hermann von Grenzebach verlehnt.

1260/67 gelangen durch Schenkung Graf Gottfrieds von Reichenbach 3 Viertel des Zehnten in Besitz des Klosters Spieskappel, das letzte Viertel kauft das Kloster von den von Holzheim 1261.

1270 verzichtet Graf Gottfried von Ziegenhain auf die genannten 3 Viertel des Zehnten. Erst jetzt erfolgte die Verleihung an Spieskappel durch Kloster Hersfeld.

Ortsadel:

1248-1310 (Helbig, Amt Homberg, S. 113).

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1383 bekunden die Dorfleute zu Frielendorf und Todenhausen die Erlaubnis des Klosters Spieskappel ihnen gegenüber, 2 Kapellen in beiden Dörfern weihen zu lassen, vorbehaltlich der Rechte der Patronatskirche Oberkappel und des Stiftsküsters von Spieskappel, der dort das Pfarramt bekleidet. Hinsichtlich der Kirchhöfe der beiden Kapellen und der darauf befindlichen Hofstätten behalten sich Abt und Konvent von Spieskappel Verpachtung und Baumaßnahmen als Eigentumsrecht vor (Gerich, Chronik von Frielendorf, Anhang Nr. 36).
  • 1495 werden Kapelle und Altar zu Frielendorf erneut geweiht und die 1383 verbrieften Rechte des Klosters bestätigt.
  • Katholische Seelsorgestelle Frielendorf seit 1946; Kirche (St. Johannes) 1955 geweiht.

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1383 bei Spieskappel eingepfarrt

1569 und später: Filiale von Spieskappel

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Spieskappel, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Spieskappeler Pfarrer Stephan Stoehr um 1528.

Juden:

Provinzial-Rabbinat Marburg

aus dem Jahr 1460 stammt ein Beleg über jüdisch Zollzahlungen im Ort.

1744 lebten 3 jüdische Familien in Frielendorf.

Anfang 19. Jahrhundert Zuzug jüdischer Familie(n) aus Großropperhausen.

1835: 64, 1861: 128, 1905: 129 Juden, vornehmlich Viehhändler, Metzger und Kaufleute; 1932/33: 85 Juden (5,69% der Gesamtbevölkerung)

Ehemalige Synagoge im Ort (Hauptstraße. 34); 1939 von Privat aufgekauft; im selben Jahr letzte Abmeldung von Juden.

Die jüdische Elementarschule bestand seit 1834.

Der Alte Friedhof lag im Gebiet des späteren Braunkohletagebaus.

1921/24 wird der neue Friedhof an der Straße Frielendorf - Großropperhausen, ca. 1 km südöstlich vom Ort, angelegt. (alemannia-judaica)

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Gericht auf dem Sendberg:

Zum Gericht auf dem Sendberg gehörten 1233 und 1235 Leimsfeld und (Wüstung) Snegelbiz, 1270, wie sicher schon vorher, Frielendorf. Ferner sind dem Gericht die 1235 von der landgräflichen Gerichtsbarkeit befreiten Höfe des seitherigen Klostergerichts Spieskappel zuzurechnen.

Gericht am Spieß:

Zum späteren Gericht am Spieß gehören 1376 Frielendorf und Obergrenzebach, seit 1465 auch Seigertshausen.

Ende 15. Jahrhundert umfasst das Gericht am Spieß: Frielendorf, Seigertshausen, Obergrenzebach, Todenhausen, Gebersdorf, Linsingen, Ebersdorf, Leimsfeld und Verna (Altkreis Fritzlar-Homberg).

Mit der Säkularisierung 1527 wird Kloster Spieskappel mit Oberkappel ebenfalls dem Gericht am Spieß zugeschlagen.

Wirtschaft:

1) Weinschank:

1537 ist der herrschaftliche Weinschank in Frielendorf vom Landgrafen an die Gemeinde verpachtet;

Weinschankprivileg Landgraf Wilhelms von 1572; die Einnahmen waren damals zur Erhaltung der Brücke über den Ohebach und des nach Ziegenhain führenden Steinwegs bestimmt.

2) Braunkohlebergbau:

Aufgrund einer eingelegten Mutung erwirbt der Kammerherr Ludwig von Baumbach 1821 die Bergwerkgerechtsame der östlich von Frielendorf gelegenen Braunkohlelagerstätten. Gründung der "Gewerkscha

Mühlen:

Die Mühle im Dorf war Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1527 Eigentum des Klosters Spieskappel, seitdem landgräfliche Mühle.

1522-1687 in Erbleihe an die Familie Wickert verpachtet.

1750 verfügte die Mühle über 1 Mahlgang (oberschlächtig); keine Bannmühle

1899 zum Sägewerk umgewandelt

Markt:

1750 hat Frielendorf 4 Jahrmärkte; von den damals noch vorhandenen landgräflichen Privilegien zweier dieser Märkte datierte das eine von 1694, das andere von 1717.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Frielendorf, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4580> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde